Formel E

Rennen der Underdogs: Ersatzfahrer & Neulinge lassen am Berlin-Sonntag der Formel E ihr Potenzial aufblitzen

Tim Neuhaus

Tim Neuhaus

Taylor-Barnard-McLaren-Formula-E-Cockpit

In Berlin durften letztes Wochenende gleich fünf Fahrer ins Lenkrad greifen, die keine Stammpiloten in der Formel E sind. Durch die zeitgleiche Austragung der WEC in Spa-Francorchamps mussten Mahindra, Envision und ABT Ersatzfahrer finden, die ihre Chance weitgehend zu nutzen wussten. Dazu überzeugte Bird-Vertreter Taylor Barnard auf ganzer Linie und punktete in beiden Rennen!

Taylor Barnard übertrumpft Stammfahrer Hughes

Seit dem Freien Training in Monaco, als sich Sam Bird bei einem Unfall die Hand brach, sitzt der 19-jährige Brite als Ersatzpilot im Cockpit bei McLaren. Bereits im Fürstentum machte Barnard einen hervorragenden Eindruck, den er in Berlin nochmals aufwerten sollte. Mit dem zehnten Platz am Samstag und einem achten Platz am Sonntag wurde er zum jüngsten Fahrer, der in der Formel E Punkte holte, und liegt damit fünf Zähler vor den ehemaligen Champions Lucas di Grassi und Nyck de Vries in der Gesamtwertung.

Barnard konnte sogar seinen viel erfahreneren Teamkollegen Jake Hughes in allen drei Rennen, die er gefahren ist, schlagen. Zu e-Formel.de meinte er jedoch, es wäre mehr drin gewesen: "Ich glaube, wir haben uns etwas spät dazu entschieden zu pushen, wir waren etwas zu sparsam." Trotzdem lag der junge Brite zwischenzeitlich auf dem siebten Rang und ist zufrieden: "Als wir dann gepusht haben, war es gut, und ich konnte einige Positionen gutmachen. Ich bin sehr glücklich."

Jehan Daruvala in beiden Rennen besser als Günther

Auch für Stammfahrer Jehan Daruvala - der einzige reguläre Rookie in dieser Saison - war es das bisher beste Rennwochenende in der Formel E. Der Inder fuhr ein furioses Samstagsrennen und war zwischenzeitlich einer der schnellsten Fahrer im Feld - wenngleich aufgrund eines Berechnungsfehlers von Maserati. Von ganzen hinten gestartet und mit zusätzlicher Stop-and-Go-Strafe arbeitete er sich bis auf den sechsten Platz vor. Die Punkte, die nahezu sicher schienen, brachte er jedoch nicht heim, sondern fiel nach selbstverschuldetem Unfall wieder zurück.

Am Sonntag leistete Daruvala jedoch Wiedergutmachung und fuhr ein grundsolides Rennen. Besonders aufregend war sein Überholmanöver gegen Barnard direkt vor der Ziellinie. Gegenüber e-Formel.de bedankt er sich bei Barnard: "Als Rennfahrer willst du jede Lücke nutzen - auch in der letzten Runde. Es war allerdings auch sehr fair von Taylor (Barnard), der mir den Platz gelassen hat." Daruvala feierte den siebten Platz und konnte Teamkollege Günther damit punktetechnisch zum ersten Mal übertrumpfen.

Joel Eriksson trotz Attack-Mode-Ärger in den Punkten

Nach einem frühen Aus im ersten Berlin-Rennen sah es für Joel Eriksson im Envision auch am Sonntag zwischenzeitlich schlecht mit Punkten aus. Ein Problem mit dem Attack-Mode, welches bereits im 3. Freien Training auftrat, machte Probleme: "Die Schleifen habe ich getroffen, aber es gab trotzdem keine Aktivierung. Das hat mich weit zurückgeworfen", erklärt er gegenüber e-Formel.de.

Eriksson fuhr allerdings eine bärenstarke zweite Rennhälfte. "Das Potenzial und die Effizienz waren sehr viel besser als das Ergebnis, und ich hätte noch ein paar Plätze weiter oben landen können", lobt er das aktuell arg gebeutelte Envision-Team. Eriksson wäre gern bald wieder im Formel-E-Boliden: "Es war großartig, die Möglichkeit bekommen zu haben, mit Envision hier zu fahren. Ich hoffe, ich bin sehr bald wieder zurück!"

Für das nächste Rennwochenende am 25. und 26. Mai - der Shanghai E-Prix 2024 - kehren aber zunächst einmal die Stammfahrer Robin Frijns und Sebastien Buemi ins Envision-Cockpit zurück. Sam Birds Einsatz ist zwar noch nicht sicher. Barnard muss an jenem Wochenende aber in der Formel 2 an den Start gehen.

Zurück

1 Kommentare

Helmut ·

Hab ich was übersehen?
Stoffel Vandoorne ist doch sowohl in Spa als auch Berlin gefahren? Wie das?

Antwort von Tobias Wirtz

Hallo Helmut,

nein, Vandoorne ist genau wie Vergne nicht in Spa gefahren. Der einzige etatmäßige Formel-E-Fahrer von Peugeot, der in Spa gefahren ist, war Nico Müller.

Gruß Tobi

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 9 und 6.