Formel E

Piquet jr.: NextEV "6 Monate hinter der Konkurrenz"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Nach einem enttäuschenden Saisonstart liegt Nelson Piquet jr., der im vergangenen Jahr noch den Meistertitel in der Formel E gewinnen konnte, mit magereren vier Punkten auf dem 16. Rang im Klassement. Der Grund dafür liegt für den Brasilianer auf der Hand: Das Team lag im Vergleich zur Konkurrenz offenbar massiv hinter dem Entwicklungsplan.

"Die anderen Teams haben mit der Entwicklung des Fahrzeuges für die zweite Saison bereits nach dem ersten ePrix in Peking 2014 begonnen", erklärt der Brasilianer gegenüber 'eRacing Magazine'. "Wir konnten erst nach Long Beach im letzten Jahr beginnen, als wir unseren ersten Sponsor im Boot hatten. Da waren wir aber schon sechs Monate hinter der Konkurrenz."

"Es ist in etwa so, als ob man die Arbeit aus zwei Monaten in zwei Tagen erledigen soll. Wir achten nicht auf Details, sondern probieren gerade einfach nur alles so schnell wie möglich zusammenzubringen", so Piquet jr. weiter. Die hochkarätige Konkurrenz in Form von Renault, Audi und Citroen dürfte dabei wenig hilfreich sein: "Wir sind ein Underdog, ein sehr kleines Team aus chinesischen und spanischen Leuten."

Zu Beginn der ersten Formel-E-Saison nahm der Rennstall noch als Team China Racing an der Serie teil, ehe durch den neuen Hauptsponsor NextEV ab dem Long Beach ePrix 2015 das Team unter dem Namen NextEV TCR antrat. Kürzlich übernahm das chinesische Auto-Start-up jedoch einen Großteil des Teams und will künftig nicht mehr nur als Hauptsponsor, sondern als Teambesitzer auftreten.

Aus Sicht der Sponsoren ist das zwar gut, weil es dem Rennstall mehr Zeit und Geld für Entwicklungen vor der dritten Saison verschafft, jedoch tauscht NextEV auch Teampersonal an der Strecke aus. Die Abläufe müssen also erneut einstudiert werden, was Zeit am Wochenende kostet.

"Wir fangen bei null an"

Das NextEV-Team wird nach dieser Rundum-Erneuerung in der nächsten Saison wohl nahezu neu anfangen müssen. "Wir fangen bei null an", erklärt Piquet. "Zwar nicht auf technologischer Ebene, aber auf der Teamarbeitsebene. Ich habe eine sehr gute Beziehung zu meinem Renningenieur. NextEV hat diese Jungs damals noch unter Vertrag genommen, aber das Team nun aufgekauft: Sie werden probieren, alles selbst in die Hände zu nehmen und umzustrukturieren."

Einen Blick auf die dritte Saison will Piquet jr. indes noch nicht wagen. "Das Auto wird leichter und effizienter werden, eine getunte Version unseres aktuellen Modells. Wer aber ganz oben stehen wird, weiß ich nicht. Die beiden Topteams bleiben wohl weiterhin vorn, aber selbst das kann man noch nicht mit Sicherheit sagen."

Beim aktuellen Frustlevel Piquets wäre ein Abgang durchaus vorstellbar. Zum einen ist der erste Champion der Formel-E-Geschichte bei vielen Rennställen begehrt, zum anderen ist Neueinsteiger Jaguar noch auf Fahrersuche. Gut möglich also, dass Piquet im NextEV von Saison drei gar nicht mehr Platz nehmen wird. Doch das ist reine Spekulation.

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