Formel E

Nissan-Pilot Oliver Rowland exklusiv im Formel-E-Interview: "Ich brauchte eine Pause, gar keine Frage"

Timo Pape

Timo Pape

Oliver-Rowland-Cockpit-Mahindra-Formula-E

Oliver Rowland ist zurück in der Formel E. Nach seinem vorzeitigen Überraschungsaus bei Mahindra kehrte der 31-Jährige Brite zu seiner "alten Liebe" e.dams - inzwischen das Nissan-Werksteam - zurück. Im Exklusiv-Interview mit e-Formel.de gibt er Einblicke in sein Seelenleben nach dem Mahindra-Aus, spricht über seine neue Vorbildrolle für Sacha Fenestraz und erklärt seinen Fahrplan bis zu den Vorsaison-Testfahrten in Valencia.

Oliver, die Trennung von Mahindra liegt inzwischen einige Monate zurück. Von wem ging sie aus?

Es war letztlich meine Entscheidung. Es war (bei Mahindra) einfach nicht so, wie ich es gern gehabt hätte. Ehrlich gesagt hatte ich nicht das Gefühlt, dass sich auf kurze Sicht etwas ändern würde.

Aber so mitten in der Saison - das kam für die meisten schon ziemlich überraschend…

Das war wiederum nicht meine Entscheidung. Ich wollte die Saison in einer guten Art und Weise beenden, aber dazu hatte ich nicht mehr die Chance. Es war etwas überraschend und kam relativ kurzfristig, aber umso besser. Ich hatte ja ohnehin Pläne in der Hinterhand. Ich bin jetzt in einer besseren Position und deutlich glücklicher.

Wie wir auf deinen Social-Media-Kanälen gesehen haben, hattest du in den vergangenen Monaten viel Zeit für deine Familie. Wie sehr hast du die Pause genossen?

Ohne jeden Zweifel ist es schön, viel Zeit mit der Familie zu verbringen, aber gleichzeitig war es schwer für mich, die Rennen zu schauen und nicht vor Ort zu sein, vor allem die ersten. Es wurde dann etwas einfacher. Ich habe ja mein Kart-Team, mit dem ich viel Zeit verbracht habe. Ich habe dies und das organisiert, um mich für den Rest des Jahres in eine gute Position zu bringen. Aber in den letzten Monate ist es schon hin und wieder ein bisschen langweilig geworden.

War die Auszeit auch mit Blick auf deine zuletzt schwankende Form hilfreich?

Ich brauchte eine Pause, gar keine Frage. Ich bin damals buchstäblich direkt nach dem Berlin E-Prix (Saisonfinale 2021) bei Mahindra durchgestartet, habe mich reingebissen und ausgepowert. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum meine Leistungen etwas schlechter geworden sind. Ich war nicht mehr so konstant. Ich war frustriert, müde und hatte gewissermaßen die Nase voll von dieser Situation. War es nötig? Ja. Habe ich es genossen? Ich sage mal so: Ich möchte in absehbarer Zeit noch nicht mit dem Rennsport aufhören.

Nissan hat in der zweiten Saisonhälfte 2023 einen echten Aufschwung durchlebt, der Antrieb ist konkurrenzfähig. Hat die Entscheidung, Mahindra zu verlassen, deine Karriere gerettet?

Die Zeit wird es zeigen, aber ich glaube fest daran. Sonst wäre ich nicht so überzeugt davon gewesen, die Situation, in der ich war, hinter mir zu lassen. Wenn du in einer Rennserie wie der Formel E für zwei oder drei Jahre nicht performst, dann bist du ganz schnell wieder vergessen. Daher musste ich diese Entscheidung treffen, mutig sein. Letztlich hat es sich ausgezahlt.

Du bist bereits von Saison 5 bis Saison 7 für Nissan e.dams gefahren, nun die Rückkehr. Wie sehr fühlt sich das Team nach Familie für dich an?

