Formel E

Regelwerk: FIA will Boxengassen-Schlupfloch für Formel-E-Rennen in Berlin schließen

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Pitlane-Formula-E

Nur wenige Stunden nach der Disqualifikation von Lucas di Grassi beim London E-Prix hat der Automobil-Weltverband FIA angekündigt, die entsprechende Lücke im Reglement zu schließen. Dies berichteten übereinstimmend mehrere Medien am späten Sonntagabend. Beim Berlin E-Prix soll die Option eines kurzen Anhaltens unter Safety-Car-Bedingungen nicht mehr möglich sein.

Lucas di Grassi hatte sich im Sonntagslauf von London während einer Safety-Car-Phase dazu entschlossen, durch die Boxengasse zu fahren und nach einem kurzen Stopp auf die Strecke zurückzugehen. Die sehr kurze Boxengasse in London hatte in Verbindung mit dem extrem langsam fahrenden Mini-Safety-Car dafür gesorgt, dass der Brasilianer so von der achten Position aus in Führung gehen konnte.

Lediglich ein "Formfehler" verhinderte, dass der Audi-Pilot auf diesem Wege das Rennen gewann, denn beim Stopp vor seiner Box hatte er zwar die Räder seines Fahrzeugs blockiert, war jedoch nicht, wie vorgeschrieben, vollständig zum Stehen gekommen. Stattdessen erhielt er eine Durchfahrtsstrafe, die ihm von seinem Team jedoch nicht mitgeteilt wurde. Als Folge wurde di Grassi disqualifiziert, Audi zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt.

Keine neue Idee

Die Idee wurde jedoch nicht zum ersten Mal umgesetzt: Bereits im letzten Jahr kürzten beide Mahindra-Piloten sowie Sebastien Buemi beim Berlin E-Prix während einer Full-Course-Yellow-Phase durch die deutlich kürzere Boxengasse ab und fuhren nach einem kurzen Stopp weiter. Die Piloten gewannen auf diesem Weg mehrere Sekunden. Ein Protest von Mercedes gegen die Piloten wurde abgewiesen. Die Rennkommissare reagierten jedoch im Anschluss und senkten das Tempolimit in der Boxengasse von Berlin auf 35 km/h, sodass es hier keinen Vorteil mehr gab.

Auch dieses Mal wollen die Offiziellen reagieren: "Es stimmt, dass wir noch einmal etwas ändern müssen. Wir müssen uns anpassen und mögliche Schlupflöcher schließen, die hier entstanden sein könnten", so Frederic Bertrand, FIA-Direktor für die Formel E bei 'Motorsport.com'.

"Es hat nur deshalb nicht funktioniert, weil sie es nicht richtig gemacht haben", so Bertrand weiter. "Aber in jedem Fall müssen wir reagieren. Im Moment ist das Einzige, was wichtig ist, dass es nicht funktioniert hat. Aber aus rein rennsportlicher Sicht hätte es eine interessante Szene sein können."

Einen Image-Schaden für die Formel E sieht er - anders als beim Energie-Debakel von Valencia vor einigen Monaten - nicht: "Wir werden sicherstellen, dass wir für die Zukunft keine weiteren derartigen Aktionen riskieren", erklärt er. "Aber das eigentliche Problem ist eher die Tatsache, dass sie (Audi) die Strafe nicht angetreten haben, als sie es mussten. Sie haben das Rennen angeführt und sind sogar bis zum Ende mitgefahren, was überhaupt nicht hätte passieren dürfen."

In der Vergangenheit hatten sich die Teams dafür eingesetzt, die Boxengasse bei einem Safety-Car geöffnet zu lassen, damit Fahrzeuge zur Reparatur an die Box kommen können. Ob eine Änderung hier greifen könnte, ließ Bertrand jedoch offen. Fest steht nur, dass die FIA reagieren wird. Und das schon bis zum abschließenden "Double-Header" in Berlin am 14./15. August. Bis dahin hat die Formel E auf jeden Fall ihr Gesprächsthema...

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