Formel E

Porsche-Gala in der Wüste: Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Diriyya E-Prix 2023

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Pascal-Wehrlein-Crowd-Surfing-Diriyah

Zwei Rennen, zwei Siege, dazu in beiden Läufen einen zweiten Platz des Kundenfahrzeugs von Andretti: Für den deutschen Hersteller Porsche hätte der Diriyya E-Prix 2023 kaum besser laufen können. Werksfahrer Pascal Wehrlein bestritt in Saudi-Arabien das wohl beste Rennwochenende seiner Elektro-Karriere und übernahm die Führung in der WM. Doch auch abseits der Schlagzeilen zum Autobauer aus Zuffenhausen gab es in Diriyya einige erwähnenswerte fahrerische Leistungen.

Auch in diesem Jahr vergibt die Redaktion von e-Formel.de nach jedem Rennwochenende der Saison Punkte auf einer Skala zwischen 1 und 10 für alle Fahrer. Anschließend werden die Piloten nach ihrem durchschnittlichen "Rating-Score" sortiert, und die besten zehn Leistungen von unserem Formel-E-Reporter Tobias Bluhm kommentiert. In die Wertung fließen ausschließlich die individuellen fahrerischen Leistungen ein, nicht das Potenzial des Autos oder äußerliche Umstände.

Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Diriyya E-Prix 2023

1. Pascal Wehrlein | TAG Heuer Porsche | 9.8 Punkte

Nach der dominanten Leistung in Saudi-Arabien kann man es nicht anders formulieren: In noch keiner Saison hatte Porsche bessere Chancen auf den Titel in der Formel E! Pascal Wehrlein sah schon in Mexiko-Stadt überaus konkurrenzfähig aus. Doch wie der Deutsche in beiden Diriyya-Rennen durch das Feld pflügte, verschlug so manchen Beobachter:innen im Fahrerlager die Sprache.

Nach unzufriedenstellenden Qualifying-Ergebnissen nutzte er das offensichtlich große Potenzials seines Antriebs, um seine Rivalen zu überholen. Doch es wäre vermessen, Wehrleins Doppelsieg nur auf die Effizienz seines Autos zu schieben. Denn auch individuell glänzte der Deutsche in den E-Prix mit großer Konstanz und Konsequenz in Zweikämpfen.

FAZIT: Der Porsche-Pilot zeigte in Diriyya die beste Leistung seiner Formel-E-Karriere - einfach hervorragend!

2. Jake Dennis | Avalanche Andretti | 9.5 Punkte

Nach seinem dominanten Sieg in Mexiko startete Jake Dennis als einer der Favoriten ins Diriyya-Wochenende. Aber auch, wenn er seinem großen Erfolg in Mittelamerika "nur" zwei zweite Plätze folgen lassen konnte, muss das Fazit lauten: Der Brite ist seiner Rolle als früher Titelanwärter gerecht geworden. Ähnlich wie Wehrlein konnte Dennis nur mittelmäßige Qualifying-Ergebnisse erzielen, diese aber in hervorragende Podiumsresultate verwandeln.

In Saudi-Arabien musste sich Dennis Wehrlein lediglich geschlagen geben, weil er in der Startphase etwas länger im Verkehr "hängenblieb" als sein Markenkollege. Somit verlor er zwar seine WM-Führung, konsolidierte aber immerhin Platz 2 im Gesamtklassement. Er hat nun doppelt so viele Punkte wie sein nächster Verfolger, Sebastien Buemi.

FAZIT: In der Saison 2023 bahnt sich schon jetzt ein Titelkampf zwischen Wehrlein und Dennis an. Wir sind bereit!

3. Sam Bird | Jaguar TCS Racing | 8.3 Punkte

Der alte Sam Bird ist zurück! Nach einer zermürbenden Saison 2022 begann der Brite, mit einem neuen Mentaltrainer zusammenzuarbeiten. Offenbar führte dies, genau wie gute Entwicklungsfortschritte bei Jaguars Formel-E-Auto, zum Erfolg. In Diriyya fuhr der 36-Jährige wie zu seinen besten Zeiten in der Elektroserie befreit auf und war an beiden Tagen einer der wenigen ernstzunehmenden Konkurrenten der Porsche-Fahrer.

FAZIT: Es ist einfach schön zu sehen, wie Bird in Diriyya zurück zu alter Form fand. Bleibt zu hoffen, dass dieser Aufwärtstrend nachhaltig ist.

4. Rene Rast | Neom McLaren | 7.8 Punkte

Die Entscheidung von McLaren-Teamchef Ian James, Rene Rast zurück in die Formel E zu holen, scheint nach drei gefahrenen Rennen goldrichtig gewesen zu sein. Der Deutsche sammelte in Diriyya Führungskilometer und sicherte sich am Samstag sogar einen Podestplatz. Dabei half ihm gewiss auch das Safety-Car, dank dem er wichtige Energie sparen konnte. Rast spielte seine Erfahrung aus und kam in beiden Rennen vor seinem (zurecht) gehypten Teamkollegen Jake Hughes ins Ziel.

FAZIT: Ein richtig gutes Wochenende von Rene Rast, der wieder in der Formel E angekommen ist!

