Noch 4 Rennen, um sich zu beweisen: Diesen Fahrern droht vor Gen4 möglicherweise das Formel-E-Aus
Tim Neuhaus
FIA Formula E
Die zwölfte Formel-E-Saison der Geschichte geht dem Ende entgegen. Es verbleiben lediglich vier Rennen an zwei Schauplätzen - Tokio und London. Mit dem Ende der Saison werden auch wieder die Fahrerverträge interessant. Vor dem großen Umschwung in die neue Fahrzeuggeneration wollen die Teams das stärkstmögliche Fahrerduo haben, und nicht jeder Fahrer der ablaufenden Saison scheint dafür gut genug zu sein.
Besonders der Wechsel zum Gen4 ist für die Teams die ideale Gelegenheit, um einen Fahrer mit dürftiger Performance zu ersetzen. Die neuen technischen Regularien bieten nämlich ein Fahrzeug, welches wesentlich mehr mit Aerodynamik arbeitet und dementsprechend auch von der Fahrweise her um einiges näher von anderen Formel-Rennserien liegt. Dementsprechend ergibt die Verpflichtung eines jungen Talentes mit Formel-2- und Formel-3-Erfahrung nun mehr Sinn als je zuvor.
Norman Nato schafft den Durchbruch mit Nissan nicht
Der Fahrer, der am offensichtlichsten um seinen Stammplatz fürchten muss, ist der Franzose in Nissan-Diensten - Norman Nato. Lediglich in zwei der ersten 13 Rennen hat er gepunktet, aktuell liegt auf dem vorletzten Platz der Gesamtwertung. Sein Teamkollege Oliver Rowland hingegen kämpft mit 114 Punkten als WM-Dritter noch um den Fahrertitel. Bereits im letzten Jahr waren Natos enttäuschenden Leistungen ausschlaggebend dafür, dass es für Nissan Am Ende doch nur für Platz 3 in der Teamwertung reichte.
Wenn Nato nicht gerade die letzten vier Rennen überzeugt, dann gibt es wohl kaum noch etwas, was ihn retten könnte. Nissan hat genügend junge Talente in seinen Reihen, die man fördern könnte, allen voran Victor Martins und Gabriele Mini. Beide waren oder sind erfolgreich in den Nachwuchsklassen der Formel 1 gewesen und haben schon sehr gute Leistungen bei Formel-E-Rookie-Tests gebracht. Am Ende ist es bei Nissan vermutlich ein Luxusproblem. Es steht jedoch fest, dass es einen Umschwung beim Zweitfahrer brauchen wird, wenn man auch um die Teamwertung fahren will.
Ticktum von Rookie in den Schatten gestellt
Eine weitere so große Lücke zwischen Teamkollegen wie bei Nissan gibt es in keinem anderen Team. Dan Ticktum jedoch wird sich Saison 11 zurückwünschen: Im letzten Jahr war der Brite noch die klare Nummer 1 im Team und wurde sogar mit einem Wechsel zu Porsche in Verbindung gebracht. In diesem Jahr beweist er zwar immer wieder, wie schnell er sein kann, bringt aber nahezu nie das Ergebnis nach Hause.
Während Ticktum im Qualifying mit bereits zwei Pole-Positions sehr wettbewerbsfähig war, punktete er nur bei zwei Rennen, mit Platz 4 als bestes Ergebnis. Sein Teamkollege, Pepe Marti, sammelte bislang 30 Punkte mehr als Ticktum und fuhr dabei zwei Podestplätze ein. Zusätzlich dazu, dass Ticktum von einem Rookie deutlich geschlagen wurde, kamen zuletzt auch Disziplinarmaßnahmen des Teams auf ihn zu. Er scheint um Längen nicht mehr so unverzichtbar für Cupra Kiro wie noch vor einem Jahr.
Große Abstände, aber wenig Gefahr
Bei den Punkten, die die Fahrer diese Saison einfuhren, gibt es weitere ähnlich große Abstände wie zwischen Marti und Ticktum. Nico Müller beispielsweise liegt nahezu 50 Punkte hinter Pascal Wehrlein, konnte aber bereits ein Rennen gewinnen und stand ein weiteres Mal auf dem Podest. Seine Ergebnisse sind durchweg solide und mit 96 Punkten liegt er wesentlich besser in der Gesamtwertung als noch im Vorjahr. Er scheint sich bei Porsche als zweiter Fahrer zu etablieren.
Nyck de Vries, Felipe Drugovich und Jean-Eric Vergne hatten alle drei einen sehr harten und erfolglosen Saisonstart. Die Tendenz deutet bei ihnen in den letzten Rennen jedoch klar nach oben. De Vries konnte in Monaco gewinnen, Vergne fuhr beim letzten Rennen in Shanghai aufs Podest und Drugovich fährt seit ebenfalls Monaco wie entfesselt. Zwar ist der Punkteabstand zu ihren Teamkollegen weiterhin deutlich, aber noch nicht in einem gefährdenden Bereich für ihre Stammplätze - Drugovich wurde bereits für die kommende Saison bestätigt.
In den letzten vier Rennen gibt es jedoch noch einen gewaltigen Haufen an Punkten zu erobern - maximal 116 WM-Zähler kann ein Fahrer noch erobern. Erst danach wird sich schlussendlich entscheiden, wer bei welchem Team bleibt. In Tokio werden ab dem 25. Juli alle Fahrer erneut versuchen, das Maximum für ihre Teams zu erreichen.
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