Formel E

"Overcut gegen Jake perfekt aufgegangen" - Formel-E-Sieger Max Günther erklärt "überwältigenden" 1. Maserati-Sieg in Jakarta

Timo Pape

Timo Pape

Max-Günther-läuft-auf-Formel-E-Podium-in-Jakarta

Nie hat ein Formel-E-Fahrer so viele Schlagzeilen an einem Wochenende gefüllt wie Maximilian Günther beim Jakarta E-Prix 2023. Der Deutsche gewann sechs von sieben Sessions, holte zwei Pole-Positions, einen dritten Platz und schließlich den Rennsieg am Sonntag. Kurz darauf zeigte er sich emotional, den ersten Maserati-Sieg im Formelsport seit 1957 errungen zu haben und erklärte die Gründe für seine Dominanz.

Am 10. Juli 2021 ertönte in New York City zum letzten Mal die deutsche Hymne für den damaligen BMW-Fahrer Max Günther. Es folgte eine frustrierende Saison mit Nissan und eine ebenso schwierige Anfangsphase mit Maserati. Nachdem der Knoten mit Platz 3 in Berlin vor einigen Wochen platzte, legte Günther in Jakarta noch eine Schippe drauf. Mit einer Dominanz, wie man sie wohl noch nie bei einem Double-Header gesehen hat, bestritt er die Sessions und holte am Sonntag den ersten Sieg für Maserati MSG Racing. Gleichzeitig war es der erste Erfolg für die italienische Sportwagenmarke im Formelsport seit Juan Manuel Fangio vor 65 Jahren.

"Ich bin unglaublich stolz, den ersten Maserati-Sieg in der Formel E eingefahren zu haben. Ich werde diesen Moment extrem genießen", sagte Günther kurz nach dem Rennen bei 'ProSieben'. Im TV-Weltsignal holt er aus: "Wir haben zuletzt große Fortschritte gemacht - das Momentum hat sich vor ein paar Rennen gewendet. Hier zu siegen und zwei Pole-Positions zu holen, ist einfach fantastisch. Der gestrige Tag war mit dem Podium schon großartig, nun mein erster Sieg hier in Jakarta - das ist einfach nur herausragend. Ich bin überwältigt von diesem Sieg."

Schon im 1. Freien Training setzte Günther die Bestzeit, ebenso wie im 2. und 3. Freien Training. In beiden Qualifikationen setzte er sich sowohl in der Gruppenphase als auch in allen sechs Duellen durch - zweimal auch souverän gegen seinen Teamkollegen Edo Mortara. "Ich habe mich vom FP1 an richtig gut gefühlt", bestätigt der 25-Jährige, der im FP3 schon fast selbstverständlich auch den Streckenrekord in Jakarta gesetzt hatte (1:07.552 Minuten).

"Dieses Wochenende immer die richtigen Entscheidungen getroffen"

"Unser Paket hat hier super funktioniert, daher ging es vor allem darum, das Wochenende perfekt durchzuführen und weiter in die richtige Richtung abzustimmen. Entscheidend waren die ganzen kleinen Details, an denen wir mit dem ganzen Team arbeiten. Wir haben dieses Wochenende immer die richtigen Entscheidungen getroffen."

Obwohl Günther am Sonntag mit einem komfortablen Vorsprung von 2,8 Sekunden auf Jake Dennis ins Ziel kam, sei es bei Weitem kein einfacher E-Prix gewesen, erklärt er: "Es war richtig harte Arbeit. Das Rennen war heute noch mal deutlich komplexer, was die Energie betrifft. Wir konnten ganz gut Energie sparen, verglichen mit den Leuten um uns herum. Man musste sehr taktisch vorgehen und dann den richtigen Zeitpunkt zum Attackieren auswählen. Das haben wir gemacht und auch die Attack-Modes gut verwendet."

So sollte seine zweite Attack-Mode-Aktivierung in Runde 16 zur rennentscheidenden Szene werden: Dennis hatte sich einen Umlauf zuvor seinen Attack-Mode geholt und war dadurch hinter Mitch Evans zurückgefallen. Dort verlor er wichtige Zeit. Günther erkannte seine Chance, gab eine Runde Vollstrom und fuhr dann seinerseits durch die Attack-Zone - und kam tatsächlich vor Dennis zurück auf die Strecke.

"Ab dem Zeitpunkt war es nur noch wichtig, vor Jake zu bleiben"

"Ich habe den Overcut gegen Jake gemacht, und er ist perfekt aufgegangen", beschreibt Günther. "Dann hatte ich Mitch vor mir, was ziemlich ideal war, weil er noch einen Attack-Mode zu nehmen hatte. Ab dem Zeitpunkt war es also nur noch wichtig, vor Jake zu bleiben und zu verteidigen." Dies gelang Günther mit Bravour. "Das Rennen ist perfekt gelaufen, die Pace war echt gut. Heute war unser Tag."

Nachdem Günther in den ersten sechs Saisonläufen 2023 als einziger Nicht-ABT-Pilot punktlos geblieben war und schwere Kritik einstecken musste, hat er sich zuletzt binnen fünf Rennen auf den siebten Platz in der Fahrer-WM der Formel E vorgearbeitet. Theoretisch wäre sogar noch der Titel für ihn drin, allerdings beträgt sein Rückstand auf den Gesamtführenden Pascal Wehrlein immer noch 64 Punkte. Dennoch kann es in den ausstehenden fünf Rennen noch gut nach vorn gehen für den Deutschen.

Das nötige Selbstvertrauen für eine Schlussoffensive in der Saison 2023 ist auf jeden Fall vorhanden. "Natürlich. Aber in der Formel E musst du immer mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Es kann sich alles so schnell ändern", gibt Günther zu bedenken. "Es wird immer Strecken geben, die uns mehr entgegenkommen, und solche, die uns weniger liegen. Ich genieße jetzt einfach den Moment hier."

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