Formel E

Norbert Haug: Herstellerflut in der Formel E wird eine "Herkulesaufgabe"

Timo Pape

Timo Pape

Norbert Haug hat viel erlebt im Motorsport. Als Mercedes-Motorsportchef führte er die Stuttgarter zurück in die Formel 1, zudem kennt er die DTM aus dem Effeff. In beiden Rennserien spielt die Politik eine große Rolle - obwohl jeweils nur eine überschaubare Anzahl an Automobilkonzernen vertreten ist. Mit Blick auf die Formel E prophezeit Haug einige Herausforderungen für Serienboss Alejandro Agag und Co.

"In der DTM sehen wir ja, wie schwer es ist, drei Hersteller zu koordinieren. Zehn wie in der Formel E sind eine Herkulesaufgabe", erklärt Haug gegenüber dem 'Kicker' und blickt in die nahe Zukunft. Tatsächlich treten schon jetzt sieben verschiedene Auto-Bauer in der Elektroserie an: Audi, Renault, DS, Jaguar, Mahindra, NIO und Venturi. Zur nächsten Saison kommen Nissan (für Renault) und BMW an Bord, ein Jahr später folgen Mercedes, Porsche. Dann steht die Formel E bereits bei zehn Herstellern. Sollte Ford tatsächlich bei Dragon einsteigen, wären es sogar elf.

Haug erinnert sich an schwierige Situationen in der "Königsklasse": "In einer Zeit, als fünf Hersteller in der Formel 1 waren, gab es Meetings, die waren so kontrovers, dass man sich an deren Ende noch nicht einmal aufs Datum des nächsten Treffens einigen konnte", erzählt der Deutsche. Noch ziehen in der Formel E alle am selben Strang, doch viele befürchten, dass sich das in Zukunft ändern könnte.

Ein Hauptargument: Nur ein Hersteller wird gewinnen können. Bei derart vielen finanzstarken Konkurrenten wird es demnach sehr schwer, einen Titel einzufahren und ein Engagement zu rechtfertigen. "Noch kann man in der Formel E relativ unauffällig verlieren. Aber das wird sich ändern", glaubt auch Haug.

Wie die meisten Experten ist auch er davon überzeugt, dass das Zuschauerinteresse an der Formel E weiterhin stark wachsen wird. "Die Voraussetzungen an sich sind in der Formel E erst einmal sehr gut. Wenn es wirklich klappen sollte, die zehn Hersteller konstruktiv zu koordinieren, wäre das eine grandiose Leistung", sagt Haug.

Nun liegt es an Agag und seinen Kollegen, die Formel E auf Kurs zu halten. Das soll unter anderem dank eines ausgeklügelten Reglements gelingen, das auch potenziellen Privatteams die Möglichkeit gibt, zu überschaubaren Preisen Antriebe der "Großen" zu beziehen. Sollte sich also in ein paar Jahren tatsächlich der eine oder andere Hersteller frustriert wieder verabschieden, wäre der Einstieg für ein Privatteam leicht - eine Art Lebensversicherung für die Formel E.

Foto: Daimler AG

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