Formel E

Project 424: Elektro-Prototyp mit Formel-E-Motoren nach Le Mans

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Der Motorsport wird elektrifiziert: Nachdem 2012 erstmals die 24 Stunden von Le Mans mit einem Hybridantrieb gewonnen werden konnten, soll das prestigeträchtige Langstreckenrennen an der Sarthe in nur wenigen Jahren auch einen ersten vollelektrischen Sieger bekommen. Bereits 2021 könnte der am vergangenen Wochenende vorgestellte LMP1-Prototyp von PERRINN in Le Mans starten - und zwar mit Formel-E-Technologie unter der Haube. Fürs Erste soll der Rundenrekord am Nürburgring gebrochen werden.

Die Ambitionen des Teams von Designer und Chefingenieur Nicolas Perrin sind groß. Der Franzose, der maßgeblich an den Rekordfahrten des NIO EP9 aus dem letzten Jahr beteiligt war, will mit seinem Projekt bis 2020 die bisherigen Rundenrekorde für elektrische und autonome Fahrzeuge in Le Mans, Paul Ricard, Shanghai, Austin und auf der Nordschleife brechen. Danach ist das selbsterklärte Ziel der Gewinn des 24-Stunden-Rennens in Le Mans.

Der PERRINN-Renner soll zum "schnellsten Elektrofahrzeug der Welt" werden - und das trotz eines Kampfgewichts von 1.100 kg. In das LMP1-Chassis eingebettet sollen eines Tages vier Motoren eines bislang unbekannten Formel-E-Teams für insgesamt 750 kW Leistung über alle Räder sorgen (250 kW Front, 500 kW Heck). Die Lithium-Ionen-Batterie, die über die Fahrzeugunterseite erreicht und per Schnellladetechnologie aufgeladen werden soll, liefert insgesamt 54 kWh Energie. Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Hersteller bei 355 km/h, der Sprint von null auf 100 km/h soll in 2,1 Sekunden gelingen.

Die gesamte Entwicklung des Projekts wird zudem öffentlich einsehbar sein. Um unter anderem das gesamte kommerzielle Potenzial des Prototyps auszureizen, werden alle Software-Lösungen als Open Source zur Verfügung stehen. Gleiches gilt für die CFD-Tests. Sollte die Teilnahme am Rennen in Le Mans tatsächlich zur Realität werden, würde PERRINN vorerst aus der Garage 56 für experimentelle Fahrzeuge starten.

Im Autopilot über die Mulsanne-Gerade

Auch wenn das aktuelle Reglement der WEC noch keine autonom fahrenden Autos zulässt, soll der Prototyp nach aktuellem Stand auch in Teilen autonom fahren können. Die KI des PERRINN-Renners zeichnet dabei Fahrzeugdaten einer Runde auf, ehe der Fahrer in den Autopilot schalten und die exakte Runde replizieren kann.

Das Fahrzeug kontrolliert dabei wechselnde Bedingungen und Reifenabrieb. Im Verkehr soll der Fahrer jederzeit die Kontrolle übernehmen können, um kein Sicherheitsrisiko zu sein.

Bevor sich Perrin allerdings um die Sicherheit der Fahrer Sorgen machen muss, gilt es zuerst, die nötigen Sponsoren an Bord zu holen. Schon in der Vergangenheit scheiterte der Franzose mit seinen Ideen für Le Mans an fehlenden Investoren. Es seien derzeit mehrere potenzielle Partner interessiert, wenngleich es noch keine offiziellen Aussagen zu einem finalen Deal gibt. Wir behalten das Thema für dich im Auge.

Foto: PERRINN

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