Formel E

Paddock-Geflüster: Die Fahrerlager-Themen beim Formel-E-Rennen in New York

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Mit drei "Double-Headern" in fünf Wochen startet die Formel-E-Saison 2021 an diesem Samstag und Sonntag beim New York City E-Prix in ihre Schlussphase. Im "Red Hook"-Fährhafen des Stadtteils Brooklyn stehen die Saisonrennen 10 und 11 auf dem Plan. Was das Fahrerlager abseits der großen sportlichen Themen am "Big Apple" sonst noch so beschäftigt, erfährst du in der aktuellen Ausgabe unserer Serie "Paddock-Geflüster".

Die Nebengeschichten vom Formel-E-Freitag in New York City

>>> Am Mittwoch organisierte die Formel E einen "Showrun" am Times Square in New York. TAG Heuer schaltete für die Fotomöglichkeit eine großflächige Werbeanzeige am 110 Meter hohen "One Times Square"-Bürogebäude, ehe unter Begleitung der Polizei Werbeaufnahmen mit einem fahrenden Gen2-Showcar gefilmt wurden.

>>> Envision Virgin Racing nutzte den "Medientag" hingegen für einen Dreh mit Spielern des American-Football-Teams der New York Giants. Nick Cassidy präsentierte vor dem MetLife Stadium sein Formel-E-Fahrzeug, ehe er zwei seiner Overalls gegen Trikots von Quarterback Daniel Jones und Wide-Receiver Kenny Golladay tauschte.

>>> Der Tropensturm "Elsa" hat am Donnerstag zu starken Regenfällen in New York City geführt. Es kam in mehreren U-Bahn-Stationen zu Überflutungen, einige Straßen waren unpassierbar. Auch der Aufbau der Formel-E-Strecke wurde beeinträchtigt. Unser Vor-Ort-Reporter Timo Pape berichtet dazu: "Als wir gelandet sind, ging es gerade los. Zwischenzeitlich wurden aus Angst vor einem Blitzeinschlag sogar die Akkreditierungsstelle und das PCR-Testzentrum geschlossen. Die Unwetterwarnung auf dem Smartphone leuchtete allerdings erst auf, als wir schon klitschnass im Hotel angekommen waren."

>>> Nachdem bereits in der kommenden Saison 2021/22 mehrere neue Rennorte in den Formel-E-Rennkalender einziehen werden, bemühen sich weitere Städte um ein Rennen in Saison 9, dem ersten Jahr der Gen3-Ära. Wie wir schon berichteten, führt die Elektroserie unter anderem mit möglichen Austragungsorten in Japan und Brasilien Gespräche. Auch ein zweiter E-Prix in den USA steht weit oben auf der Wunschliste der Formel E. Mögliche Kandidaten sind laut 'The Race' San Francisco, Los Angeles, Atlanta und Houston. Letztgenannte Metropole in Texas soll derzeit die besten Chancen haben. "Wir sprechen aktiv mit mehr als fünf Städten in den Vereinigten Staaten, und manche davon schauen wirklich vielversprechend aus", so Formel-E-Mitbegründer Alberto Longo.

>>>  Obwohl der Paris E-Prix nicht im Rennkalender der Saison 2022 vertreten ist, dürfte das Event langfristig zum "Reiseplan" der Formel E gehören. Ab 2023 soll in jedem ungeraden Jahr ein E-Prix in der französischen Hauptstadt ausgetragen werden, bestätigte Longo am Freitag auf einer Pressekonferenz. Der einzige noch freie "TBC"-Slot im Kalender der 2022er-Saison könnte womöglich Eindhoven (Niederlande) oder Jakarta (Indonesien) gelten.

