Formel E

Postkarte aus Paris: Die Paddock-Themen vom Formel-E-Freitag

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Wie bei jedem E-Prix ist auch in Paris freitags Medien-Tag, an dem sich Teams und Fahrer den Fragen der anwesenden Journalisten stellen. Zudem standen der Trackwalk, die ersten Briefings und Termine mit Formel-E-Partnern auf dem Programm. e-Formel.de ist für dich live in Frankreich vor Ort und hat am Freitag die Augen und Ohren offen gehalten. Die interessantesten Erkenntnisse von der Rennstrecke haben unsere Vor-Ort-Reporter Timo Pape und Tobias Wirtz für dich in ihrer "Postkarte aus Paris" aufgearbeitet.

Die interessantesten Erkenntnisse vom Formel-E-Freitag

>>>  Nach dem Desaster in Rom, als die Venturi-Antriebswellen gleich reihenweise brachen, bringt das monegassische Team ein technisches Update mit nach Paris. Edoardo Mortara bestätigte exklusiv gegenüber 'e-Formel.de', dass in Frankreich Teile eines anderen Zulieferers zum Einsatz kommen, die zudem aus einem anderen Material bestehen.

>>>  Die Attack-Zone in Paris wurde kurzfristig verlegt. Tauchte sie auf der Streckengrafik der Formel E in der Woche vor dem Rennen noch mitten auf der Gegengeraden zwischen den Kurven 9 und 10 auf, so befindet sie sich nun doch unmittelbar nach dem Ausgang von Kurve 9 auf der Fahrbahninnenseite. Als Grund wird angenommen, dass die Formel E verhindern möchte, dass Fahrer beim Aktivieren de facto keinen Zeitverlust erleiden.

>>>  Die Organisatoren des Paris E-Prix wurden offensichtlich vom erneuten Aussetzen von Felipe Nasr überrascht: Nachdem am Donnerstag noch das Konterfei von Nasr über der zweiten Dragon-Box prangte, wurde es am Freitagmorgen mit einer weißen Abdeckplane verdeckt. Erst kurz vor dem Shakedown war ein großes Foto von Maximilian Günther über seiner Box zu sehen.

>>>  Medienberichten zufolge gab es in den letzten Monaten Verhandlungen zwischen Honda und Dragon Racing über eine langfristige Partnerschaft, die offenbar jedoch nicht zu einem positiven Ergebnis geführt werden konnten. Es wird erwartet, dass Dragon auch in der kommenden Saison wieder mit einem selbst entwickelten Antrieb antreten wird, auch wenn Maximilian Günther uns bestätigte, dass bislang noch keine Testfahrten stattgefunden haben.

>>>  Für das ARD-Fernsehmagazin "Brisant" sind die Schauspieler Sophie von Kessel, Claudia Michelsen und Johannes Zirner in Paris vor Ort. Das Erste erhofft sich mit der Einbindung in das regelmäßig von rund zwei Millionen Zuschauern verfolgte Boulevardmagazin, mehr interessierte Zuschauer für die Live-Übertragung des Berlin E-Prix gewinnen zu können.

>>> Das Thema Qualifying-Format ist auch in Paris allgegenwärtig. Zunächst stellte Mitch Evans in der Pressekonferenz klar, dass er die Gruppeneinteilung auf Basis des Meisterschaftsstands "fair" finde. Anschließend konterte Jean-Eric Vergne: "Ich finde das absolut unfair, ich hasse es." Anschließend erklärte er jedoch, dass er von außen betrachtet durchaus mit dem Format leben kann, auch wenn es für einen Fahrer, der sehr häufig in Quali-Gruppe 1 ran muss, frustrierend sei. Stattdessen kritisierte Vergne, dass es durch die zahlreichen Safety-Car-Phasen zuletzt zu häufig "Vollgas-Rennen" gebe. Die Konsequenz: Das Überholen werde sehr schwierig, somit lasse sich eine schlechte Startposition nicht mehr so gut in ein positives Ergebnis umwandeln wie in den vergangenen Jahren.

