Formel E

Rechenspiele vor dem Seoul E-Prix: Stoffel Vandoorne wird am Samstag Formel-E-Champion, wenn...

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Evans-Vandoorne-Shakehands-Formula-E-Seoul

Mercedes-Pilot Stoffel Vandoorne hat bereits eine Hand am Weltmeistertitel: Der 30-jährige Belgier reist mit einem komfortablen Vorsprung zu den beiden letzten Saisonrennen der Formel-E-Weltmeisterschaft 2022 nach Südkorea. Die Titelentscheidung könnte dabei durchaus schon im ersten Rennen des "Double-Headers" fallen. Wir beleuchten für dich, was dafür passieren müsste.

Mathematisch hat Vandoorne nur noch drei Konkurrenten im Titelkampf: Mitch Evans, Edoardo Mortara und Jean-Eric Vergne. Sein Vorsprung ist mit 36 Punkten dabei so groß, dass seine Gegner unbedingt aufholen müssen. Sollte er am Samstag vor seinen drei ärgsten Verfolgern ins Ziel kommen, ist die Meisterschaft auf jeden Fall zugunsten von Vandoorne entschieden. Sollte der Belgier am Samstag die Pole-Position erzielen, würden ein zweiter Platz oder ein dritter Platz in Verbindung mit der schnellsten Rennrunde in jedem Fall den Titel für Vandoorne bedeuten.

Um die rund 25 Millionen möglichen Konstellationen der Titelkandidaten beim Rennen am Samstag etwas übersichtlicher zu gestalten, betrachten wir die Titelchancen jedes Konkurrenten von Vandoorne im Folgenden separat.

Jean-Eric Vergne

Bei 58 noch ausstehenden Punkten sind die Chancen für Jean-Eric Vergne nur noch rein theoretischer Natur: Der Franzose muss an beiden Renntagen die Pole-Position erzielen, beide Rennen gewinnen und mindestens einmal auch den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde erzielen, während Vandoorne komplett leer ausgehen muss. Tritt nur einer der genannten Punkte nicht ein, ist Vergne mit seinen 57 Punkten Rückstand, die er nach Seoul mitbringt, raus aus dem Titelkampf.

Sollte der Mercedes-Pilot in einem der beiden Rennen Zehnter werden, benötigt Vergne sogar in beiden Läufen den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde unter den ersten Zehn. Bei Punktgleichheit wäre Vergne aufgrund der höheren Anzahl der Siege (2:1) Meister. Sollte Vandoorne in Südkorea zwei Punkte oder mehr erzielen, kann ihn Vergne keinesfalls noch einholen.

Edoardo Mortara

41 Zähler beträgt der Rückstand des Schweizers in Venturi-Diensten. Er muss daher am Samstag mindestens zwölf Punkte auf Vandoorne aufholen, um am Sonntag rechnerisch noch Meister werden zu können. Selbst ein Sieg würde Mortara nicht reichen, sollte Vandoorne Zweiter werden. Auch ein dritter oder vierter Platz in Verbindung mit der Pole-Position würden dem Belgier so viele Zähler bringen, dass Mortara rechnerisch keine Titelchance mehr hat.

Eine Pole-Position für Mortara würde dessen Optionen natürlich deutlich verbessern: Dann müsste er im Rennen nur noch neun Punkte aufholen, um rechnerisch am Sonntag noch Meister werden zu können. Bei einem anschließenden Sieg wäre die Titelentscheidung nur dann vertagt, wenn Vandoorne nicht Zweiter wird - ein dritter Platz wäre zu wenig, selbst wenn Vandoorne die schnellste Rennrunde erzielt.

