Formel E

Offiziell: Mercedes gibt Formel-E-Ausstieg nach Saison 2022 bekannt

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Es ist offiziell: Wenige Tage nach dem Gewinn der ersten Fahrer- und Teamweltmeisterschaft in der Formel E hat Mercedes den werksseitigen Ausstieg aus der Elektroserie nach der Saison 2022 bestätigt. Wie der schwäbische Automobilkonzern in einer Pressemitteilung bekannt gab, habe sich das Unternehmen dagegen entschieden, als Konstrukteur in der dritten Fahrzeuggeneration der Formel E an Bord zu bleiben und wird somit nur noch eine Saison bestreiten. Trotzdem könnte der Rennstall in anderer Form weitermachen.

Nach Audi und BMW verliert die Formel E den dritten deutschen Hersteller innerhalb von nur zwei Jahren. Überraschend kommt der Schritt nicht, da Mercedes bereits im März die offizielle Deadline zur Herstellerregistrierung verstreichen ließ. Zwar hatte das Team nachträglich eine Option unterschrieben, die es erlaubte, an den Meetings der Technischen Arbeitsgruppe teilzunehmen und erste Daten über die neuen Gen3-Fahrzeuge zu erhalten. Ein offizielles Commitment blieb jedoch weiterhin aus.

Über einen möglichen Einstieg von Aston Martin anstelle von Mercedes wurde bereits beim Berlin E-Prix spekuliert. Die Aussage von Toto Wolff, man habe "ein Team, das vollständig funktioniert und auf das wir stolz sind", legt den Gedanken nahe, dass das Team - unter einem anderen Namen - der Formel E erhalten bleiben könnte. Eine Entscheidung diesbezüglich wurde jedoch bislang nicht kommuniziert.

Auch Teamchef Ian James hat noch Hoffnung, dass es nach dem Ende des Werksengagements noch weitergeht: "Obwohl Mercedes-Benz sich dazu entschlossen hat, die Serie zu verlassen, wissen wir um den Wert und die Stärke der Formel E. Aus diesem Grund werden wir die besten Optionen für das Team prüfen, um auch über die Saison 8 hinaus an der Formel E teilzunehmen."

Zwar baut Aston Martin heute noch keine Elektroautos, jedoch sollen binnen der nächsten vier Jahre zwei rein elektrische Fahrzeugmodelle - ein SUV sowie ein Sportwagen - auf den Markt kommen. In diesem Zuge plant Aston Martin Berichten zufolge die Wiederbelebung der einstiegen Luxusmarke Lagonda.

Erst vor Kurzem gewann Mercedes-EQ die Weltmeisterschaftstitel in der Fahrer- und Teamwertung der Formel E. Nyck de Vries krönte sich beim Berlin E-Prix zum jüngsten Champion in der bisherigen Formel-E-Historie, Stoffel Vandoorne wurde Gesamtneunter.

Formel 1 für Technologie-Transfer sinnvoller

Als Begründung gibt Mercedes an, die Ressourcen zugunsten des schnelleren Hochfahrens der Elektrifizierung umzuverteilen. Dazu will die Marke drei neue Elektro-Architekturen entwickeln, die im Jahr 2025 eingeführt werden sollen. Das Werksengagement im Motorsport wird vollständig auf die Formel 1 konzentriert. Diese wird von Mercedes als schnellstes Entwicklungslabor und als Prüfstand für nachhaltige und skalierbare zukünftige Performance-Technologien betrachtet.

"In diesem Jahrzehnt haben wir uns bei Mercedes-Benz mit voller Kraft der Bekämpfung des Klimawandels verschrieben", so Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Daimler AG und Mercedes-Benz Cars Chief Operating Officer. "Dazu bedarf es einer beschleunigten Transformation unseres Unternehmens, unserer Produkte und unserer Services in Richtung einer emissionsfreien und softwaregesteuerten Zukunft. Um dies zu erreichen, müssen wir uns voll und ganz auf unsere Kernaktivitäten konzentrieren."

"Die Formel E war ein guter Weg, um unsere Kompetenz im Motorsport zu demonstrieren und unsere Marke Mercedes-EQ zu etablieren", so Schäfer weiter. "In Zukunft werden wir den technologischen Fortschritt - besonders im Hinblick auf Elektroantriebe - mit Fokus auf die Formel 1 vorantreiben. Dort steht unsere Technologie ständig auf dem Prüfstand und das im intensivsten Wettbewerb, den es in der Automobilwelt gibt - und der Stern strahlt selten heller als dort."

"Die Formel 1 bietet großes Potenzial für Technologietransfer, wie wir bei aktuellen Projekten wie dem Vision EQXX sehen. Zudem werden unser Team sowie die gesamte Serie bis zum Ende des Jahrzehnts klimaneutral sein", rechtfertigt Schäfer.

