Formel E

Porsche nimmt Andre Lotterer in die Pflicht: "Er will manchmal einfach zu viel"

Timo Pape

Timo Pape

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Am Wochenende beginnt mit einem "Double-Header" in Mexiko die zweite Hälfte der Formel-E-Saison 2021. Zum ersten Mal gastiert die Elektroserie dabei auf dem 2,982 Kilometer langen "International Short Course" des Autodromo Miguel E. Abed im Schatten des Vulkans Popocatepetl - womöglich ein kleiner Vorteil für das noch relativ neue Porsche-Team. Vor dem Puebla E-Prix nehmen die Stuttgarter jedoch auch ihren Stammfahrer Andre Lotterer in die Pflicht.

Der deutsche Formel-E-Routinier erlebte bislang eine Saison zum Vergessen - mit einer Ausnahme: Am Rennsonntag in Valencia erreichte Lotterer als Zweiter endlich das Podium. Ansonsten ging er jedoch bei allen anderen sechs Saisonläufen leer aus. Sein Teamkollege Pascal Wehrlein, der vor der Saison neu zum Team gestoßen war, fuhr hingegen schon viermal in die Top 10.

"Pascal hat sich in seiner ersten Saison für Porsche gut eingewöhnt und fühlt sich wohl im Team. Im Qualifying stimmt die Performance, auch beim Renntempo macht er Fortschritte. Er ist auf einem tollen Weg", findet Porsches Formel-E-Einsatzleiter Amiel Lindesay. "Auch Andre ist sehr schnell und verfügt darüber hinaus über viel Erfahrung. Ich habe jedoch das Gefühl, dass er manchmal einfach zu viel will im Kampf um den ersten Sieg. In Valencia, wo er Zweiter wurde, ist er ein sehr cleveres Rennen gefahren. So sollte er sich immer präsentieren."

Lotterer muss in verbleibenden 8 Rennen liefern, sonst…

Porsche tue alles dafür, die Chancen für seine Piloten zu maximieren: "Als Team arbeiten wir zusammen mit den Fahrern ständig daran, ihnen ein perfekt vorbereitetes Auto an die Hand zu geben. Doch im Rennen müssen sie dann eigene Entscheidungen treffen, beispielsweise wie sie die zur Verfügung stehende Energie optimal einsetzen. Solche Dinge kann man nicht simulieren, da sind wir auf die Erfahrung und das Können unserer Piloten angewiesen."

Überraschend deutliche Worte des Porsche-Verantwortlichen, die noch einmal unterstreichen: Lotterer muss in der zweiten Saisonhälfte liefern. Denn mit Blick auf die kommende Saison dürften einige spektakuläre Transfers anstehen. Einerseits könnten durch die Ausstiege von Audi und BMW potenzielle Topfahrer wie Lucas di Grassi oder Maximilian Günther auf den Markt gespült werden.

Andererseits schweben derzeit noch Fragezeichen über der Zukunft von Mitch Evans. Der "Kiwi" steht laut 'The Race' derzeit in Verhandlungen mit seinem aktuellen Rennstall Jaguar. Bislang hat Evans vermeintlich noch keine Vertragsverlängerung für Saison 8 und die danach folgende Gen3-Ära unterschrieben. Sollte dies so bleiben, käme er als einer der absoluten Topfahrer der Formel E auch für Porsche infrage. Schon in der Vergangenheit fiel der Name Evans hin und wieder im Zusammenhang mit Porsche, nicht zuletzt wegen des Bindeglieds Mark Webber, der Evans seit vielen Jahren als Manager vertritt.

Lotterer: "Hoffe auf einen erfolgreichen Start in die 2. Saisonhälfte"

Lotterer weiß, dass er nun liefern muss, und will damit gleich in Puebla anfangen: "Jetzt fahren wir gut vorbereitet nach Mexiko. Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und hoffe auf einen erfolgreichen Start in die zweite Saisonhälfte", sagt er. Die Hoffnung auf ein gutes Ergebnis ist berechtig. Zum einen ähnelt der Kurs der permanenten Rennstrecke in Valencia, wo Lotterer Zweiter wurde.

Zudem hofft er auf einen weiteren kleinen Vorteil für Porsche: "Eine neue Strecke im Kalender ist für uns immer besser als eine, auf der die anderen Teams bereits Rennen gefahren sind und dadurch einen Erfahrungsvorsprung haben. Für uns Fahrer ging es in der Vorbereitung auf Puebla vor allem darum, die Strecke im Simulator in Weissach so gut wie möglich zu lernen und eine Ahnung davon zu bekommen, was uns erwartet."

Lindesay optimistisch: "Kampf um die Weltmeisterschaft ist noch offen"

Der erste Porsche-Sieg in der Formel E ist nur eine Frage der Zeit, glaubt Lindesay: "Wir sind gut vorbereitet und mit großer Zuversicht in die Saison gestartet. Unsere Erwartungen haben sich bisher noch nicht ganz erfüllt. Eigentlich haben wir alles, um erfolgreich zu sein, doch wir haben es in diesen ersten sieben Rennen nicht geschafft, dies in eine konstante Performance umzusetzen. In der zweiten Saisonhälfte werden wir uns voll darauf konzentrieren."

Bei noch acht ausstehenden Rennen ist in seinen Augen noch alles möglich für Porsche: "Der Kampf um die Weltmeisterschaft ist noch offen. Uns fehlen zwar Punkte, um im Titelrennen weiter vorne zu liegen - jedoch nicht, weil wir kein schnelles Auto haben oder kein eingespieltes Team. Es sind einige Zwischenfälle passiert, die uns zurückgeworfen haben. Das waren harte Erfahrungen für uns als relativ neues Team in der Formel E."

"Doch jetzt haben wir eine solidere Basis und sind besser vorbereitet als zu Beginn der Saison", ist Lindesay zuversichtlich. "Wir wollen endlich Rennen gewinnen und kommen dem ersten Sieg Schritt für Schritt näher!" Ob sich Porsche nach dem kommenden Wochenende bereits als E-Prix-Sieger bezeichnen darf, zeigt sich am Samstag und Sonntag. Nachmittags geht es gegen 16 Uhr mit den Freien Trainings los, Rennstart ist jeweils um 23:04 Uhr (zum Zeitplan). e-Formel.de begleitet das gesamte Wochenende wie gewohnt live.

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