Wird Mortara hingegen nur Zweiter, wäre Vandoorne mit einem fünften Platz uneinholbar für den Schweizer. Bei einem dritten Platz für Mortara reicht Vandoorne Position 6. Bei einem vierten oder fünften Platz würde es dem Mercedes-Piloten schon genügen, vier Positionen hinter seinem Konkurrenten ins Ziel zu kommen. Wird Mortara Sechster, benötigt er die schnellste Rennrunde und einen Nuller von Vandoorne, um im Titelkampf zu bleiben. Beendet er das Rennen gar noch weiter hinten, können ihm auch die Bonuspunkte für Pole-Position und schnellste Rennrunde nicht mehr helfen.

Ohne Pole-Position für den Venturi-Fahrer darf jeweils noch ein Auto mehr zwischen Mortara und Vandoorne ins Ziel kommen. Wird Mortara Zweiter, ist er bei einem sechsten Platz von Vandoorne bereits raus. Beendet er das Rennen gar nur auf Position drei, vier oder fünf, hätte Vandoorne auch mit fünf Positionen dahinter die Titelchancen des Schweizers eliminiert. Position 6 wäre für Mortara in jedem Fall zu wenig.

Mitch Evans

Mit 36 Zählern Rückstand ist der Jaguar-Pilot Vandoornes engster Verfolger in der Gesamtwertung. Er muss jedoch seinen Rückstand am Samstag um mindestens sieben Zähler verkürzen, um seine Titelchancen am Leben zu erhalten.

Eine Pole-Position für Vandoorne würde dafür sorgen, dass Evans im Rennen zehn Punkte aufholen muss. Wird Vandoorne Dritter, Vierter oder Fünfter, muss Evans zwingend gewinnen, um seine Chancen aufrechtzuerhalten. Ein sechster Platz für den Belgier würde mindestens Platz 2 für Evans erfordern. Bei einem siebten Platz wäre auch Position 3 in Verbindung mit der schnellsten Rennrunde ausreichend. Bei Position 8 für Vandoorne müsste Evans mindestens Dritter werden, bei Platz 9 reicht auch der vierte Platz. Wird Vandoorne Zehnter, wäre Platz 5 bei gleichzeitiger schnellster Rennrunde für Evans ausreichend, um die Entscheidung zu vertagen. Sollte Vandoorne im Rennen nicht unter die ersten Zehn kommen, genügt dem Neuseeländer gar der fünfte Platz.

Sollte Evans die Pole-Position erzielen, benötigt er im Rennen "nur noch" vier Punkte mehr als Vandoorne, um die Entscheidung auf Sonntag zu vertagen. Er muss also zwingend vor ihm ins Ziel kommen. Belegt er die Spitzenposition auch im Ziel, kann Vandoorne nicht vorzeitig Meister werden. Wird Evans Zweiter und fährt die schnellste Rennrunde, vertagt er die Entscheidung, sollte Vandoorne nicht gewinnen. Belegt Evans einen Platz zwischen 3 und 9, so reicht es dem Belgier in jedem Fall, unmittelbar hinter dem Jaguar ins Ziel fahren: Der Titel ginge dann an den Mercedes-Fahrer.

Steht keiner der beiden Kontrahenten auf der Pole-Position, reicht Evans auch ein Sieg nicht, wenn Vandoorne Zweiter wird und die schnellste Rennrunde fährt. Wird der Neuseeländer Zweiter, kann Vandoorne auch schon mit Position 4 den Titelgewinn feiern. Ein dritter Platz von Evans wäre bei einem fünften Platz von Vandoorne zu wenig, um die Chancen aufrechtzuerhalten.

Beendet Evans das Samstagsrennen auf den Positionen 4 bis 6 und dreht die schnellste Rennrunde, ist es für Vandoorne ausreichend, zwei Plätze weiter hinten ins Ziel zu kommen. Ohne Evans' schnellste Rennrunde sind es gar drei Plätze. Wird Evans Siebter, braucht er die schnellste Rennrunde, um überhaupt im Titelrennen zu bleiben. Ein achter Platz oder schlechter sorgt dafür, dass er keine rechnerischen Chancen mehr auf den Titel hat.

SR = schnellste Rennrunde

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