Formel E

Nissan-Pilot Sacha Fenestraz im Interview (2/2): "Formel E bei Professionalität schon sehr nah an F1 dran"

Timo Pape

Timo Pape

Sacha-Fenestraz-thinking

Sacha Fenestraz hat während seiner ersten kompletten Formel-E-Saison mit Nissan einige im Fahrerlager beeindruckt. Im XXL-Exklusiv-Interview mit e-Formel.de gewährt er Einblicke in sein Seelenleben. Nachdem es im ersten Teil vor allem um sportliche Aspekte ging, spricht der Franco-Argentinier diesmal über Zukunft des Motorsports, seinen Karriereweg und über ein mögliches Wiedersehen mit Lando Norris.

Sacha, du blickst im zarten Alter von 24 Jahren bereits auf einige erfolgreiche Saisons zurück: Meister 2017 im Formel Renault 2.0 Eurocup, Meister 2019 in der Japanischen Formel 3, und im vergangenen Jahr der Vizetitel in der Super Formula. Was war Stand heute dein Karriere-Highlight?

Mein bisheriger Karrierehöhepunkt war letztes Jahr in der Super Formula, als ich beinahe den Titel geholt hätte. Leider hatte ich einen schweren Unfall in Fuji, der mich aus dem Rennen um die Meisterschaft genommen hat. Außerdem einen mechanischen Defekt mitten in der Saison. Trotzdem war das eine meiner besten Saisons bisher.

Dein Jahr in der Formel E war auch nicht schlecht.

Es war immer mein Traum, einmal in einer Weltmeisterschaft zu fahren, und jetzt bin ich in der Formel E. Diese Chance mit einem Hersteller wie Nissan zu bekommen, macht mich extrem glücklich. Trotzdem möchte ich nächstes Jahr noch konstanter an jedem Wochenende um die vorderen Plätze mitkämpfen.

Du bist schon viele verschiedene Rennwagen gefahren. Wie lässt sich der Speed des neuen Gen3-Autos mit Verbrenner-Fahrzeugen vergleichen?

Das ist schwer zu vergleichen, denn wir fahren in der Formel E vor allem auf Straßenkursen. Und das Ziel dieser Serie ist ja ein anderes: Es geht mehr um Nachhaltigkeit und Elektrifizierung. Wir haben hier ein anderes Mindset. Wenn man über den puren Speed spricht, wäre ein Super-Formula- oder F1-Auto natürlich viel schneller, aber hier geht es um Effizienz.

Ist das ein Argument, das für die Formel E spricht?

Wir gewinnen durch Rekuperation während des Rennens 40 Prozent Energie zurück! Das ist, als müsste man in der Formel 1 mit 60 Prozent Kraftstoff losfahren und soll damit ins Ziel kommen. Das Energiemanagement ist ein Aspekt, den ich an der Formel E attraktiv finde.

Trotzdem würdest du ein Formel-1-Angebot vermutlich nicht ausschlagen?

Natürlich ist der Traum Formel 1 noch immer präsent und wird es auch immer sein. Und ich bin immer noch relativ jung, also wer weiß, was die Zukunft noch bereithält. Momentan bin ich aber sehr glücklich hier. Irgendwann die Chance zu haben, in der Formel E Weltmeister zu werden, ist unglaublich.

Die Formel E beschließt nächste Saison ihr erstes Jahrzehnt. Ist sie hinter der F1 inzwischen die Nummer 2 im globalen Formelsport?

Ja, ich denke schon. Also zumindest von den Serien, die ich kenne. Es kommt darauf an, über welchen Aspekt wir sprechen. Wenn es um den reinen Speed geht, gibt es natürlich schnellere Serien. Aber hinsichtlich der Qualität der Fahrer, ist sie auf jeden Fall die Nummer 2. Viele ehemalige Formel-1-Fahrer wie etwa Felipe Massa haben es in der Formel E versucht, und es war nie einfach für sie. Das zeigt das Niveau und die Schwierigkeit dieser Serie.

Gibt es noch weitere Bereiche, in denen die Formel E weit vorn ist?

In Sachen Professionalität ist die Formel E definitiv am nächsten an der Formel 1 dran. Super Formula, Super GT, Formel 2 - die sind alle auf einem ähnlichen Niveau. In der IndyCar bin ich nie gefahren, dazu kann ich nicht viel sagen. Aber die Formel E ist schon sehr nah an der F1 dran.

Du hast damals in England mit McLaren-F1-Star Lando Norris in einer WG gewohnt. Wirst du ihn eines Tages auf der Strecke wiedersehen?

Ich hoffe es auf jeden Fall. Die einzige gemeinsame Saison, in der wir uns auf der Strecke duellieren konnten, war in der Formel Renault. Damals wurden wir auch Freunde und lebten in derselben Wohnung in Großbritannien. Wenn ich eine Chance in der Formel 1 bekommen würde, würde ich sie natürlich sehr gern ergreifen. Vielleicht kommt er auch irgendwann in die Formel E. Zumindest im Moment aber wohl eher nicht.

Eure Generation ist noch mit Verbrenner-Motorsport aufgewachsen - die F1 ist das primäre Ziel fast aller heutigen Piloten. Irgendwann dürfte Elektro jedoch das neue Normal sein. Wird sich damit auch das Karriereziel der Kids von morgen verändern?

Ich denke schon. Die nächste Generation wird mit Elektroautos aufwachsen. Die heute Fünfjährigen werden in 20 Jahren ganz andere Technologie zur Verfügung haben. Rennwagen werden viel mehr Energie und größere Batterien haben, vielleicht gibt es dann sogar fliegende Autos. Ich denke und hoffe, dass die Kids von heute irgendwann in einer Serie wie der Formel E fahren wollen, weil sie einfach die Zukunft ist.

Wie sieht der Rennwagen von morgen für dich aus?

Wenn ich ein Auto designen dürfte, würde ich ihm mehr Aerodynamik und mehr Grip verpassen, etwa über die Reifen. Aktuell haben wir ja keine Slicks. Sie würden das Auto erheblich schneller machen. Der Motor an sich könnte auf 500 kW (aktuell 350 kW) hochgeschraubt werden. In Saison 11 könnte ja bereits ein Allradantrieb kommen, außerdem neue Reifen. Die Formel E entwickelt sich einfach jedes Jahr weiter.

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