100 Prozent! Ich fühle mich hier schon wieder sehr wohl. Ich habe bisher zwar erst wenig mit dem Team zusammen gearbeitet, aber es wird hier vorangehen. Ich bin vor ein paar Wochen zum ersten Mal für eine richtige Session mit Sacha und den ganzen Renningenieuren beim Team gewesen. Es gibt eine Menge neuer Leute verglichen mit damals, als ich noch da war. Ich würde sagen, etwa 70 Prozent des Teams sind neu. Trotzdem hat es sich direkt wieder wie Zuhause angefühlt.

Was einige wohl nicht wissen: Deine Historie mit dem Team geht noch weiter zurück.

Ich bin dort seit Ende 2016 ein- und ausgegangen, als ich noch bei DAMS war. Das ist eine ganze Weile her, aber ich habe mich sofort wieder zu Hause gefühlt. Ich fühle mich respektiert dort. Die Leute sind glaube ich dankbar für das, was ich in der Vergangenheit beigetragen haben. Ich möchte glauben, dass ich sie auch in der Zukunft wieder voranbringen kann.

Durch deinen jungen Teamkollegen Sacha Fenestraz (24 Jahre) hat sich auch deine Rolle verändert: Du bist plötzlich der Routinier im Team.

Ja, es ist das erste Mal, dass ich einen jüngeren Teamkollegen habe. Ich sehe mich in der Verantwortung, ihm den 'reifen' Weg zu zeigen, wie man Dinge angeht. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich in seinem Alter war. Mit mir und Seb (Buemi) war es damals genau das Gleiche, nur umgekehrt.

Was kann Sacha von dir lernen?

Mal sehen - vielleicht versohlt er mir ja den Hintern (lacht). Er ist schon echt gut, und ich bin mir sicher, dass er im Qualifying sehr schnell sein wird. Was ich meinerseits einbringen kann, ist Erfahrung. Ich habe das schon durch, habe richtige und falsche Entscheidungen getroffen. Ich weiß, was hier klappt und was nicht, und wie ich das Team motiviere. Bei den Rennen kann ich ihm sicher noch ein bisschen helfen, denn wir wollen mit zwei Fahrern an der Spitze fahren.

Sacha hat in seinem ersten Jahr echte Highlights setzen können, aber zum Teil auch folgenschwere Fehler wie in Kapstadt gemacht, als er sein erstes Podium verspielte.

Das ist normal. Ich habe in meiner ersten Saison viele Fehler gemacht. Es geht mehr um die Evaluation im Nachhinein. Seb hat mir dann immer den Arm auf die Schulter gelegt und gesagt: "Du machst einen guten Job." Sacha hat ganz klar gezeigt, was er für einen Speed hat, und das ist in der Formel E die wichtigste Grundlage.

Warum sind gerade die Rennen in der Formel E so schwierig für Neulinge?

Sie sind komplett anders als ein Zeitfahren. Es braucht eine ganz andere Einstellung und Mentalität. Es gibt viel mehr zu managen, und gleichzeitig haben wir (Nissan) wahrscheinlich nicht das einfachste Paket der Welt dazu. Wir sind sehr schnell auf eine Runde, aber wohl nicht die Effizientesten. Aber das kommt mit der Zeit.

Am 23. Oktober beginnen in Valencia die kollektiven Vorsaison-Testfahrten. Wie sieht dein Fahrplan bis dahin aus?

Zuerst einmal heirate ich auf Ibiza. Dann haben wir Anfang Oktober einen Testtag, anschließend Simulator-Sessions, den Shakedown unserer Rennfahrzeuge, und dann geht es nach Valencia.

Da bleibt ja gar keine Zeit mehr für Flitterwochen?

Nein, das machen wir im November, wenn die Testfahrten durch sind (lacht). Wir müssen erst mal sehen, wie die laufen. Es wäre zu viel Zeit, die wir verlieren würden, gerade bei einem neuen Projekt wie diesem. Da möchte ich nicht mehrere Wochen weg sein. Wir müssen Gas geben.

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