Nur 4 Liter Benzin für ein Rennen: Porsche-Teamchef Modlinger erklärt die enorme Formel-E-Effizienz
Tobias Wirtz
Porsche AG
Gerade einmal 38,5 kWh - energetisch ungefähr vier Litern Benzin entsprechend - reichen einem Gen3-Evo-Auto der Formel E für ein komplettes Rennen. Porsche-Gesamtprojektleiter Florian Modlinger erklärt, warum die enorme Effizienz der Rennserie seiner Ansicht nach viel zu wenig Beachtung findet und wie Gen4 die technische Entwicklung weiter vorantreibt.
Die Energieeffizienz der Formel E gehört nach Ansicht von Florian Modlinger zu den am stärksten unterschätzten Eigenschaften der Rennserie. In Episode 400 des e-Formel.de-Podcasts ePod erklärt der Gesamtprojektleiter Formel E bei Porsche und Teamchef des Werksteams, warum ihn vor allem das Verhältnis zwischen eingesetzter Energie und Renndauer beeindruckt.
Modlinger: Formel-E-Effizienz wird unterschätzt
"Was aus technischer Sicht einfach beeindruckend ist: wie wenig Energie am Start in so einem Formel-E-Auto steckt. Wir sprechen von 38,5 Kilowattstunden. Das sind ungefähr vier Liter Sprit", erklärt Modlinger und verdeutlicht die Größenordnung mit einem Vergleich zur Formel 1. "Wenn ich einen Formel-1-Wagen mit vier Litern Kraftstoff losschicke, sprechen wir von der gleichen Energiemenge. Wir fahren damit in Monaco 50 bis 52 Minuten Rennen. Wie weit ein Formel-1-Auto mit vier Litern Sprit kommen würde, kann sich jeder selbst ausrechnen."
"Diese Gesamtfahrzeugeffizienz - mit wie wenig Energieeinsatz wir wie lange im Rennen fahren - ist ein Thema, das man meiner Meinung nach viel stärker einer breiten Öffentlichkeit vermitteln müsste", findet er.
Der Vergleich zeigt vor allem, wie effizient ein elektrischer Rennwagen die an Bord gespeicherte Energie in Vortrieb umsetzt. Ein großer Teil der beim Bremsen frei werdenden Bewegungsenergie wird zudem durch Rekuperation zurückgewonnen und erneut für den Antrieb genutzt.
Gen4 steigert Leistung & Rekuperation deutlich
Für Gen4 steigt die verfügbare Rennenergie auf bis zu 51,25 kWh. Gleichzeitig nehmen Antriebs- und Rekuperationsleistung deutlich zu, außerdem erhält das Fahrzeug permanenten Allradantrieb.
"Das technische Produkt ist angesichts des Cost Caps enorm performant", sagt Modlinger. "Wir sprechen von umgerechnet knapp 820 PS, einem signifikant höheren Abtriebsniveau, permanentem Allradantrieb mit aktiven Differenzialen an Vorder- und Hinterachse sowie einer Rekuperationsleistung von bis zu 700 kW. Daran wird es definitiv nicht scheitern."
Einen ersten Eindruck von der Leistungsfähigkeit der neuen Formel-E-Fahrzeuge werden die Vorsaison-Testfahrten liefern, die in knapp vier Wochen auf dem Circuito del Jarama bei Madrid beginnen. Der Saisonauftakt ist für den 18. Dezember in Jeddah (Saudi-Arabien) geplant.
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