Porsche lässt in Monaco Federn: "Es gibt Sachen, die kann man in der Formel E nicht kontrollieren"
Thomas Grüssmer
FIA Formula E
Das vergangene Rennwochenende der Formel-E-Weltmeisterschaft in Monaco lief für Porsche überhaupt nicht nach Maß. Nachdem beide Piloten am Samstag nach einem teaminternen Crash ohne Punkte blieben, war es am Sonntag lediglich Nico Müller, der für das Team mit einem sechsten Platz die Kohlen aus dem Feuer holen konnte. Ein besseres Ergebnis wurde durch eine Kollision mit Jean-Eric Vergne verhindert. Pascal Wehrlein hingegen führt sein schlechtes Ergebnis auf die Reifen zurück.
Auch 2026 setzte sich der Monaco-Fluch für Porsche weiter fort. Erneut wurde es nichts mit dem ersten Podium für das Team im Fürstentum. Für Nico Müller standen die Chancen am Sonntag aber zunächst recht gut: Nach einem mäßigen Qualifying, in dem es für den Schweizer nur für Platz 11 reichte, schob er sich dank einer aggressiven Strategie recht schnell nach vorne.
Müller mischte im Kampf um das Podium mit, bis ihn eine Kollision mit dem Citroen von Jean-Eric Vergne in "La Rascasse" wieder zurück ins Mittelfeld warf. Schlussendlich konnte er jedoch von Strafen für andere Fahrer profitieren und beendete das Rennen auf Platz 6.
Müller: "Die Gangart ist manchmal 'over the Top'"
Zu der Szene mit Vergne sagte der Berlin-Sieger nach dem Rennen zu e-Formel.de: "Das war sehr unnötig. Wir waren in einer sehr guten Position und ich habe mich im Auto gut gefühlt. Ich war auf der Außenseite von 'JEV' und er hat einfach die Lenkung aufgemacht. Ich war mit einer Nase schon leicht vor ihm. Sein Vorderrad hat mich am Unterboden berührt und dann hochgehoben. Ich musste anhalten, um nicht in die Wand zu fliegen und habe dann neun Plätze verloren Er wollte mich außen einfach nicht vorbeilassen."
"Platz 3 war auf jeden Fall möglich", so Müller weiter. "Es ist frustrierend. Die Gangart da draußen ist manchmal einfach 'over the Top'. Platz 6 war somit das höchste der Gefühle. Wir müssen das abhaken und, wie immer, analysieren und verstehen. Es gibt Sachen, die kann man in der Formel E nicht kontrollieren. Bis Sanya gibt es sicherlich noch die ein oder andere Stellschrauben, an der wir drehen müssen."
Vergne: "Ich kann es kaum abwarten, dieses Auto nicht mehr fahren zu müssen"
Auch Müllers Unfallgegner Vergne stand e-Formel.de für ein Interview zur Verfügung. Der Doppel-Champion fand dabei erstaunlich deutliche Worte: "Ich sage mal so, ich kann es kaum abwarten, dieses Auto nicht mehr fahren zu müssen. Ich hoffe, dass es mit Gen4 besser wird. Es war ein gutes Rennen für mich, bis Barnard mich einmal mehr raugenommen hat." Zum Kontakt mit Müller hat der Franzose jedoch eine andere Meinung: "Das war ein normaler Zwischenfall, wie er in der Formel E eben passiert. Zu dritt nebeneinander durch solche Kurven zu fahren, funktioniert meistens nicht."
Auf der anderen Seite der Porsche-Garage gab es wohl völlig andere Gründe das miserable Ergebnis. Bei den Kolleg:innen von RacingNews365 glaubt Pascal Wehrlein zu wissen, was zur Punkteflaute am Sonntag führte: "Am Morgen sahen beide Autos wirklich stark aus. Für das Qualifying haben wir dann einen neuen Reifensatz aufgezogen. Das Auto verhielt sich plötzlich komplett anders. Wir hatten keinen Grip, keine Balance. Wir waren auf einem Reifensatz schneller, der ein komplettes Rennen und den ganzen Samstag hinter sich hatte. Ich weiß es nicht. Mit fehlen etwas die Worte."
Wehrlein: "Alle möchten mehr Klarheit"
Der Deutsche fuhr fort: "Der Zeitplan ist in Monaco ist sehr eng getaktet. Es gibt einige Strecken, bei denen man durchaus davon sprechen könnte. dass sich etwas (an der Strecke) verändert. In Monaco ist zwischen Training und Qualifying nur eine Stunde Zeit. Man verändert gar nichts am Auto, zieht nur neue Reifen auf und erwartet daher mehr Grip. Aber der Grip war schrecklich."
Wehrlein ist bei weitem nicht der einzige Pilot, den ein solches Schicksal in dieser Saison ereilt. Er zieht Hankook klar in die Verantwortung: "Ich denke, alle im Paddock wissen darüber Bescheid. Alle möchten mehr Klarheit in dieser Sache."
Das punktlose Wochenende für Wehrlein bedeutet gleichzeitig auch nicht nur den Führungsverlust in der Fahrerwertung an Mitch Evans. Der 31-jährige findet sich nur nur noch auf Rang 4 des Klassements wieder, nach dem sich auch der amtierende Weltmeister Oliver Rowland und Edoardo Mortara an ihm vorbeischieben konnten. Zum jetzigen Zeitpunkt beträgt Wehrleins Rückstand auf Evans 27 Punkte. Auch in der Teamwertung musste Porsche Jaguar ziehen lassen. Durch die magere Punkteausbeute von nur acht Zählern hat Jaguar nun einen Vorsprung von 24 Punkten vor dem deutschen Werksteam, das auf Platz 2 liegt.
Bis zum nächsten Rennen in Sanya sind es noch vier Wochen. Den Teams dürfte genügend Zeit geboten sein, um sich auf den elften Lauf der Formel-E-Weltmeisterschaft 2025/26 vorzubereiten.
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