>>> Audi hat Harry Tincknell als neuen offiziellen Reservefahrer vorgestellt. Der 29-jährige Brite bestreitet aktuell die WeatherTech SportsCar Championship für Mazda, testete aber in der Vergangenheit bereits für Jaguar und Nio in der Formel E. Seine größten Erfolge im Motorsport waren zwei Klassensiege bei den 24 Stunden von Le Mans: 2014 für Jota in der LMP2 (unter anderem gemeinsam mit Oliver Turvey) und 2020 mit Aston Martin in der LMGTE Pro (gemeinsam mit Alex Lynn).

>>> Jaguar präsentierte in New York ebenfalls eine "dritte Reservefahrerin" - wenn auch nicht ganz ernst gemeint. Am Freitag posierte die mehrfache Ski-Weltmeisterin und -Olympiasiegerin Lindsey Vonn dennoch in Mitch Evans' Rennanzug vor der Jaguar-Garage und nahm an einem Boxenstopp-Training teil. Die US-Amerikanerin ist an diesem Wochenende VIP-Gast des Teams und wurde von Dario Franchitti in einem Jaguar I-Pace um die Strecke gefahren.

>>> In den vergangenen Monaten wurde das Gebäude des Flughafens Tempelhof als Impfzentrum genutzt. Nun plant die Berliner Gesundheitsverwaltung jedoch, das Zentrum am 20. Juli zu schließen. Direkt im Anschluss soll auf dem Vorfeld mit dem Aufbau der Formel-E-Strecke begonnen werden, damit der Kurs pünktlich zum Berlin E-Prix am 14./15. August steht. Informationen zum Tickerverkauf erwarten wir in Kürze.

>>> Nachdem von den Wänden gelöste Werbebanner in Puebla mehreren Fahrern ein besseres Rennergebnis verwehrten, testet die Formel E in New York eine neue "Beklebungstechnik". Statt mehrere Betonwände mit einem langen Banner zu bekleben, wird die Serie laut 'The Race' fortan jeden Betonblock einzeln verkleiden.

>>> Neben der neu platzierten Attack-Zone gibt es nur eine weitere Änderung an der Strecke: Die Start-Ziel-Linie wurde um 42 Meter nach vorne verschoben. Somit sind die Anfahrt auf die erste Kurve nach dem Start sowie der erste Sektor etwas länger als bei der letzten Austragung des Rennens im Jahr 2019.

>>> Laut Angaben der Formel E haben in der ersten Hälfte der Saison weltweit rund 150 Mio. Zuschauer:innen die Rennen der Elektroserie im Fernsehen verfolgt. Die Serie ist somit nur auf Kurs, ähnliche Einschaltquoten wie in den Jahren 2017 und 2018 zu generieren. Im Vergleich zur Vorsaison sei das Publikum in Schlüsselmärkten dennoch um 125 Prozent gewachsen.

>>> Aufgrund von technischen Schwierigkeiten kommen beim New York City E-Prix die biometrischen Handschuhe, welche die Fahrer seit der Saison 2018/19 tragen müssen, nicht zum Einsatz. Den Teams wurde gestattet, die dafür in den Fahrzeugen platzierten Signalüberträger zu entfernen.

>>> Schlechter Start ins Wochenende für Nick Cassidy: Der Neuseeländer blieb im Shakedown mit seinem Virgin auf der Strecke liegen. Rennleiter Scot Elkins brach die Session daraufhin mit der roten Flagge ab. Sie wurde nicht neu gestartet, sodass mehrere Piloten, darunter Maximilian Günther (BMW), gar nicht auf die Strecke gehen konnten.

>>> Nicht nur in New York City (Formel E) und Aragon (Pure ETCR) gibt es an diesem Wochenende elektrischen Motorsport. Beim "Festival of Speed" im britischen Goodwood gibt der mit Wasserstoff angetriebene "MissionH24"-Prototyp sein Debüt.

>>> Apropos andere E-Serien: Die elektrische Powerboot-Serie E1 Series hat sich vergangene Woche in Marstrand, Schweden, nach einer Location für ein Rennen umgesehen.