5. Sebastien Buemi | Envision Racing | 7.8 Punkte

Schon in Mexiko-Stadt bekamen Formel-E-Fans einen Vorgeschmack von dem "neuen, alten Sebastien Buemi". Nach einer überaus herausfordernden Zeit bei Nissan e.dams kam der Schweizer - das sagte er in mehreren Interviews während des Saudi-Arabien-Wochenendes selbst - ins Zweifeln. Zu Unrecht, wie ein Blick auf seine jüngsten Ergebnisse beweist.

Der Teamwechsel zu Envision scheint für Buemi genau die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Mit Jaguar-Power und -Effizienz fuhr er in Diriyya abermals um Top-5-Ergebnisse und mischte auch im Qualifying vorn mit.

FAZIT: Der Altmeister kann's noch immer!

6. Jake Hughes | Neom McLaren | 7.3 Punkte

Drei Rennen dauerte es, bis Jake Hughes zum ersten Mal in seiner Formel-E-Karriere von der Pole-Position startete! Ein ähnlich gutes Debüt gelang zuletzt seinem Landsmann Alex Lynn in New York City 2017 und Pascal Wehrlein in Mexiko 2019. Auch in den Rennen zeigte Hughes sein Talent, wenngleich er das Ziel am Samstag nur dank des Anschiebens von Mitch Evans erreichte. Manchmal braucht man einfach ein bisschen Rennglück auf seiner Seite…

Für langjährige Beobachter:innen der Elektroserie hat der "Raketenstart" in Hughes' Formel-E-Karriere Ähnlichkeit mit den ersten E-Prix von Jean-Eric Vergne, Felix Rosenqvist oder Mitch Evans. Geht es für Hughes so weiter, könnte auch er irgendwann zu den erfolgreichsten Fahrern der Elektroserie avancieren.

FAZIT: Einen besseren Saisonstart hätte sich Hughes wohl kaum erträumen können.

7. Dan Ticktum | Nio 333 | 6.5 Punkte

Dass Dan Ticktum in seiner Rookie-Saison lediglich einen WM-Punkt sammelte, kratzte spürbar am Ego des Briten. Umso schöner, dass sein Team Nio 333 zwischen den Saisons 8 und 9 einen großen Entwicklungsschritt unternehmen konnte. Ticktum ist insbesondere im Qualifying pfeilschnell, allerdings fehlte ihm in Diriyya das Tempo im Renntrimm.

FAZIT: Insbesondere im Vergleich zu seinem Teamkollegen Sergio Sette Camara, der von vielen Rivalen als ausgesprochen guter Fahrer geschätzt wird, behauptete sich Ticktum in Diriyya gut.

8. Mitch Evans | Jaguar TCS Racing | 6.3 Punkte

Führungskilometer, effiziente Fahrten, starkes Qualifying - auf dem Papier ließ Mitch Evans in Diriyya wenige Gelegenheiten ungenutzt. Dennoch reiste der Neuseeländer mit einem langen Gesicht aus Saudi-Arabien ab. Das lag einerseits an einigen Setup-Fehlentscheidungen, die ihn im direkten Vergleich zu seinem Teamkollegen Sam Bird ins Hintertreffen brachten.

Andererseits fand sich Evans im Samstagsrennen "zur falschen Zeit am falschen Ort" wieder, wie er selbst sagte. In beiden Attack-Mode-Sequenzen ließ er sich von McLaren, Andretti und Porsche überrumpeln. Später blieb ihm aufgrund von Energienot - laut Aussage von Jaguars Teamchef bedingt durch den Windschatten, den Evans seinen Rivalen in den ersten Runden gab - nur der Kampf um Platz 5. Diesen verlor er wegen Hughes' Batterie-Ramp-down auf der Ziellinie und wurde sogar noch von Sebastien Buemi überholt.

FAZIT: Evans fehlte in Saudi-Arabien der berüchtigte "Flow", um zu den Topfahrern des Wochenendes gezählt zu werden.

9. Sacha Fenestraz | Nissan | 5.3 Punkte

In seinem vierten Formel-E-Rennen erreichte Sacha Fenestraz erstmals die Punkteränge. Insbesondere am Samstag hatte der Franzose seinen erfahrenen Teamkollegen Norman Nato im Griff. Im Verlauf des Wochenendes wurde seine Pace augenscheinlich immer besser - vor allem im Qualifying gibt es aber noch Aufholbedarf.

FAZIT: Fenestraz' Formel-E-Debüt war eine Feuertaufe. Dennoch kommt er langsam, aber sicher in der Serie an.

10. Jean-Eric Vergne | DS Penske | 5.3 Punkte

Bei den Testfahrten in Valencia sah eigentlich alles danach aus, als stünde DS Penske vor einer dominanten Saison. Von den hohen Erwartungen ist nach zwei Wochenenden aber nur noch wenig übrig: Vergne erreichte in Saudi-Arabien die Plätze 7 und 16. In der WM steht er auf Gesamtrang 12.

FAZIT: Unzufriedenstellendes Qualifying-Tempo sowie ein Kontakt am Samstag mit Nissan-Pilot Norman Nato verhinderten bessere Ergebnisse. Da ist noch Luft nach oben.

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