Formel E

Neues Qualifying, Nachspielzeit, mehr Leistung: Überblick der neuen Formel-E-Regeln zum Saisonstart 2022

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Endlich ist es soweit: Die Formel-E-Weltmeisterschaft startet am Freitag und Samstag mit zwei Nachtrennen in Saudi-Arabien in ihre insgesamt achte Saison. Aber was genau ändert sich für die letzten 16 Rennen der Gen2-Ära? Wir präsentieren dir sämtliche Regelanpassungen vor der Saison 2022 im Überblick.

Technisch gesehen bleibt zwar alles beim Alten: Aufgrund der Sparmaßnahmen, die während der Pandemie in der Formel E eingeführt wurden, müssen alle Teams 2022 die gleichen Motoren, Inverter und Getriebe einsetzen wie bereits im Vorjahr. Dennoch werden die Formel-E-Rennen in diesem Jahr deutlich anders aussehen, da es verschiedene Anpassungen am Sportlichen Reglement gab.

Wie funktioniert das neues Qualifying-Format der Formel E?

Die Rennserie hat auf die anhaltende Kritik am oftmals "unfairen" Gruppen-Qualifying mit anschließender Super-Pole reagiert und eine Änderung des Systems beschlossen. Der erste Startplatz wird zukünftig in einem Turniermodus ermittelt. Die Qualifikation beginnt mit zwei Zeitfahrsessions.

Zunächst gehen in Gruppe A die Fahrer auf den ungeraden Plätzen der Gesamtwertung (1, 3, 5, 7 usw.) für zwölf Minuten auf die Strecke, anschließend die Fahrer auf den geraden Plätzen in Gruppe B. Da es zum Saisonstart noch keine Gesamtwertung gibt, muss jedes Team pro Gruppe einen Piloten zuteilen. Die Fahrer dürfen dabei so viele Runden drehen, wie sie wollen, und auch die Reifen an der Box wechseln. Sie müssen jedoch eine gezeitete Runde innerhalb der ersten sechs Minuten des Qualifyings setzen. Es darf also niemand auf die besten Streckenbedingungen am Ende des Qualifyings warten.

Alle Fahrer, die es nicht unter die ersten Vier in ihrer Gruppe schaffen, sind ausgeschieden. Die Position in ihrer Gruppe entspricht dabei ihrer Startreihe. Die insgesamt schnellste Runde der Gruppenphase wird mit einem WM-Punkt belohnt.

Danach tritt im Viertelfinale der Sieger aus Gruppe A in einem Einzelzeitfahren gegen den vierten Fahrer aus Gruppe B an. Dies wiederholt sich mit dem Zweitplatzierten aus Gruppe A gegen den Drittplatzierten aus Gruppe B und so weiter. Alle Sieger der Duelle kommen ins Halbfinale, die Verlierer werden anhand ihrer Rundenzeiten aus dem Viertelfinale auf den Startpositionen fünf bis acht einsortiert.

Die Sieger der Viertelfinals ermitteln anschließend zwei Habfinalduellen die Finalteilnehmer. Der Gewinner des finalen Duells erhält die Pole-Position und - wie bislang auch - drei Punkte. Die Piloten, die mit ihm zusammen in der Gruppe (A oder B) gefahren und dort ausgeschieden sind, erhalten dann die ungeraden Positionen in ihrer jeweiligen Startreihe - also die Plätze 9, 11, 13 usw. Die Fahrer der anderen Gruppe starten von den geraden Positionen 10, 12, 14 usw.

Nachspielzeit: Rennen können verlängert werden

Die neue "Nachspielzeit" ersetzt die Energieabzugsregel, die die Formel E bislang im Anschluss an Safety-Car- oder Full-Course-Yellow-Phasen durchgeführt hat. Sollte es im Rennen zu einer "Neutralisierung" kommen, wird für jede volle Minute, die das Renntempo unterbrochen war, 45 Sekunden auf die Gesamtzeit addiert.

Die Bekanntgabe der Nachspielzeit erfolgt fünf Minuten vor dem regulären Rennende. Sollte zu diesem Zeitpunkt eine Neutralisierung laufen oder danach noch hinzukommen, bleibt die Nachspielzeit anschließend unverändert. Die maximale Länge der Nachspielzeit ist auf zehn Minuten gedeckelt.

Mehr Leistung im Auto abrufbar

Die Leistung der Fahrzeuge im Rennbetrieb steigt im letzten Jahr der Gen2-Ära von 200 kW auf 220 kW. Damit einher geht auch eine Veränderung beim Attack-Mode: Hier steigt die Maximalleistung von 235 auf 250 kW.

Dies entspricht der Leistung des FANBOOSTs, der folglich nicht mehr während der Verwendung des Attack-Modes benutzt werden darf.

Im Qualifying nutzen die Fahrer während der Gruppenphase den Rennmodus mit 220 kW, ab dem Viertelfinale dann den Quali-Modus mit 250 kW.

Mehr Reifen am Wochenende

Die Anzahl der Reifen, die einem Fahrer pro Rennen zu Verfügung stehen, wurde von sechs auf acht erhöht - je vier Vorder- und Hinterreifen. Somit können aus strategischen Gründen, insbesondere im Qualifying, ab sofort alle Reifen am Auto gewechselt werden.

Bei einem "Double-Header" mit zwei Rennen an einem Wochenende erhöht sich die Anzahl der nutzbaren Reifen sogar von acht auf insgesamt zwölf Pneus für beide Tage.

Freies Training gekürzt

Die Länge des 1. Freien Trainings wird von 45 Minuten auf 30 Minuten verkürzt. Damit verbleibt den Piloten weniger Vorbereitungszeit vor dem Qualifying. Die Kürzung gilt auch für das 3. Freie Training am zweiten Tag eines "Double-Headers".

Safety-Car

Nicht nur das Safety-Car ist neu - ein Porsche Taycan Turbo S ersetzt die bislang verwendeten BMW i8 Roadster sowie den Mini Electric Pacesetter. Auch hat die Formel E nach dem viel diskutierten "Lucas Loophole"-Trick in London die Regeln hinter dem Führungsfahrzeug geändert.

Ab sofort schaltet die Ampel am Ende der Boxengasse auf Rot, sobald das Safety-Car die Höhe der Boxeneinfahrt passiert hat. Grün wird sie erst dann wieder, wenn das komplette Feld am Ende der Boxengasse vorbeigefahren ist.

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1 Kommentare

EffEll ·

Die neue Reifenregel (Anzahl an verfügbaren Sätzen) finde ich sehr gut! Da hatte der Sparwahn zuvor m.M.n. etwas überhand genommen.

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