Die Nebengeschichten vom Formel-E-Samstag in New York City

>>> Wie bei jedem E-Prix nutzte auch in New York City das Porsche-Team die Halo-Systeme seiner Fahrzeuge zur prominenten Verbreitung von humorvollen Botschaften mit lokalem Bezug. Dieses Mal: "Empire Speed Building" bei Andre Lotterer und "Statue of Electricity" bei Pascal Wehrlein.

>>> IndyCar-Pilot Conor Daly durfte am Samstagvormittag einige Runden auf dem Rennkurs im Demofahrzeug der Formel E drehen.

>>> Ein technischer Defekt am Lenkrad sorgte dafür, dass Edoardo Mortara (Venturi) im Qualifying nicht in den 250-kW-Modus umschalten konnte. Der Gesamtführende musste das Qualifying daher mit 200 kW bestreiten und war so komplett chancenlos. Auch Rene Rast, der hinter Mortara fuhr und nicht am Schweizer vorbeikam, wurde jede Chance auf eine gute Startposition genommen.

>>> Maßarbeit bei Jaguar Racing: Nach dem Unfall von Sam Bird im 1. Freien Training mussten die Mechaniker das Monocoque des Fahrzeugs wechseln. Dabei schafften sie es exakt sechs Sekunden (!) vor der Parc-ferme-Deadline, das Auto fertig zu bekommen.

>>> Stoffel Vandoorne erlitt im Qualifying einen Reifenschaden, nachdem er die Mauer berührt hatte. "Es war ein normales Anschlagen, aber das reichte aus, um die Felge zu zerstören und einen Plattfuß zu verursachen", so Vandoorne später. Die Konsequenz: Nur Startplatz 21 für den Belgier in Mercedes-Diensten. Im Rennen schied er mit einem weiteren Reifenschaden vorne links aus.

>>> e-Formel.de Chefredakteur Timo Pape durfte eine Runde auf dem Beifahrersitz des Safety-Cars Platz nehmen. Einen Tag nach seinem 33. Geburtstag ließ er sich von Bruno Correia im BMW i8 um die Strecke fahren.

>>> Pech für Mahindra-Pilot Alexander Sims: Auch der Brite musste das Samstagsrennen mit einem Plattfuß aufgeben.

>>> Auch Mitch Evans war alles andere als vom Glück verfolgt: Ein Elektrikdefekt sorgte dafür, dass der Neuseeländer seinen Jaguar auf der Strecke abstellen musste.

Die Nebengeschichten vom Formel-E-Sonntag in New York City

>>> Porsches Formel-E-Einsatzleiter Amiel Lindesay verpasst erstmals seit dem Einstieg der Zuffenhausener einen E-Prix. Der Neuseeländer wird in diesen Tagen zum ersten Mal Vater.

>>> Besonderes Outfit für die Grid-Boys und -Girls beim New York City E-Prix: Sie standen, passend zur Location, als Freiheitsstatue verkleidet in der Startaufstellung.

>>> Hoher Besuch in Form von Motorsportfunktionären beim New York City E-Prix: Neben FIA-Präsident Jean Todt war auch John Doonan, Präsident des US-Amerikanischen Motorsportverbandes IMSA als Gast vor Ort.

>>> Großer Sprung von Sam Bird: Der Jaguar-Pilot machte alleine im Qualifying durch die drei Punkte für die Pole-Position und einen zusätzlichen Punkt für die schnellste Runde in der Gruppenphase vier Positionen in der Gesamtwertung gut. Er schob sich somit von Platz 13 auf 9 vor.

>>> Merkwürdiges Bild beim Venturi von Norman Nato: Der Franzose hatte seit einem Kontakt in der Frühphase des Rennens ein großes Teil in seiner Fahrzeugnase hängen, das vom Diffusor eines Konkurrenten stammte. Auch wenn die Aerodynamik des Wagens alles andere als optimal war, belegte Nato als bester Mercedes-Pilot im Ziel Position 7.

zusätzliche Berichterstattung von Tobias Bluhm und Timo Pape

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