Formel E

Regeländerung gescheitert: WEC-Piloten verpassen beide Formel-E-Rennen in Berlin

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Die Bemühungen, als Kompromisslösung für die Terminkollision zwischen dem Berlin E-Prix und dem Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) in Spa-Francorchamps eine Regeländerung herbeizuführen, damit die betroffenen Piloten wenigstens im Sonntagsrennen des deutschen "Double-Headers" starten können, ist gescheitert. Bei einer elektronischen Abstimmung der elf Formel-E-Teams gab es nicht die notwendige Einstimmigkeit. Die betroffenen Teams werden daher für beide Rennen Ersatzfahrer benötigen.

Harter Schlag für Envision, Mahindra und ABT Cupra: Die Teams werden beim Berlin E-Prix sowohl am Samstag als auch am Sonntag auf Stammfahrer verzichten müssen, da diese vertragliche Verpflichtungen in der WEC haben. Beim amtierenden Team-Champion Envision sind mit Sebastien Buemi und Robin Frijns beide Fahrer betroffen, Mahindra muss Nyck de Vries ersetzen, während bei ABT Cupra Nico Müller ausfällt.

Die übrigen Piloten, die parallel in Formel E und WEC antreten, geben der Elektroserie den Vorrang: Das DS-Penske-Duo Stoffel Vandoorne und Jean-Eric Vergne, Mahindra-Fahrer Edoardo Mortara und Andretti-Pilot Norman Nato lassen das Belgien-Rennen am 11. Mai daher aus.

Auch wenn der Berlin E-Prix aus zwei separaten Rennen besteht, handelt es sich um eine Veranstaltung. Nach Durchführung der administrativen Checks ist ein Wechsel des Fahrers nur noch aufgrund von höherer Gewalt möglich. Vertragliche Verpflichtungen in anderen Rennserien gelten nicht als höhere Gewalt. Es ist daher nicht erlaubt, am Samstag, wo gleichzeitig das WEC-Rennen in Belgien stattfindet, einen Ersatzfahrer einzusetzen und am Sonntag den Stammpiloten.

Griffiths: "Jeder kannte die Konsequenzen!"

Der Versuch, dies den betroffenen Teams mit eine Regeländerung zu ermöglichen, scheiterte nun. Der Grund: Mehrere Teams hatten im Vorfeld ihren Fahrern entweder verboten, 2024 in der WEC anzutreten, oder aber der Formel E vertraglich Vorrang einräumen lassen, mutmaßlich auch in Verbindung mit einer besseren Bezahlung der Piloten. Diese Teams hatten daher naturgemäß kein Interesse an einer Regeländerung.

"Wir alle wussten, dass es einen Terminkonflikt gibt", beschreibt Andretti-Teamchef Roger Griffiths bei The Race, er habe "keinerlei Verständnis" für eine Regeländerung. "Jeder hat seine Wahl getroffen und sich dafür entschieden, was er machen will. Jeder kannte die Konsequenzen, also muss man diese auch akzeptieren. Man kann nicht einfach anfangen zu weinen, wenn einem jetzt bewusst wird, was das bedeutet."

"Wir haben einige Fahrer abgelehnt, weil sie bereits Verpflichtungen hatten, die es ihnen nicht erlaubten, sich zu 100 Prozent dieser Meisterschaft zu widmen", beschreibt der Brite weiter, dass dies durchaus eine Rolle bei der Besetzung des zweiten Cockpits des Teams spielte, für das schlussendlich Norman Nato ausgewählt wurde. "Man muss sich entscheiden, in welcher Meisterschaft man fahren will. Wir fahren in der Formel E und nicht in der WEC. Warum sollten wir wollen, dass ein Fahrer aussteigt und seine eigenen Chancen sowie die Chancen des Teams auf den Titel gefährdet? Für mich ist das eine bizarre Angelegenheit."

Frijns: "Wo liegt das Problem?"

Die betroffenen Fahrer sehen das naturgemäß anders. "Das ist sehr frustrierend", beschreibt Robin Frijns bei Racingnews365, der die Schuld jedoch beim Automobil-Weltverband FIA und nicht bei den anderen Teams sieht. "Vor allem, wenn wir zwei Weltmeisterschaften haben, die von denselben Leuten organisiert werden. Wir haben nur drei WEC-Rennen während der gesamten Formel-E-Saison. Ich bin sehr frustriert darüber, denn in den letzten Jahren hat das gut funktioniert und viele Leute sind in beiden Meisterschaften gefahren, auch ich."

"Ich finde einfach, dass so etwas, besonders in den heutigen Zeiten, nicht passieren darf", erklärt der Niederländer weiter. "Früher war es erlaubt, dass die Leute am selben Wochenende Formel 1 und Formel 2 fahren. Wo liegt also das Problem?"

Bislang ist noch unklar, wen die betroffenen Teams als Ersatzfahrer für den Berlin E-Prix auswählen werden. Mit den Bekanntgaben ist in den kommenden Wochen zu rechnen.

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