Formel E

Pro & Kontra: Wohin mit dem Deutschland ePrix?

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Wenn die Formel E 2016 in Deutschland halten möchte, muss eine Entscheidung so bald wie möglich fallen. Der Formel-E-Logistikpartner DHL muss bis Ende Januar wissen, wohin der ePrix von Deutschland verlegt wird, sonst könnte es Schwierigkeiten mit dem Transport der Autos geben.

Nachdem der Norisring in Nürnberg bereits eine Absage erteilte, fällt einer der drei großen Kandidaten der aus dem Feld. Optionen gibt es nur wenig - und die Zeit drängt. Wir blicken auf Pro- und Kontra-Aspekte einzelner deutscher Städte, an denen am 21. Mai 2016 der zweite ePrix von Deutschland stattfinden könnte.

Berlin

Wie auch im letzten Jahr könnte die Formel E wieder nach Berlin kommen. Einen guten internationalen Ruf hat die Hauptstadt allemal: Als eine der vibrierenden Kulturhauptstädte Europas hat Berlin schon im Vorjahr das gesamte Fahrerlager begeistern können.

In Tempelhof wird das Rennen, sollte es in der deutschen Hauptstadt stattfinden, jedoch nicht starten. Zwar fordern Lokalpolitiker und Anwohner zurzeit die Auflösung der Flüchtlingsunterkunft in Tempelhof, jedoch ist unwahrscheinlich, dass der Austragungsort des ersten deutschen Formel-E-Rennens im vergangenen Sommer bis zum Termin frei wird.

Berlin passt perfekt in das Bild der Formel E. Die Stadt überzeugt mit Kunst, Kultur und Sehenswürdigkeiten, jungen Leuten aus aller Welt und grünen Parks. Verschiedene Medienberichte spekulieren bereits über das Berliner Olympiastadion als möglichen Ausweichort, andere wünschen sich das Rennen in der Innenstadt oder auf der ehemaligen DTM-Piste "AVUS", die nun Teil der Berliner Stadtautobahn ist. Wo auch immer: Dass die Formel E nach Berlin kommt, ist wohl die wahrscheinlichste Option.

München

München wurde zwar von Formel-E-Boss Alejandro Agag in die Diskussion gebracht, die Stadt selbst steht dem Motorsport jedoch eher reserviert gegenüber. BMW und der ADAC haben zwar ihren Hauptsitz in München, doch hält sich die Leidenschaft und Begeisterung für den Motorsport bei den Münchnern in Grenzen.

Nichtsdestotrotz gab es zweimal ein Gastspiel eines Show-Events der DTM im Olympiastadion. Der Vertrag wurde vorzeitig aufgelöst, weil einerseits die Resonanz fehlte (2011: 54.000 Besucher, 2012: 45.000 Besucher) und andererseits die politische Unterstützung für das Motorsport-Spektakel ausblieb.

Zudem beklagten sich zahlreiche Anwohner über den Motorenlärm. Diese Problem hätte die Formel E zwar nicht, trotzdem erwarten die Elektroserie keine guten Voraussetzungen in der bayrischen Landeshauptstadt.

Freiburg

In einer Umfrage auf unserer Facebook-Seite wünschten sich manche unserer Leser ein Rennen in Freiburg. Und tatsächlich wäre ein Vorschlag für einen Kurs im Breisgau nicht gänzlich undenkbar: Freiburg zählt laut "The Guardian" zu den zehn grünsten Städten der Welt und wird häufig als "Hauptstadt der Solarenergie" betitelt. Die Stadt ist in puncto Umweltfreundlichkeit das Aushängeschild Deutschlands.

Doch scheint ein Rennen in Freiburg im Breisgau noch sehr weit hergeholt. Gute Werbung für die Stadt wäre die Formel E allemal, aber ein "Freiburg ePrix" bleibt vorerst wohl nur ein Wunschdenken. Auch der Freiburger Motorsportklub bestätigte auf Nachfrage von 'e-Formel.de', dass man keine laufenden Verhandlungen führe.

Frankfurt am Main

Die Skyline in Frankfurt/Main

Als weitere Möglichkeit stünde zudem Frankfurt am Main zur Wahl. Die größte hessische Stadt überzeugt auch auf internationaler Ebene mit ihrer Skyline und dem Finanzzentrum. Frankfurt ist Sitz der Europäischen Zentralbank, der Deutschen Bundesbank, der wichtigsten Börse Deutschlands und zahlreicher Finanzinstitute wie der Commerzbank oder der Deutschen Bank.

Als Sitz des Deutschen Motorsportbundes (DMSB) hat Frankfurt eine enge Bindung zum Motorsport. Ein Rennen vor der Frankfurter Skyline könnte sich sehen lassen, zumal eine Formel-E-Bewerbung der Weltstadt nicht auszuschließen ist. Chancen hätte die Stadt - wenn da nur nicht die große Konkurrenz mit anderen Bewerberstätten wäre.

Hamburg

Ähnlich wie Freiburg zählt Hamburg zu den Städten mit den geringsten CO2-Emissionen. 2011 war die Stadt an der Elbe gar Umwelthauptstadt Europas. Für den Motorsport, der im Norden weniger beliebt ist als in anderen Bundesländern, wäre die Formel E ein idealer Einstieg. Hamburg, die Stadt, die mit ihrem weltbekannten Hafen häufig als "schönste Stadt Deutschlands" in Rankings aufgeführt wird, würde lückenlos in das Formel-E-Konzept passen.

Hamburg, das sind junge Menschen, eine Nightlife-Szene mit vielen Clubs (damit ist nicht nur die Reeperbahn gemeint), aber auch Familien, die offen für Neues sind. Als zweitgrößte Stadt Deutschlands ist sie zudem für ausländische Zuschauer gut erreichbar: perfekte Bedingungen für ein Formel-E-Rennen.

Einzig die Konkurrenz aus Berlin könnte dem ePrix in Hamburg im Weg stehen. Schließlich fuhr die Serie bereits 2015 in der Bundeshauptstadt und wird sich bemühen, dort erneut ein Rennen auf die Beine zu stellen. Sollte der Plan mit einer Wiederholung des Berlin ePrix jedoch nicht aufgehen, wäre Hamburg durchaus ein Kandidat mit Chancen.

Entscheidung sollte noch diese Woche fallen

Auf wen die Entscheidung der Formel E fallen wird, ist noch nicht bekannt. Was jedoch feststeht: Eine Entscheidung muss noch diese Woche getroffen werden, sonst könnte der Deutschland ePrix gänzlich ausfallen. Die Logistiker müssen rund vier Monate vor dem Rennen den Transport der Fracht planen - und auch die Fans wollen wissen, für wann sie ihren Urlaub einreichen und Hotels buchen müssen.

Momentan stehen die Sterne wohl am besten für Berlin, nachdem eine Kooperation mit dem Norisring nicht mehr möglich ist. Gefolgt wird der Austragungsort des ersten deutschen Formel-E-Rennens von München, Hamburg und Frankfurt, wo ein Rennen auch vorstellbar wäre. In Freiburg stehen die Chancen auf einen ePrix zurzeit eher schlecht.

 

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