Formel E

Red-Bull-Motorsportberater Marko: Formel E hat keine Serienrelevanz

Timo Pape

Timo Pape

Der Motorsport hat im vergangenen Jahrzehnt mehr und mehr seine Relevanz für den Straßenverkehr verloren. Verbrenner mit großen Motoren sind nicht mehr zeitgemäß, und auch Hybridantriebe, wie sie in der Formel 1 zum Einsatz kommen, werden von vielen eher als Brückentechnologie angesehen. Die Zukunft ist elektrisch. Deshalb strömen immer mehr Hersteller in die Formel E. Neben dem großen Marketing-Potenzial geht es ihnen auch um den Technologietransfer, denn die Erkenntnisse aus der Elektroserie werden in den kommenden Jahren auch die Serienentwicklung beeinflussen.

Das sieht einer allerdings ganz anders. Dr. Helmut Marko, Motorsportberater bei Red Bull, kann das Formel-E-Interesse der Hersteller nicht nachvollziehen: "Die Technologie dort wird es nie in einem Straßenauto geben, weil es keinen Sinn macht", sagt der Österreicher gegenüber 'Autorevue'. "Du hast praktisch drei Motoren. Die Zusammenführung all dieser Teile ist viel zu aufwendig." Darüber hinaus zweifelt Marko an der Wirtschaftlichkeit der Formel E, schließlich hat sie seit ihrer Gründung mehr als 100 Millionen Euro Schulden angehäuft: "Bis jetzt hat man damit noch keinen Groschen Geld verdient."

Immerhin gefällt Marko offensichtlich die Rennaction in der Formel E: "Es ist spektakulär, weil es auf ganz engem Raum stattfindet. Dann ist das im Prinzip ein Formel-3-Chassis, das durch die Batterien 400 Kilo mehr wiegt. Das Auto rutscht und schleudert. Und durch die enge Kursführung gibt es permanent Safety-Cars. Die Rennen sind gar nicht so schlecht", gibt der 74-Jährige zu.

Die Chancen, Red Bull Racing in der Formel E zu sehen, werden dadurch trotzdem kaum steigen. Denn der Energy-Drink-Hersteller orientiert sich traditionell eher in Richtung Extremsport. Strom sparen und Rekuperation passen da nicht wirklich ins Bild. Nichtsdestotrotz hatte sich Red Bull Technologies vor gut einem Jahr als Batterieausrüster der Formel E beworben. Am Ende bekam jedoch McLaren Applied Technologies den Zuschlag für den künftigen Einheitsakku der Saisons fünf bis sieben.

Christian Horner erkennt Relevanz der Formel E

So ganz einig ist man sich im Hause Red Bull beim Thema Serienrelevanz offenbar nicht. Denn Red-Bull-Teamchef Christian Horner sieht die Formel E als das, was sie für viele Hersteller ist: eine Entwicklungsplattform für neue Automobiltechnologien. "Was werden die Leute 2030 auf der Straße fahren? Wenn man der Politik glauben darf, werden es Elektroautos sein", sagt der Brite gegenüber 'auto motor und sport'.

"Die Hersteller verabschieden sich alle in die Formel E. Das ist ihr Spielfeld für künftige Technologien", erklärt Horner. "Porsche, Mercedes, Renault, Audi, Jaguar. Das sind schon mehr, als die Formel 1 je hatte. Die Kosten der Formel E betragen im Moment auch nur fünf Prozent eines Formel-1-Einsatzes. Ich kann mir vorstellen, dass die Großserienhersteller in die Formel E abwandern, und die Sportwagenhersteller sich in der Formel 1 tummeln. Wie Ferrari, Aston Martin oder Lamborghini. Deren Umfeld ist die Formel 1."

Nicht zuletzt auch durch die Existenz der Formel E stehe die "Königsklasse" aktuell vor der Gretchenfrage: Versucht die Formel 1 auch weiterhin, große Hersteller mit vermeintlich relevanter Technologie anzulocken, oder besinnt sie sich auf ihre Ursprünge und den Showfaktor? "Die Hersteller sollen sich mit neuen Technologien in der Formel E austoben. Die Formel 1 sollte deshalb das Gegenstück sein", sagt Horner. "Die Formel 1 muss zu ihren Wurzeln zurück."

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