Formel E

Postkarte aus Berlin: Die Paddock-Themen vom Formel-E-Freitag

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Neues Rennen, neues Glück: Nach zwei sehenswerten Rennen in Berlin und nur einem Tag Pause kehrt die Formel E am Wochenende zurück auf die Rennstrecke am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Was das Fahrerlager über die Erfolgsserie von Antonio Felix da Costa hinaus am Freitag sonst noch so beschäftigte, erfährst du in unserer zweiten "Postkarte aus Berlin".

Die Erkenntnisse vom Formel-E-Freitag in Berlin

>>> Das Fahrerlager zeigte sich am Freitag schwer beeindruckt von der bisherigen Leistung von Antonio Felix da Costa. Der Portugiese könnte bereits am Samstag seinen ersten Formel-E-Titel gewinnen. "Er ist auf einem ganz anderen Level und so gut wie uneinholbar", erklärte uns Lucas di Grassi in einer Pressekonferenz. Stoffel Vandoorne fügte hinzu: "Was Antonio macht, ist sehr beeindruckend. Niemand kann ihm bisher die Stirn bieten, weil für ihn einfach alles nach Plan läuft. Es dürfte schwer werden, noch einen Angriff zu starten."

>>> Mercedes konzentrierte sich am Freitag auf die Suche nach dem Grund für den plötzlichen Ausfall von Nyck de Vries. Der Niederländer rollte im zweiten Lauf kurz vor der Rennhalbzeit aus. "Wir gehen davon aus, dass der Marshal-Schalter während des Rennens aktiviert wurde", erklärte uns Mercedes-Teamchef Ian James. Mit dem Schalter vor dem Cockpit (!) wird das Fahrzeug neutralisiert, sodass der Wagen leichter von den Streckenposten angeschoben werden kann. "Der Grund dafür ist noch nicht ganz klar, aber es könnte etwas ganz Einfaches wie ein kleines Trümmerteil gewesen sein, das den Griff getroffen hat." Was für ein bemerkenswerter Vorfall...

>>> Statt auf die Streckenposten zu warten, schob de Vries seinen Renner übrigens kurzerhand selbst von der Strecke. Von den Rennkommissaren wurde er dafür mit einer Strafversetzung um fünf Positionen und einer Geldstrafe belegt. "Ich wollte das Auto an einem sicheren Ort abstellen, hatte dafür aber nicht mehr genug Schwung", begründet der Niederländer seine Entscheidung. "Ich habe alles verloren, auch die Teamfunk-Verbindung. Und weil das Auto sicher war, bin ich einfach schnell ausgestiegen und dachte mir, dass ich mein Fahrzeug gleich mitnehme, statt es mitten auf der Strecke stehen zu lassen."

>>> Sehr zur Überraschung vieler Rennställe wurde der Rennkurs in Berlin am Freitag gewaschen. Üblicherweise wird zwischen zwei Formel-E-Rennen lediglich der Gummiabrieb abseits der Ideallinie von der Strecke gefegt. Durch die Behandlung des Betons dürften die Fahrer am Samstag wieder auf einer ansatzweise "grünen" Rennstrecke mit wenig Grip ins Freie Training starten.

>>> Der Grip und die Michelin-Pneus sind in Tempelhof ohnehin ein heißes Thema: in diesem Jahr sogar wortwörtlich. Am Wochenende werden Lufttemperaturen von bis zu 34 Grad Celsius in Berlin erwartet, die Streckentemperatur dürfte noch einige Grad darüber liegen. Aufgrund des rauen Untergrunds auf dem Flughafen (Betonplatten statt Straßenasphalt) hatten am Donnerstag mehrere Fahrer mit stark abbauenden Reifen zu kämpfen. "Gestern war es der linke Hinterreifen, ab morgen der rechte", weiß Audi-Teamchef Allan McNish. "Sobald man aus der Boxengasse fährt, sind die Reifen schon fast nicht mehr im richtigen Temperaturfenster. Da ist gutes Management gefragt!"

>>> Audi arbeitete am Donnerstag noch bis spät in die Nacht. "Ich habe stundenlang meine Runden analysiert und bin um 3 Uhr ins Bett gegangen, als der Akku von meinem Laptop leer war", berichtete Rene Rast in einer Videokonferenz mit einigen Medienvertretern. Das Team hatte im zweiten Berlin-Lauf übrigens ebenfalls mit technischen Problemen zu kämpfen. Für kurze Zeit war die "Mission Control" des Rennstalls in Neuburg an der Donau von der Formel-E-Strecke abgeschnitten, da es ein Problem mit dem internen Kommunikationssystem (dem "Intercom") gab.

>>> Die Explosionskatastrophe in Beirut wurde von der Jaguar I-Pace eTrophy, der Formel-E-Rahmenserie, aufgenommen. Der Gaststarter Oliver Webb, dessen Frau aus dem Libanon stammt, fuhr an den vergangenen zwei Tagen mit der libanesischen Flagge auf seiner Motorhaube.

>>> In Berlin starteten einige Teams mit besonderen Aufklebern auf ihrer Lackierung. BMW wünschte Alex Zanardi, der im vergangenen Monat bei einem Handbike-Unfall schwer verletzt wurde, mit einem #ForzaAlex auf dem Fahrzeug eine schnelle Genesung. Virgin würdigte die Arbeiter des britischen Gesundheitssystems NHS mit einem regenbogenfarbenen Herz auf der Aufhängung.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

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