Formel E

Performance-Analyse: Zahlen, Daten & Statistiken zur Formel E in Monaco

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Jean-Eric Vergne beendete beim Monaco E-Prix der Formel E am Samstag die seit Saisonbeginn anhaltende Serie von acht verschiedenen Siegern in acht Rennen. Nachdem er im Qualifying Startplatz 1 von Nissan-Pilot Oliver Rowland geerbt hatte, fuhr er seinen zweiten Saisonsieg souverän und ungefährdet nach Hause. Das Podest komplettierten eben jener Rowland und Felipe Massa, der beim Heimrennen für Venturi einen viel umjubelten dritten Platz erzielte. Debakel hingegen bei Audi und BMW: Keines der insgesamt sechs Fahrzeuge mit deutschem Antrieb schaffte es in Monaco letztlich unter die ersten Zehn.

Attack-Mode als Überholhilfe

Dem Attack-Mode wurde in Monaco eine besondere Rolle zuteil. Erstmals verloren die Fahrer in dieser Saison dank der Platzierung der Aktivierungszone zwischen den Kurven 4 und 5 bei der Freischaltung des 225-kW-Modus so gut wie keine Zeit, weswegen der Attack-Mode besonders als Überholhilfe zum Einsatz kam. Die 25 zusätzlichen Kilowatt Leistung entpuppten sich dabei als echter Performance-Vorteil.

Trotzdem zeichnete sich in Monaco überraschenderweise kein klarer Trend der Benutzung ab. Kurzzeitig wurde das Rennen zwar mit einer Full-Course-Yellow-Phase neutralisiert, die üblicherweise viele Aktivierungen mit sich bringt. Allerdings aktivierten gerade einmal zwei Fahrer unter FCY den Attack-Mode. Als Höchstwert werden von der FIA sieben zeitgleiche Piloten im 225-kW-Modus angegeben (Runden 18, 21, 33 sowie 46), wenngleich uns keine Daten zum Fahrzeug von Andre Lotterer (DS) vorliegen. Sicherlich half der Attack-Mode dabei, das Mittelfeld eng beieinander zu halten. Eine klare Einteilung des Rennens lässt der 225-kW-Modus aber nicht zu.

Monaco: Vergne gewinnt unser Performance-Rating

Haben in Monaco tatsächlich die schnellsten Fahrer am Ende die vordersten Plätze belegt? Oder hätten andere Fahrer eigentlich ganz oben stehen müssen? Auf Grundlage der von der FIA zur Verfügung gestellten Daten blicken wir in unserer obligatorischen Performance-Analyse auf die Einzelleistung jedes Fahrers im direkten Vergleich mit der Konkurrenz. Unsere Performance-Analyse ist natürlich nicht frei von gewissen Einflüssen, die wir leider nicht vollständig herausfiltern können - beispielsweise absichtliches Langsamfahren im Freien Training oder Fahrfehler auf der einzigen Qualifying-Runde. Eine detaillierte Erklärung unseres Berechnungssystems findest du am Ende dieses Artikels.

Erstmals in der Geschichte des Performance-Ratings stehen die sechs Fahrer ganz oben, die auch im Qualifying die Schnellsten waren und daher in der Super-Pole erneut antreten durften. Es sind außerdem genau die sechs Fahrer, die am Rennende die Positionen 1 bis 6 belegten. Der Gewinner in der Fahrerwertung unserer Performance-Analyse ist dieses Mal - schon fast überraschend - der Rennsieger Jean-Eric Vergne. Mit 99,90 Prozent lieferte er eine sehr starke Leistung über den gesamten Renntag ab und darf sich nun als einer der Favoriten auf den Fahrertitel fühlen. Den zweiten Platz in unserem Rating belegt Pascal Wehrlein, der es auf 99,81 Prozent brachte. Wegen eines Fahrfehlers fiel er im Rennen jedoch auf Rang 4 zurück. Auch wenn er die schnellste Rennrunde fuhr, schaffte er es bis zum Ziel nicht mehr, wieder auf einen Podestplatz zu kommen.

