Formel E

Nio-333-Teamchef Christian Silk: "Im Laufe der Jahre einige falsche Entscheidungen getroffen"

Svenja König

Svenja König

Nio-333-Teamchef-Silk-Diriyya

Im Sommer 2019 verkaufte der chinesische E-Automobilhersteller Nio sein Formel-E-Team an Shanghai Lisheng Racing, einen chinesischen Rennstall, und tritt seither nur noch als Titelsponsor auf. Damals beendete Nio die fünfte Formel-E-Saison als Schlusslicht der Teamwertung mit nur sieben gesammelten Punkten. Mit der Übernahme des Teams wurde Christian Silk Teamchef des "Nio 333 Formula E Team" - wie der Rennstall seitdem heißt. Nach einem äußerst erfolgreichen Saisonstart in Saudi-Arabien verrät Silk, was sich innerhalb von anderthalb Jahren alles verändert hat.

Christian Silk ist in verschiedenen Funktionen bereits seit Saison 1 Teil des chinesischen Formel-E-Teams und hat somit alle Phasen miterlebt: Vom Titelgewinn 2014/15 durch Nelson Piquet jr. als Team China Racing und NextEV, dann als Werksteam von Nio und nun als Nio 333 im Besitzt von Shanghai Lisheng Racing. Schon Saison 5 war für den Rennstall ein sehr schwieriges Jahr.

"Ich denke, das Nio-Formel-E-Team war schon immer sehr stark - mit guten Ingenieuren, die man von einem professionellen Rennteam erwarten kann", sagt Silk. "Unglücklicherweise wurden im Laufe der Jahre einige falsche Entscheidungen getroffen, gerade was den Antriebsstrang und Kontrollsysteme angeht. Und in einer Meisterschaft, wo es gerade darauf ankommt, tut das besonders weh."

In der darauffolgenden sechsten Saison lief es noch schlechter für Nio 333. Das Team konnte nicht einen einzigen Punkt sammeln. Das einzige kleine Highlight: Oliver Turvey fuhr einmal in die Super-Pole. "Für Saison 6 waren wir als 333 Racing in einer Art Übergangsphase", erklärt Silk. "Wir mussten ein Auto in die Startaufstellung bringen, das sicher und zuverlässig ist. Deshalb hatten wir kaum Zeit, die Performance zu verbessern."

Fokus auf Performance: "Mussten zwei Jahre Entwicklung in einem vornehmen"

"Für Saison 7 hatten wir ein weiteres Jahr Zeit, um unsere Systeme weiterzuentwickeln und konnten jetzt auch die Performance verbessern", sagt Silk. "Als Team haben wir gemeinsam viel Erfahrung und wissen auch, was es braucht. Aber wir kämpfen immer noch mit den Lasten der vorherigen Saisons."

Dabei hat sich das Team auf die größten Probleme zuerst fokussiert: "Ich denke, es ist offensichtlich, dass uns in der letzten Saison die Performance gefehlt hat. Deshalb haben wir uns darauf konzentriert. Wenn man sich die Ergebnisse der letzten Saison anschaut, mussten wir mehr oder minder zwei Entwicklungsjahre in einem vornehmen. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir auch einen neuen Antriebsstrang entwickelt. Das war natürlich eine große Herausforderung für ein kleines Team, aber wir haben einen großen Sprung nach vorn gemacht und werden das auch noch über die Saison machen."

Im Rahmen dieses Prozesses wurde nicht nur am Auto einiges verändert. Auch im Team selbst, also beim Personal, wurde durchgetauscht: "Wir haben unser starkes ingenieur-Rückgrat behalten und uns in anderen Bereichen verbessert", sagt Silk. "Außerdem ist es für mich sehr wichtig, dass wir im Team eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Mitarbeiter:innen wohlfühlen und so ihr Bestes geben können. Wir haben uns immer auf das Wohlbefinden unserer Fahrer konzentriert, aber es ist auch wichtig, dass das ganze Team mental und physisch fit ist."

Mit starker Fahrerpaarung im 1. WM-Jahr konstant punkten

"Unser Ziel ist es, regelmäßig in die Punkte zu fahren. Natürlich waren unsere Ergebnisse in Diriyya sehr gut, aber wir müssen das jetzt auch über die Saison halten. Wir müssen konstant sein, das Maximum aus dem Auto holen und da sein, wenn andere Teams Probleme haben. Das klingt vielleicht nicht schön, aber so ist das Racing."

Oliver Turvey startete mit einem zehnten und einem siebten Platz in die erste Weltmeisterschaftssaison und hat somit neun Punkte in Diriyya geholt. Formel-E-Rückkehrer Tom Blomqvist kämpfte im ersten Rennen mit technischen Problemen und wurde in Lauf 2 in einen Unfall verwickelt. Mit seinem Fahreraufgebot ist der ehemalige Projektmanager vom Williams-Formel-1-Team sehr zufrieden.

"Ich habe schon zum Saisonstart gesagt, dass unsere Fahrerpaarung sehr stark ist. Olivers Pace im Qualifying ist legendär, und er hat natürlich nichts von seiner Fähigkeit verloren, das Maximum aus dem Auto zu holen, wenn es darauf ankommt. Bei den Tests sah es schon so aus, als wäre Tom auf dem gleichen Niveau. Was wir in den ersten zwei Läufen gesehen haben, ist, dass Tom im Qualifying genauso schnell ist wie Oliver. Deshalb wird es eine sehr interessante Saison."

Bis zum zweiten Rennwochenende der siebten Formel-E-Saison in Rom sind es noch etwas mehr als zwei Wochen - sofern es denn stattfinden kann. Das Nio-333-Team wird zweifelsohne alles daran setzen, diese Zeit intensiv zu nutzen, um sich bestmöglich vorzubereiten. Denn nach dem Rom E-Prix geht es Schlag auf Schlag weiter mit Rennen in Valencia, Monaco, Marrakesch und Santiago de Chile. Und Nio will endlich wieder ein Wörtchen mitreden.

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