Formel E

Rene Rast hadert trotz gutem Saisonstart: "Waren schneller & hatten mehr Energie als Nyck de Vries"

Timo Pape

Timo Pape

Rene-Rast-Audi-Diriyah-2021

Audi Sport ABT Schaeffler ist mit ordentlicher Pace aber überschaubaren Ergebnissen in seine letzte Formel-E-Saison gestartet. Rene Rast präsentierte sich in guter Form und holte beim Freitagsrennen immerhin Platz 4 und die schnellste Runde, obwohl er nur selten das Glück auf seiner Seite hatte. Lucas di Grassi punktete nach zwei für ihn typischen Aufholjagden doppelt. Audi muss jedoch seine Fehler reduzieren.

Rast deutete am Freitag bereits im Qualifying an, dass er in seiner ersten vollen Formel-E-Saison um Siege kämpfen möchte: Der Deutsche qualifizierte sich für die Super-Pole und sicherte sich dann Startplatz 3. Im Rennen überholte der dreimalige DTM-Champion in Runde 11 außen herum den Porsche von Pascal Wehrlein und setzte anschließend den Führenden Nyck de Vries im Mercedes unter Druck. Zwei Safety-Car-Phasen machten Rast jedoch einen Strich durch die Rechnung - auch mit Blick auf den Einsatz des Attack-Modes.

"Am Ende war es leider 'nur' Platz 4", blickt der Mindener auf das Auftaktrennen zurück. "Wenn mir vor diesem Wochenende jemand gesagt hätte, ich werde Vierter, hätte ich das unterschrieben. Aber von Startplatz 3 war mehr drin. Wir waren schneller und hatten mehr Energie als der Führende Nyck de Vries. Ich denke, ich hätte ihn überholen können. Doch dann kamen die Safety-Cars. Ich konnte meine beiden Attack-Modes nicht nutzen. Dass ich am Ende mehr Energie hatte, hat mir nicht geholfen, da alle Vollgas fahren konnten. Es lief also einiges gegen uns, aber trotzdem können wir mit Platz 4 zufrieden sein."

Audi-Teamchef McNish rechtfertigt Quali-Fauxpas: "… dann steht man ohnehin ganz hinten"

Der Samstag begann mit einem schwerwiegenden Fauxpas seitens Audi. Das Team schickte Rast auf den letzten Drücker auf die Strecke und pokerte, so spät wie möglich die entscheidende Runde zu beginnen. Dieser Plan sollte jedoch - wie schon mehrfach in der Formel-E-Geschichte - nicht aufgehen. Rast konnte seine "fliegende" Runde nicht mehr rechtzeitig beginnen, weil er in seiner Aufwärmrunde hinter zwei anderen Fahrern hängenblieb und es nicht mehr über die Linie schaffte.

"Leider ist Oliver Rowland so langsam gefahren, dass uns am Ende die Zeit ausgegangen ist", beklagt Rast. "Das war natürlich sehr hart." Audi-Teamchef Allan McNish rechtfertigt die Entscheidung: "Bei Rene haben wir viel riskiert, ihn als letztes Auto auf die Strecke zu schicken. Darüber kann man natürlich streiten. Aber wenn man in der ersten Qualifying-Gruppe nichts riskiert, dann steht man ohnehin ganz hinten. Am Ende fehlten ihm nur ein paar Tausendstelsekunden."

Von Startplatz 19 kämpfte sich der Deutsche bis in die Top 10 vor. Als das Rennen wegen des schweren Unfalls von Alex Lynn im Mahindra vorzeitig abgebrochen wurde, hatte Rast noch deutlich mehr Energie zur Verfügung als sämtliche Konkurrenten vor ihm. Dieser Vorteil brachte ihm jedoch nichts mehr.

Weil er während der Full-Course-Yellow-Phase schneller als die erlaubten 50 km/h gefahren war, erhielt er nach dem Rennen außerdem eine Zeitstrafe, die ihn auf Platz 17 zurückwarf. Er verlor damit nicht nur den Punkt für Platz 10, sondern auch jenen für die schnellste Rennrunde. "Nach dem Qualifying war heute nicht mehr viel drin. Wir nehmen aber auf jeden Fall die Erkenntnis mit nach Hause, dass wir ein schnelles Auto haben und in dieser Saison um Siege kämpfen können", so Rast.

Di Grassi: "Auto fühlt sich dieses Jahr richtig gut an"

Teamkollege Lucas di Grassi war am ersten Wochenende der neuen Saison nie in der Lage, ums Podium zu kämpfen. Fast schon typisch glich er seine chronische Qualifying-Schwäche mit einer guten Aufholjagd im Renntrimm aus und holte insgesamt sechs Punkte. Dadurch durchbrach der Brasilianer als erster Formel-E-Fahrer die Marke von 800 Zählern in der "ewigen Punkteliste".

Di Grassi musste am Freitag als Gesamtsechster der Vorsaison in der ungünstigen ersten Qualifying-Gruppe auf Zeitenjagd gehen. "Das war erwartungsgemäß ein sehr großer Nachteil, weil die Strecke immer schneller wurde", erklärt der Brasilianer, der sich mit Startplatz 16 begnügen musste. Im Rennen fuhr di Grassi bis auf Platz 9 vor. "Es war ein ziemlich starkes Rennen und das Auto fühlt sich dieses Jahr richtig gut an", so sein Freitagsfazit.

Im Qualifying am Samstag lief es nicht besser. Di Grassi machte nach zwei guten ersten Sektoren einen kleinen Fehler, der den Brasilianer vier Zehntelsekunden kostete. Die Folge: Startplatz 15. Im Rennen klagte er über starkes Übersteuern. Trotzdem holte di Grassi als Achter erneut Punkte. "Das war ein verrücktes Rennen", meint er.

Nach dem Auftaktwochenende in Diriyya lässt sich festhalten, dass der Audi e-tron FE07 durchaus das Zeug hat, um ganz vorn mitzufahren. Das bewies zunächst Rast am Freitag. Am Samstag war es dann das Audi-Kundenteam Virgin, das die Limits des Fahrzeugs ausreizte: Robin Frijns setzte nicht nur den Streckenrekord, sondern kämpfte auch im Rennen bis kurz vor Schluss um den Sieg. Nichtsdestotrotz muss Audi beim Rom E-Prix am 10. April die eigenen Fehler minimieren und auf etwas mehr Rennglück hoffen. Dann können die Ingolstädter auch um Siege kämpfen.

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