Nicht auf dem Podium landete auch der Drittplatzierte in unserer Analyse, der Jaguar-Pilot Mitch Evans. 0,4 Sekunden schaltete der Neuseeländer in der Super-Pole zu früh in den 250-kW-Modus. Ein kleiner Fehler mit großen Folgen: Evans erhielt die dritte Verwarnung der Saison und musste zehn Startplätze nach hinten. Von Position 12 aus waren alle Hoffnungen auf einen Podestplatz dahin. Dass es dennoch zu Rang 6 reichte, zeigt, dass der Jaguar in Monaco ein durchaus konkurrenzfähiges Auto war - 99,77 Prozent bestätigen dies. Vierter im Performance-Rating wurde mit 99,73 Prozent Oliver Rowland. Wegen einer Startplatzstrafe infolge der Kollision mit Alex Sims in Monaco verlor der Brite den ersten Startplatz an Vergne, profitierte aber seinerseits von der Strafe für Evans und dem Fahrfehler von Wehrlein, die ihm sein zweites Podestresultat in dieser Saison bescherten.

Größere Rückstände erst am Ende des Feldes

Auf dem fünften Platz landete mit 99,71 Prozent Felipe Massa. Der Wahl-Monegasse im monegassischen Team schaffte es zum ersten Mal, seine bereits in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellte Qualifying-Pace auch im Rennen in ein zählbares Resultat umzumünzen. Auch wenn er am Ende durchaus Glück hatte, dass ihm die Energie erst so kurz vor dem Ziel - nach eigener Aussage 80 bis 100 Meter - ausging und er somit noch gerade so mit 0,178 Sekunden seinen dritten Platz behielt.

Auf Rang 6 folgte mit Sebastien Buemi der zweite Nissan-Pilot. 99,70 Prozent bedeuten nur einen minimalen Rückstand auf Massa. Im Rennen konnte er die Pace des Brasilianers jedoch nicht mitgehen und hielt die Piloten hinter sich teilweise stark auf. Dahinter landete das BMW-Duo Sims (99,61) und Antonio Felix da Costa (99,57). Im Rennen gingen beide Fahrer leer aus: Sims wurde vom ungestühmen Robin Frijns herumgedreht, und Felix da Costa wurde disqualifiziert, nachdem er infolge eines Feindkontaktes versehentlich einen höheren Power-Modus aktivierte. Die Top 10 beschließen Frijns und Alex Lynn. Frijns war nach schwachen Qualifying auf dem Weg zu sicheren Punkten, übertrieb es dann jedoch beim Angriff auf Sims. Lynn zeigte als Piquet-Nachfolger eine vielversprechende Leistung und sicherte sich seine ersten Zähler der Saison.

Ein Blick auf die übrigen interessanten Fahrer aus deutscher oder Schweizer Sicht: Lucas di Grassi und Daniel Abt lagen mit 99,37 bzw. 99,31 Prozent nur auf den Plätzen 12 und 13, Stoffel Vandoorne als schnellster HWA-Fahrer mit 99,23 Prozent auf Platz 16. Unmittelbar dahinter folgt Andre Lotterer (99,19), bevor sich die erste große Lücke im Feld zu Gary Paffett (P18, 98,92) und Edo Mortara (P19, 98,91) auftut. Maximilian Günther lag noch weiter hinten, im NIO-Sandwich auf Platz 21. Die 98,55 Prozent des jungen Deutschen wurden nur noch von Oliver Turvey unterboten. Der Brite bildete mit 98,37 Prozent das Schlusslicht.

17 Fahrer innerhalb von 2,5 Fahrzeuglängen

Wenn man die Rückstände anhand der Rundenlänge (1,765 km) in Meter umrechnet, ergibt sich pro Runde folgendes Bild: Vergne liegt virtuell nach einer Runde 1,63 Meter vor Wehrlein. Dahinter geht es enger zu: Evans ist dem Deutschen mit 66 Zentimetern Rückstand eng auf den Fersen, Rowland seinerseits aber nur 63 cm dahinter. Massa fehlen nur 40 Zentimeter auf den Nissan-Fahrer, er hat aber selbst nur elf Zentimeter Vorsprung auf den zweiten Nissan-Fahrer Buemi.

