Porsche-Formel-E-Chef Modlinger über 1. Berlin-Besuch: "Auf der Tribüne haben Leute geschlafen"
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Florian Modlinger führte Porsche in der Formel E zu vier Weltmeistertiteln – dabei schloss er eine eigene Zukunft in der Elektrorennserie nach seinen ersten Eindrücken zunächst kategorisch aus. In Episode 400 des e-Formel.de-Podcasts ePod erinnert sich der heutige Gesamtprojektleiter Formel E bei Porsche an langsam wirkende Autos, schlafende Zuschauer und seinen ersten Besuch beim Berlin E-Prix 2015.
Florian Modlinger arbeitete damals noch für Audi in der DTM, als er erstmals bewusst ein Formel-E-Rennen verfolgte. Wegen der Zeitverschiebung konnte das Team das Auftaktrennen der neuen Elektrorennserie morgens im Audi-DTM-Truck am Lausitzring ansehen.
"Ich hatte zwei sehr einschlägige Erlebnisse", sagt Modlinger. "An das allererste Formel-E-Rennen kann ich mich sehr gut erinnern, weil wir zeitgleich am Lausitzring ein DTM-Rennen hatten. Durch den Zeitversatz konnten wir es morgens im Audi-DTM-Truck verfolgen. Die Einführungsrunde sah nicht sonderlich schön aus, weil die Fahrzeuge um den Kurs schlichen. Das wurde für das zweite Rennen bereits geändert. Im Fernsehen wirkten die Autos extrem langsam."
Modlinger wollte sich jedoch nicht allein auf den Eindruck aus der Fernsehübertragung verlassen. Noch in der Premierensaison reiste er deshalb als Zuschauer zum ersten Berlin E-Prix auf dem Flughafen Tempelhof.
"Ich bin in Saison 1 direkt nach Berlin gefahren, weil ich mir die Autos vor Ort anschauen und einen persönlichen Eindruck verschaffen wollte", erzählt er. "Leider bestätigte sich dort mein erster Eindruck aus dem Fernsehen. Es war ein superschöner Sommertag, und Lucas di Grassi fuhr ein hervorragendes Rennen, das er meilenweit vor dem Rest dominierte. Die Autos wirkten aber langsam, und in der Sonne haben auf der Tribüne hinter mir teilweise Zuschauer geschlafen."
Di Grassi überquerte die Ziellinie beim ersten Berlin E-Prix tatsächlich mit deutlichem Vorsprung, wurde nach dem Rennen jedoch wegen eines technischen Verstoßes disqualifiziert. Dadurch erbte Jerome d'Ambrosio den Sieg.
"Das war mein erster Eindruck von der Formel E", ergänzt Modlinger. "Ich fuhr nach Hause und fragte mich, ob ich dort künftig arbeiten könnte. Damals beantwortete ich diese Frage mit einem klaren Nein."
Vom Formel-E-Skeptiker zu vier WM-Titeln mit Porsche
Nur wenige Jahre später kam es anders. Anfang 2018 wechselte Modlinger als Technischer Direktor zu ABT Sportsline und verantwortete dort verschiedene Motorsportprogramme, darunter den Formel-E-Einsatz von Audi Sport ABT Schaeffler. Bereits in seiner ersten Saison gewann die Mannschaft nach einer großen Aufholjagd die Teammeisterschaft.
2022 übernahm Modlinger bei Porsche die Funktion des Gesamtprojektleiters Formel E. Unter seiner Leitung gewann Pascal Wehrlein 2024 die Fahrer-Weltmeisterschaft. Eine Saison später holte Porsche sowohl den Team- als auch den Herstellertitel. In der laufenden Saison verteidigte der Sportwagenhersteller die Hersteller-Weltmeisterschaft vorzeitig beim Tokio E-Prix.
Ausgerechnet jener Mann, der eine eigene Zukunft in der Formel E nach seinem ersten Besuch zunächst kategorisch ausgeschlossen hatte, führte Porsche damit innerhalb weniger Jahre zu insgesamt vier Weltmeistertiteln.
Das vollständige Gespräch mit Florian Modlinger ist in Episode 400 des e-Formel.de-Podcasts ePod zu hören.
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