>>> Trotz seines ersten Formel-E-Sieges in Rom bleibt Evans mit Blick auf seine Meisterschaftschancen nüchtern: "Wir sind die Jäger und in einer ganz guten Position. Aber das gilt für viele, es ist total offen", erklärt der Neuseeländer gegenüber 'e-Formel.de'. "Ich bin natürlich optimistisch, werde aber auch nicht zu selbstbewusst, denn hier kann sich alles ziemlich schnell ändern. Es könnte jetzt bis zum Saisonende so gut weitergehen, aber es wird auch von den Strecken abhängen." Letzte Saison hätten Jaguar die engen Strecken besser gelegen, dieses Jahr sei es genau anders herum. "Berlin, Rom, Marrakesch - diese Kurse liegen uns besser als etwa Hongkong."

>>> Daniel Abt kündigte nach einer bisher soliden aber durchwachsenen Saison an, in der zweiten Hälfte der Meisterschaft noch mehr zu pushen: "Den Plan hatte ich für Rom schon, aber da bin ich leider stehen geblieben (mit defekter Wasserpumpe). Ich glaube, dass man schon grundsätzlich mehr Risiko geht", verrät er uns. "In der ersten Saisonhälfte wartet man in manchen Situationen vielleicht noch mal eher ab, denn wichtig ist erst mal, dass man Punkte sammelt und in Schlagdistanz zur Spitze ist. Das sind wir ja auch immer noch. Nur können wir jetzt nicht mehr sagen 'Fünfter oder Sechster passt schon', sondern müssen auch mal Highlights setzen. Motiviert ist man immer, wenn man Rennen fährt. Aber irgendwann spitzt es sich zu, und dann hat man eben nur noch ein, zwei Chancen."

>>> Oliver Turvey erlebt aktuell eine frustrierende Saison mit NIO. Öffentlich ist bisher nicht bekannt, wie es für den Briten im kommenden Jahr weiter geht. Er selbst scheint aber eine ziemlich konkrete Vorstellung zu haben: "Ja, ich denke ich weiß es (grinst)." Zwar will Turvey nichts Konkretes sagen, gibt aber eine Richtung vor: "Ich bin in der Formel E seit Anfang an bei NIO. Sie sind ein sehr ambitionierter, neuer Hersteller mit großen Plänen. Ich möchte dieses Team in die Situation bringen, Rennen gewinnen zu können und hoffentlich auch einmal um den Titel zu kämpfen. So sieht es momentan aus."

>>> Sebastien Buemi ist in dieser Saison einer der schnellsten Fahrer, doch Erfolgsmomente fehlen ihm nach wie vor. Kurz vor dem Paris E-Prix schöpft er abermals Hoffnung: "Unser Auto und unsere Leistungen sind viel besser, als es bisher aussieht. Das Auto ist auch sehr kompliziert, es hat viele Probleme gegeben. Aber Potenzial hat es. Ich hoffe jetzt, dass wir in der zweiten Saisonhälfte die Möglichkeit haben, wieder vorn mitzukämpfen." Für Paris erwartet der Schweizer jedoch nicht übermäßig viel: "Es dürfte nicht unglaublich (gut) werden. New York, Berlin und Bern sollten besser werden."

>>> Bei der Testarbeit  für die kommende sechste Saison fährt Nissan e.dams einen anderen Plan als die meisten Konkurrenten: "Ja, wir haben begonnen", bestätigt Buemi an unserem Mikrofon. "Aber momentan haben wir noch eine Mischung aus Teilen von Saison 5 und Saison 6 im Auto, deshalb kann ich dazu noch nicht allzu viel sagen. Wir nutzen die Testtage auch noch für Saison 5."

Zusätzliche Berichterstattung durch Timo Pape

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