Alexander Sims hat dann schon wieder deutlich mehr Rückstand - 1,62 Meter. 77 Zentimeter dahinter folgt sein Teamkollege Felix da Costa. Mit 5,81 Metern Rückstand auf Vergne ist der Portugiese der erste Fahrer, der mehr als eine ganze Fahrzeuglänge zurück liegt. Und dies setzt sich so fort - Andre Lotterer liegt zwar nur auf Platz 17, hat aber dennoch nur 12,54 Meter Rückstand. Das ist weniger als die Distanz, die in der echten Startaufstellung zwischen Platz 1 und Platz 3 liegt.

Dahinter werden die Abstände deutlich größer: Paffett und Mortara, nur 16 Zentimeter voneinander getrennt, fehlen mehr als 17 Meter auf die Spitze. Bei Dillmann sind es bereits knapp 20 Meter und bei Günther schon fast 24. Turvey hat hingegen im Schnitt genau 27 Meter auf eine Runde verloren.

Performance-Rating der Teams

Das Performance-Rating bei den Teams stellt sich ähnlich eng dar: DS Techeetah gewinnt mit 99,90 Prozent vor Nissan und Mahindra (je 99,81). Es folgt das in Monaco wieder bärenstarke Jaguar-Team mit 99,77 Prozent vor Venturi (99,71). Hinter den Monegassen kommen die drei Teams mit deutschen Antrieben - BMW (99,66 Prozent), Audi (99,65 Prozent) und das Audi-Kundenteam Virgin (99,58 Prozent). Die letzten drei Positionen sind klar bezogen: HWA kommt auf 99,40 Prozent, klar vor Dragon (99,28) und NIO (98,76). Die Chinesen haben sich nach einer vergleichsweise guten Performance in Paris beim Monaco E-Prix wieder als klar schwächstes Team gezeigt.

Erneut die traditionelle Umrechnung in Meter: Nach einer Runde auf der 1.765 Meter langen Kurzanbindung des Circuit de Monaco hat DS Techeetah 1,51 Meter Vorsprung auf Nissan, bevor nur zwölf Zentimeter dahinter Mahindra folgt. Jaguar liegt ebenfalls nur 66 Zentimeter zurück. Nach 1,03 Metern folgt Venturi, die 83 Zentimeter vor BMW liegen. Audi ist jedoch nur die Winzigkeit von 18 Zentimetern zurück, bevor nach weiteren 1,26 Metern Virgin folgt. Etwas mehr als eine Fahrzeuglänge trennt die Briten von DS Techeetah.

HWA hingegen verliert weitere 3,15 Meter pro Runde, Dragon dann noch mal 2,16 Meter. Das ist aber nichts im Vergleich zu den 9,25 Metern, die NIO auf die US-Amerikaner verliert. Der Gesamtrückstand der weiß-türkisfarbenen Renner beträgt etwas mehr als 20 Meter.

Der virtuelle E-Prix aus Vancouver im VIDEO

Erklärung des Berechnungssystems

Für jede Session (Freie Trainings, Qualifying und Rennen) wird die jeweils absolut schnellste Rundenzeit durch die persönliche Bestzeit jedes Fahrers geteilt. Das Ergebnis wird anschließend in Prozentpunkte umgerechnet. Für jeden Fahrer werden anschließend die Prozentwerte sämtlicher Sessions addiert und durch die Anzahl der Sessions geteilt. Da die Piloten nur jeweils eine 250-kW-Runde in jedem der beiden Freien Trainings haben, betrachten wir nur das jeweils stärkste Ergebnis der beiden Freien Trainings. Somit ergibt sich der durchschnittliche Performance-Wert, unser "Performance-Rating". Bei den Teams ist das Vorgehen identisch, nur dass hier pro Session allein die schnellere Bestzeit der beiden Fahrer gewertet wird.

Leistet sich ein Fahrer im Qualifying, wo es nur einen Versuch gibt, einen Unfall, einen größeren Fahrfehler oder erzielt in einer Session keine Rundenzeit, fließt diese Session selbstverständlich nicht in die Wertung ein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

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