Formel E

"Nichts gegen Berlin, aber…" - Cassidy bejubelt Monaco-Sieg, 2 "Kiwis" kämpfen um die Formel-E-Krone

Timo Pape

Timo Pape

Cassidy-Evans-shake-Hands-Monaco

Nick Cassidy darf sich seit dem 6. Mai 2023 Monaco-Sieger nennen. Nach seinem Triumph in Tempelhof vor knapp zwei Wochen zeigte der Neuseeländer auch im Fürstentum ein bärenstarke Leistung und übernahm dank Platz 1 die WM-Führung von Pascal Wehrlein. Abermals kämpfte er bis zuletzt mit seinem Landsmann Mitch Evans im Werks-Jaguar - zwei "Kiwis" sind die Männer der Stunde in der Formel E.

Die Freude dürfte groß sein bei allen Formel-E-Fans in Neuseeland: Noch nie ertönte bei vier E-Prix in Folge dieselbe Nationalhymne. Evans siegte in Sao Paulo und am Berlin-Samstag, Cassidy einen Tag darauf und nun in Monaco. Damit manifestierten beide ihre Ansprüche auf den WM-Titel 2023 (zur Fahrerwertung).

Cassidy hat Evans nun jedoch etwas voraus: einen Sieg beim prestigeträchtigsten Rennen der Formel E. "Das ist so etwas Besonderes - mir fehlen die Worte", sagte der Envision-Pilot kurz nach dem Rennen im TV-Weltsignal. "Nichts gegen Berlin, aber das hier fühlt sich wirklich atemberaubend an! Es ist völlig verrückt. Es dauert wahrscheinlich noch eine Weile, bis ich das realisiert habe."

Evans, der nun dreimal in Folge beim Monaco E-Prix einen Pokal mitnahm, bedauert hingegen: "Ich stand hier jetzt mehrfach auf dem Podium, konnte aber nie gewinnen. Dennoch: Respekt an Nick und Envision. Er hat mich zur rechten Zeit überholt mit einem guten Manöver in Kurve 1, und das war's dann für mich. Ich habe mir zudem einen Flügelschaden eingehandelt, der mich etwas beeinträchtigt hat."

Evans: "Ich wünschte, ich könnte ein paar Momente noch einmal erleben"

Die späte Safety-Car-Phase verhinderte einen späten Angriff von Evans auf den Sieg. Nichtsdestotrotz habe er kaum Hoffnung gehabt, noch an seinem Markenkollegen vorbeizugelangen. "Die Energievorgaben waren gegen Rennende nach dem Safety-Cat ziemlich hoch", erklärt er und meint damit, dass die Schlussphase zu einem Vollstromsprint wurde. "Ich wünschte einfach, ich könnte ein paar Momente im Rennen noch einmal erleben - mit einem anderen Ausgang."

Denn eigentlich war es ein Tag wie gemalt für Evans. Nach starker Pace in beiden Freien Trainings und einer soliden Ausgangssituation im Qualifying führte er das Rennen zwischenzeitlich an und hatte zudem einen kleinen Energievorteil. "Ich habe mich stark gefühlt. Es gab Momente im Rennen, in denen ich gedacht habe, heute würde es für mich laufen." Daher sei er "ein bisschen enttäuscht, aber das sind ordentlich Punkte für die Meisterschaft. Das ist die Hauptsache."

Gegenteilig beschreibt Cassidy seinen Samstag bis zum Rennstart in Monaco: "Wir hatten einen wirklich schwierigen Tag. Ich war mit Startplatz 10 im Qualifying schon echt zufrieden." Im Rennen ging es jedoch mit Macht voran für ihn. Erst überholte er mit einem spektakulären Manöver außen herum in der Spitzkehre Jake Dennis und Evans. Wenig später zeigte er weitere sehenswerte und erfolgreiche Angriffe gegen Ticktum und Nato. Nach sieben Runden war Cassidy bereits Zweiter. Ein beherztes Manöver gegen Evans brachte ihm später den Sieg ein.

WM-Favorit Cassidy stapelt tief: Evans ist "unfassbar stark"

In der Meisterschaft hat Cassidy nach neun von 16 Saisonläufen einen komfortablen Vorsprung von 20 Punkten auf Pascal Wehrlein, der in den vergangenen Wochen keine nennenswerte Rolle mehr spielte. Vieles sieht derzeit nach einem Duell zwischen Cassidy und Evans aus, der als WM-Vierter 27 Zähler hinter seinem Landsmann liegt. Dennis auf Rang 3 hat ebenfalls ein Wörtchen mitzureden, doch das Momentum liegt derzeit bei Jaguar.

"Es ist noch ein weiter Weg, und dieser Kerl hier - Mitch - hat heute auch wieder gezeigt, wie unfassbar stark er ist", meint auch Cassidy. "Das wird ein großer Kampf, aber jetzt möchte ich gerade einfach nur genießen, dass wir Monaco gewonnen haben. Heute Abend werden wir feiern!" Auf die Frage, ob er wie Antonio Felix da Costa im Vorjahr vom Zehnmeterbrett springen wolle, antwortet er: "Ich habe immer gesagt, dass ich das nicht mache, aber jetzt müssen wir wohl doch drüber nachdenken", so Cassidy bei 'ran'.

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