Formel E

Nissan-COO Ashwani Gupta im Exklusiv-Interview: "Müssen mehr Aufmerksamkeit für Formel E schaffen"

Timo Pape

Timo Pape

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Ashwani Gupta ist Chief Operating Officer (COO) und Chief Performance Officer (CPO) von Nissan. Beim Monaco E-Prix besuchte das Vorstandsmitglied das Formel-E-Team Nissan e.dams an der Strecke und stellte sich unseren Fragen. Im Exklusiv-Interview mit 'e-Formel.de' sprach der 1970 in Indien geborene Manager über Vor- und Nachteile der Formel E, Veränderungen in der anstehenden Gen3-Ära und die Konsequenzen einer eigenen Batterie-Entwicklung.

Nach verschiedenen Karrierestationen bei anderen Allianzunternehmen wie Renault und Mitsubishi konzentriert sich Gupta seit Ende 2019 vollständig auf Nissan. So hat er die Erfolge und Misserfolge des Formel-E-Teams in der Gen2-Ära miterlebt und vor der kommenden Saison wichtige Entscheidungen getroffen. Schnell wird klar: Gupta steht voll und ganz hinter dem Formel-E-Programm von Nissan.

Herr Gupta, seit wann und inwiefern sind Sie in das Formel-E-Programm von Nissan involviert?

Ich kannte die Formel E natürlich schon vorher. Aber das erste Mal, dass ich mit der Formel E in Kontakt kam, war, als ich COO bei Nissan wurde. Ich habe gesagt: 'Wow - das ist der Weg, den wir gehen müssen.' Seitdem arbeite ich sehr detailliert mit Tommaso (Volpe, Teamchef) daran, wie wir das Commitment Nissans optimieren können. Das begann mit der Gen3-Einschreibung und ging mit der Übernahme von e.dams weiter.

Was waren die Gründe für den vollständigen Kauf des Teams Mitte April?

Wir wollen in der Gen3-Ära Nissans Fähigkeiten auf dem Gebiet der Elektrifizierung und Nachhaltigkeit demonstrieren. Dafür ist es wichtig, jeden einzelnen Aspekt zu kontrollieren, damit wir als ein Team zusammenarbeiten können. Das Team bleibt das gleiche, nur dass sie (e.dams) nun zu unserer Familie gehören.

Welche Rolle haben die überschaubaren Ergebnisse des Teams in der jüngeren Vergangenheit gespielt?

Natürlich schauen wir auch zurück und ziehen unsere Lehren daraus, aber dies war eine Entscheidung mit Blick in die Zukunft. Wir wollen unser bestmögliches Racing zeigen. Sowohl was das Auto angeht als auch das Rennteam.

Wie hat sich die Formel E seit der Übergabe von Allianz-Partner Renault an Nissan zum Start der Gen2-Ära entwickelt?

In technologischer Hinsicht hat sie sich in die richtige Richtung entwickelt. Das betrifft die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge, aber auch die Zugänglichkeit der Serie an sich - nehmen wir mal die Pandemie beiseite. Woran wir jedoch arbeiten müssen - nicht nur als Nissan, sondern als gesamte Formel E: Wir müssen mehr Aufmerksamkeit für die Formel E schaffen.

Woran fehlt es aus Ihrer Sicht?

Die Formel E ist nicht nur eine simple Rennveranstaltung zur Unterhaltung. In der Formel E geht es auch um Nachhaltigkeit und einen Beitrag für die Gesellschaft. Darauf muss mehr aufmerksam gemacht werden.

Nissan hat sich langfristig bis 2026 der Formel E verschrieben. Warum ist sie offensichtlich eine passende Plattform für Sie?

Nissan will die Gesellschaft mit saubererer, sicherer und inklusiverer Mobilität voranbringen. Das ist unser Unternehmensfokus, den die Formel E definitiv erfüllt. Der zweite Grund ist, dass wir mit der Formel E so viele Dinge lernen - etwa bei der Batterie oder den E-Antrieben. Diese Erfahrungen bringen wir in unsere Straßenfahrzeuge ein.

Wie wichtig ist vor diesem Hintergrund die neue Schnellladetechnologie, die die Formel E mit der Gen3-Ära einführen will?

Die Menschen haben heutzutage immer noch Reichweitenangst. Diese Angst kann man mit einer besseren Batterie lösen, mit einer gut ausgebauten Ladeinfrastruktur und mit Schnellladetechnologie. Wenn unsere Fans Formel E schauen, wird sie ihnen die Sorge nehmen. Denn wenn die Formel E das mit Rennwagen schafft, warum sollen es dann nicht auch die Straßenautos schaffen? Für uns geht es also darum, den Autofahrern ihre Reichweitenangst zu nehmen.

Sie sprechen es an: Auch die Batterie ist ein essenzieller Teil eines E-Autos, mit dem sich Hersteller auch auf der Strecke differenzieren könnten. Wünschen Sie sich eine Freigabe der Batterie-Entwicklung in der Formel E?

Für uns geht es um die richtige Balance zwischen Performance und Kosten. Wir pushen dieses Thema nicht, denn stellen Sie sich mal das nötige Investment vor. Meine persönliche Meinung ist, dass es beim Rennsport immer um Kollaboration (zwischen den Wettbewerbern) geht. Wenn es sich nicht alle leisten können, ist aber keine Zusammenarbeit möglich. Darum müssen wir eine gute Balance finden.

Wollen Sie Ihre Wettbewerber auf der Strecke nicht eher schlagen?

Ich glaube, wir sollten unsere Zeit nicht damit verbringen, die Batterie einzigartiger zu machen. Denn dann wird das Rennen nicht mehr auf der Strecke ausgetragen, sondern in der Batterieentwicklung. Sollte einer von uns (Teams) zwei Prozent mehr Akkukapazität haben, wäre das definitiv der Fall. Wir wollen eine Umgebung für unsere Helden - die Fahrer - schaffen, in der sie ihr wahres Talent zeigen können.

Zum Start der Gen2-Ära überraschte Nissan mit einem innovativen Doppelmotor-Konzept, das Vorteile im Qualifying brachte - wenngleich es später verboten wurde. Dürfen wir uns auf ähnliche Kniffe zur Gen3-Ära freuen?

Woran wir vor allem arbeiten, ist das Energiemanagement. Wir glauben, dass die richtige Balance zwischen Beschleunigung und Energiemanagement den entscheidenden Vorteil in der Formel E bringt. Darauf legen wir unseren Fokus, denn das wird mit dem eigentlichen Hauptmotor und dem neuen Frontmotor noch wichtiger.

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