"Formel 1 wird Schwerpunkt unseres Werksengagements im Motorsport darstellen"

"Die Formel E hat uns in den vergangenen beiden Jahren die Möglichkeit gegeben, die Marke Mercedes-EQ in einem hochgradig endemischen und wirklich innovativen Format zu präsentieren", ergänzt Bettina Fetzer, Marketingchefin der Mercedes-Benz AG. "Aus strategischer Sicht positionieren und stärken wir jedoch Mercedes-AMG als unsere Performance-Marke, gerade durch deren enge Zusammenarbeit mit dem rekordbrechenden Formel-1-Team. Die Formel 1 wird in den kommenden Jahren auch den Schwerpunkt unseres Werksengagements im Motorsport darstellen. Wir wünschen der Formel-E-Weltmeisterschaft, allen Beteiligten und dem innovativen Format nur das Beste für die Zukunft und hoffen, dass die Serie weiter wächst und sie eine erfolgreiche Zukunft erwartet."

"Wir hatten in den vergangenen Saisons das große Glück, beim Aufbau eines klassenführenden Formel-E-Teams auf die Unterstützung von Mercedes-Benz zählen zu dürfen", sagt Mercedes-EQ-Teamchef Ian James. "Deshalb möchte ich mich ausdrücklich bei ihnen für das Vertrauen und die Unterstützung bedanken, sowohl auf unserem bisherigen gemeinsamen Weg als auch bis zum hoffentlich erfolgreichen Abschluss von Saison 8 mit einem weiteren Kampf um die Weltmeisterschaft."

"Wir sind bei unserem Einstieg in die Formel E unvoreingenommen an die Serie und ihren innovativen Ansatz im Motorsport herangegangen", ergänzt Toto Wolff, Mercedes-Benz Motorsportchef und Geschäftsführer des Mercedes-EQ Formel E Teams. "Dabei haben wir viel harte Arbeit in das Team investiert, um es aufzubauen und konkurrenzfähig zu machen. Das Ergebnis ist eine fantastische Truppe an talentierten Frauen und Männern, die Leistungen auf dem allerhöchsten Niveau abliefern. Wir können auf unsere Erfolge in der Formel E stolz sein, ganz besonders das WM-Double, das wir am vergangenen Wochenende in Berlin gewonnen haben."

"Dieser Erfolg wird als ein historischer Meilenstein in die lange Rennsportgeschichte von Mercedes-Benz eingehen. Jetzt werden wir alles dafür geben, um sicherzustellen, dass wir unser Formel-E-Abenteuer in der Saison 8 erfolgreich beenden", so Wolff weiter.

Mercedes verpasst Gen3-Fahrzeug mit Schnelllade-Boxenstopps & Frontmotoren

Das "Gen3"-Fahrzeug der Formel E befindet sich derzeit in der Entwicklungs- und Testphase. An der Konstruktion der bis zu 350 kW starken Boliden beteiligt sind unter anderem die Unternehmen Spark (Chassis), Williams Advanced Engineering (Batterien), Hankook (Reifen) und Atieva (Frontmotoren). Einzig die Entwicklung der Antriebsstränge, bestehend aus Motoren, Getrieben, Invertern sowie der Hinterradaufhängung, liegt in der Verantwortung der Hersteller.

Das Auto soll in der Saison 2022/23 erstmals zum Einsatz kommen. Teil des neuen Regelwerks sind auch Schnelllade-Boxenstopps oder ein elektrisches Allradbremssystem, mit dem im Rennen an allen vier Rädern Energie zurückgewonnen werden kann. Bislang ist dies nur an der hinteren Achse möglich.

Für Mercedes endet der werksseitige Formel-E-Einsatz jedoch vor der technologischen Neuaufstellung. Nach der Saison 2022, also dem letzten "Gen2"-Jahr, soll Schluss sein. Der Ausstieg hat zudem Konsequenzen für das Team Venturi Racing, das bislang Antriebsstränge von Mercedes bezieht. Der Rennstall um Susie Wolff muss sich ab 2023 voraussichtlich nach einem neuen Motorenpartner umsehen.

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1 Kommentare

Jens ·

Naja, den Formel 1-Aspekt kann einen zun Stirnrunzeln bringen, aber grundsätzlich ist es schon nachvollziehbar, dass größere Hersteller nur ein beschränktes Interesse an entsprechenden Einheitsautos haben, die es nur stark limitiert ermöglichen sich technisch einzubringen.

Die großen Namen ziehen natürlich, aber ich finde es auch nicht so dramatisch. Gibt ja auch in der Verbrennerwelt genug Formate, die so funktionieren. Und auch bei der Formel 1 ist ja, bedingt durch die Kosten, eine ähnliche Entwicklung zu sehen. Die Motorenauswahl wird immer geringer, die großen Hersteller steigen aus.

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