Formel E

Piquet jr. über Jaguar-Wechsel: "Brauchte einen Neustart"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Für Nelson Piquet jr., den Formel-E-Champion der 2014/15er-Saison, brechen neue Zeiten an. Nach drei Jahren bei NextEV NIO wechselte der Brasilianer kurz vor dem Auftakt zum nächsten Formel-E-Jahr zu Jaguar Racing. An der Seite von Mitch Evans will Piquet an alte Zeiten anknüpfen und nach zwei ernüchternden Jahren zurück an der Spitze des Feldes kämpfen.

Piquet jr. erlebte in der noch jungen Geschichte der Formel E die höchsten Berge und tiefsten Täler des Motorsports. "Nach meinem Titel in Saison eins hätte ich zu jedem Team gehen können, ausgenommen vielleicht e.dams", erinnert sich der 32-Jährige bei 'e-racing365'. "Trotzdem entschied ich mich für ein weiteres Jahr mit NextEV, weil sie mir vor der Saison sehr viel Vertrauen geschenkt hatten. Es war vor dem Auftaktrennen in Peking sehr schwer, an ein Cockpit zu kommen, beinahe hätte ich es nicht geschafft."

Neun Monate später krönte sich Piquet jr. in London zum ersten Formel-E-Champion der Geschichte. "Auch wenn andere Teams aus finanzieller Sicht mehr Sinn ergeben hätten, blieb ich aus Dankbarkeit für die Möglichkeit, die mir das Team gegeben hatte, bei NextEV."

Doch der Verbleib sollte sich schnell als großer Fehler herausstellen. Der erste eigens entwickelte Antriebsstrang von NextEV, ausgestattet mit einem Doppelmotor, kristallisierte sich schon bei den Pre-Season-Testfahrten in Donington als zu schwer heraus. Eine akzeptable Fahrzeugbalance zu finden, wurde dadurch beinahe unmöglich.

Nach seinem Titel 2015 beendete Piquet jr. die zweite Saison mit nur acht Punkten nur auf Rang 15. Auch in der abgelaufenen dritten Saison kam er - trotz einer Pole-Position in Hongkong und einem vierten Platz in Monaco - nicht über Gesamtrang elf hinaus.

NIO wollte Saison-4-Testfahrten mit Piquet verhindern

Frustriert schaute sich der ehemalige Formel-1-Fahrer nach einem neuen Cockpit für die neue Saison um. NIO versuchte, den Meister bis zuletzt mit aller Kraft im Team zu halten, doch auch eine "signifikante Geldsumme" konnte Piquet jr. nicht umstimmen: Nach dem Abgang von Adam Carroll war der Wechsel zu Jaguar nur noch eine Formalität.

Nachdem klar wurde, dass der Brasilianer über einen Wechsel nachdenkt, versuchte die Teamführung von NIO laut Angaben von 'e-racing365' in letzter Sekunde einen angesetzten Testtag mit Piquet jr. zu verhindern, damit möglichst keine Interna von NIO an Jaguar weitergetragen werden. Dies gelang jedoch nicht. "Sie wollten mich einerseits halten, wussten aber, dass ich meine Entscheidung getroffen hatte", schildert Piquet die Situation. Anfang August testete er für mindestens einen Tag den neuen NIO-Renner im spanischen Calafat.

Doch trotz des Disputs trennten sich NIO und Piquet im Guten. "Ich war nicht böse auf das Team. Nach vielen erfolglosen Rennen war ich einfach frustriert", schließt er ab. "Es war einer dieser Punkte in meiner Karriere, an denen ich einfach einen Neustart brauchte."

Fotocredit: Jaguar Racing

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