Formel E

Reigle bestätigt "intensive Gespräche mit Eindhoven", Formel E brauche Brasilien & Japan für Wachstum

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Formula-E-Grid-Mexico

Mit 16 Rennen in zehn Städten hat die Formel-E-Weltmeisterschaft 2022 den umfangreichsten Rennkalender seit ihrem Bestehen. Für die kommende Saison plant die Serie zwei weitere Rennen in Hyderabad (Indien) und Kapstadt (Südafrika). Das Ende der Fahnenstange ist damit jedoch noch nicht erreicht, gibt Formel-E-CEO Jamie Reigle zu verstehen.

Mit Rom, Monaco, Berlin und London hat die Formel E aktuell vier Austragungsorte in Europa - mehr als auf jedem anderen Kontinent. Bern, Moskau, Paris, Valencia und Zürich sind fünf weitere europäische Städte, in denen die Elektroserie in der Vergangenheit bereits Rennen ausgetragen hat. Dennoch sieht die Formel E auch hier noch Potenzial, den Rennkalender zu erweitern.

Mit Nyck de Vries ist ein Niederländer amtierender Formel-E-Weltmeister. Wenig überraschend ist es daher, dass die Formel E auch auf unser Nachbarland ein Auge geworfen hat, wenn es um die zukünftige Entwicklung des Rennkalenders geht. "Wir befinden uns in intensiven Gesprächen mit Eindhoven", bestätigt Formel-E-CEO Jamie Reigle bei 'Blackbook Motorsport'.

Aber auch andere Städte in Europa haben in der jüngsten Vergangenheit Interesse bekundet, einen Lauf der Rennserie auszutragen. Darunter befindet sich Bournemouth. Die Stadt an der südenglischen Küste, mit etwas mehr als 180.000 Einwohnern so groß wie Potsdam oder Hagen, tauchte Ende 2021 erstmals auf dem Formel-E-Radar auf. Lokale Unternehmer gaben damals das durchaus ambitionierte Ziel bekannt, im Juni 2023 erstmals den Bournemouth E-Prix austragen zu wollen und präsentierten sogar eine mögliche Streckenführung.

Reigle bremst Euphorie in Bournemouth

Fraglich ist jedoch, ob die Formel E, die in der aktuellen Saison erstmals Rennen in den Metropolen Jakarta, Seoul und Vancouver austrägt, überhaupt ein Interesse daran hat, eine Stadt wie Bournemouth in den Rennkalender aufzunehmen. Daher bleibt auch Reigle hier sehr zurückhaltend - die Gespräche mit Bournemouth seien "deutlich weniger fortgeschritten" als mit Eindhoven.

Allein die Bereitschaft der lokalen Politik, der Bevölkerung und der Unternehmen, einen E-Prix austragen zu wollen, reicht der Formel E nicht aus. Hier spielen auch ganz andere Überlegungen eine Rolle. "Wenn ich darüber nachdenke, wohin ich gehen will, wo die Märkte sind, die wir aus einer Wachstumsperspektive brauchen, dann geht es darum, wo Sport populär ist", beschreibt Reigle einen Ansatzpunkt der Rennserie in dieser Frage. "Wo ist Motorsport populär? Wo ist er wichtig für unsere Sponsoren? Und wo ist es wichtig für unsere Teams?"

Deutlich realistischer erscheint somit eine Aufstockung des Rennkalenders um Länder und Märkte, die bislang aus unterschiedlichsten Gründen noch keinen E-Prix erleben durften. Dies wird auch beim Blick auf die jüngsten Erweiterungen klar - Indien, Indonesien, Südafrika, Südkorea, dazu die Rückkehr nach Kanada.

Brasilien "großartig", Japan "ein Land, wo wir hingehen sollten"

"Nehmen wir zum Beispiel Brasilien, ein riesiges Land, leidenschaftlich und mit einem großen sportlichen Erbe", sieht Reigle in Südamerika noch großes Potenzial. "Wir haben eine Reihe von brasilianischen Fahrern und Sponsoren. Es ist der größte Markt in Lateinamerika, also gibt es aus kommerzieller Sicht ein großes Interesse daran."

"Es wäre ein großartiger Ort, um die Formel E zu präsentieren", so Reigle weiter. "Außerdem hat die Elektromobilität in Brasilien gerade erst begonnen, was den Verkauf von Elektroautos angeht. Das ist ein wirklich interessanter Markt, in dem wir präsent sein können."

"Am anderen Ende des Spektrums steht Japan", schielt Reigle nach Fernost. "Wir haben schon Nissan als Hersteller, aber ich würde gern versuchen, einen Weg zu finden, Honda und Toyota davon zu überzeugen, dass die Zukunft elektrisch ist. Wenn ich an Japan denke, dann ist das ein sehr großer Markt: 130 Millionen Menschen, ein sehr hohes Bruttoinlandsprodukt, viele Sponsoren und eine große Leidenschaft für Motorsport. Das ist ein Land, wo wir hingehen sollten."

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