Formel E

Nyck de Vries beendet Mercedes-Formtief mit Podium in London: "Schön, nach schwieriger Zeit zurückzuschlagen"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Nyck-de-Vries-Qualifying-Close-Up-Formula-E-London

Beim London E-Prix meldete sich Mercedes nach einer langen Durststrecke zurück im WM-Kampf. Mit einem doppelten Top-10-Resultat, darunter ein zweiter Platz von Nyck de Vries, katapultierten sich die "Silberpfeile" auf Platz 4 in der Teamwertung. Auch Motorsportchef Toto Wolff zeigte sich nach dem Event zufrieden mit der Teamleistung.

Gerade einmal acht Punkte in sechs Rennen - so lautete die enttäuschende Mercedes-Statistik vor dem London E-Prix. Insbesondere die durchwachsene Leistung beim New York City E-Prix stimmte viele im Formel-E-Paddock nachdenklich. Vor den Augen des Motorsportchefs Toto Wolff, der den London E-Prix in der Mercedes-Garage verfolgte, gelang den Stuttgartern in Großbritannien jedoch ein eindrückliches Comeback.

Insbesondere Nyck de Vries fand dabei zu alter Stärke zurück. Der 26-Jährige startete das Rennen "nur" von Platz 9, arbeitete sich bis zum Zieleinlauf jedoch auch dank selbstbewussten Manövern gegen Sebastien Buemi (Nissan) und Alex Lynn (Mahindra) bis auf den zweiten Rang vor. Im ExCeL-Zentrum feierte er sein drittes Podium der Saison.

"Wir hatten heute eine von Grund auf gute Pace, das hat natürlich geholfen", scherzt de Vries nach dem E-Prix. "Mit unserer Strategie hatten wir ein bisschen Glück, weil wir länger als andere auf unseren Attack-Mode gewartet haben und Andre (Lotterer) seine Aktivierung dann auch noch verpasst hat. Diese Schlüsselmomente haben uns Gelegenheiten zum Durchatmen gegeben."

"Danach konnte ich Boden gutmachen und Sebastien in Kurve 10 überholen, was ganz schön schwer war. Alex hat es mir später etwas leichter gemacht, weil er vermutlich wusste, dass ich schneller war. Es ist schön, nach einer etwas schwierigeren Zeit zurückschlagen zu können."

"Verstehe nicht, warum die Medien spekulieren"

Für Kritik an Mercedes' jüngster Leistung hat de Vries nur wenig Verständnis. "Ich verstehe nicht, warum die Medien immer nur spekulieren und über uns reden müssen, wenn wir uns besser schlagen könnten."

Die mangelnden Punkteergebnisse der jüngeren Vergangenheit lägen vielmehr an den Besonderheiten des Formel-E-Rennformats. "Wir waren als Team in New York nicht gut, das haben wir wahrgenommen und eingestanden", sagt er. "An unserem 'Approach' hat sich dennoch nicht viel verändert. Wir wollen immer so gut wie möglich vorbereitet sein."

"Im Gesamtverlauf der Saison hatten wir ein starkes Paket. Manchmal gab es Dinge, die nicht in unserer Kontrolle lagen, die für oder gegen uns gelaufen sind. Aber wenn man sich den Meisterschaftsstand und dieses Format ansieht, gibt es wohl keinen Sport auf der Welt, der unvorhersehbarer (als die Formel E) ist. Wir hassen und lieben sie dafür: Man kann einfach keine Vorhersagen für die nächsten Entwicklungen treffen."

An einer Prognose für die verbleibenden Saisonstationen versucht er sich dennoch. "Wir fallen morgen wohl wieder aus Gruppe 1 heraus, dann starten wir in Berlin in Gruppe 2. Vielleicht passt das Timing dann. Aber so genau weiß man das nie."

Toto Wolff sicher: "Die Entscheidung fällt in Berlin!"

Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zeigte sich nach dem Rennen erleichtert über das insgesamt fünfte Podiumsresultat der Saison. "Die Dinge können sich (in der Formel E) sehr schnell ändern. Der Meisterschaftsführende Sam Bird hat heute keine Punkte gesammelt, die Techeetah-Jungs auch nicht so wirklich."

"Seit New York hat das Team einige Hinweise dafür gefunden, wie wir mehr 'Racepace' aus dem Auto holen können. Beide Autos haben das heute gezeigt, auch Stoffel (Vandoorne) hat aufholen können. Das Pendel schwingt jetzt zwar etwas mehr in unsere Richtung, wenn man sich die Fahrermeisterschaft ansieht. Trotzdem ist immer noch alles offen. Die Entscheidung fällt erst in Berlin!"

In den Gesamtwertungen der Formel E (Fahrer & Teams) übernahmen de Vries und Mercedes nach dem ersten London-Lauf die vierten Plätze, Stoffel Vandoorne ist neuer Gesamtzwölfter. Insbesondere in der Teamwertung spitzt sich der WM-Kampf zu, schließlich liegen zwischen DS Techeetah und BMW auf den Rängen 1 und 6 gerade einmal 15 Zähler. Das nächste Formel-E-Rennen an der Themse findet bereits am Sonntag statt. Der Rennstart ist für 15:00 Uhr deutscher Zeit angesetzt, Sat.1 überträgt das Event live im Free-TV. e-Formel.de bietet zudem einen Liveticker zum E-Prix an.

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