Formel E

Rennpremiere in den Kaskaden: Fragen & Antworten zum Formel-E-Rennen in Portland 2023

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Der jährliche Stopp für ein Rennen in den USA hat in der Formel E seit 2015 Tradition. Zum ersten Mal reist die Elektroserie dabei in den Bundesstaat Oregon in den Nordwesten des Landes: Beim Portland E-Prix wartet eine permanente, buckelige Rennstrecke aus dem IndyCar-Kalender auf die Fahrer der Formel E. Auf der Zielgerade der WM-Saison sind keine Fehltritte erlaubt, insbesondere im Titelkampf.

Nur sechs Punkte trennen die besten drei Fahrer in der Gesamtwertung voneinander: Pascal Wehrlein (Porsche) liegt dank seines Siegs in Jakarta wieder mit 134 Punkten vorn, doch direkt dahinter lauert mit 133 Zählern sein Langzeitrivale Jake Dennis (Andretti). Und auch Nick Cassidy (Envision, 128) und Mitch Evans (Jaguar, 109) haben noch gute Chancen auf den Titel.

Die Umstände eines für alle vollkommen neuen Rennkurses bringen weitere interessante Komponenten in den Titelkampf ein. Im Wettstreit um den Sieg dürften Fehlerfreiheit und Anpassungsfähigkeit entscheidend werden. Die Topfahrer können sich keine Ausrutscher leisten, um bei den finalen zwei Rennwochenenden in Rom und London Teil des Meisterschaftsrennens zu bleiben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen von dem E-Prix in den USA.

Wo genau findet das Formel-E-Rennen in den USA statt?

Nach Ausgaben in Miami, Long Beach und New York City reist die Formel E am kommenden Wochenende erstmals nach Portland. Der Ort im Nordwesten der USA liegt im Schatten des Mount Hood, der mit 3.425 Metern vierthöchste Berg der Kaskadenkette. In den 1840er-Jahren wurde Portland als Siedlung gegründet und wuchs aufgrund seines Hafens rasch zu einem wichtigen Umschlagplatz für Waren heran, die über den Seeweg gehandelt wurden. Durch die Stadt fließen die Flüsse Willamette und Columbia.

Auf einer Flussinsel des Columbia Rivers, etwa zehn Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Portland, befindet sich die Formel-E-Strecke. Die Elektroserie nutzt den "Portland International Raceway", der 1961 eröffnet und in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder von der IndyCar-Serie genutzt wurde.

Fast Facts | Portland

  • Seinen Namen verdankt Portland einem Münzwurf: Zur Diskussion stand damals neben der heutigen Bezeichnung auch "Boston". Die zwei Gründungsväter der Stadt entschieden sich, eine Münze zu werfen, um ihre Siedlung zu benennen.
  • Die Formel E setzt sich für eine Verbesserung des Klimas ein. Dazu gehört auch die Ernährung von Menschen. Da passt es gut, dass das Forbes-Magazin Portland 2020 zur besten US-amerikanischen Stadt für Vegetarier:innen und Veganer:innen kürte.
  • Der Mills-Ends-Park in Portland ist seit 1971 offiziell der kleinste Park der Erde. Er befindet sich auf einer Verkehrsinsel im Stadtzentrum und hat einen Durchmesser von gerade mal 61 Zentimetern.
  • Die Portlandia-Statue, die eine auf einem Sockel kauernde, im antiken Stil gekleidete Frau abbildet, ist die zweitgrößte Kupferplastik der USA. Einzig die Freiheitsstatue in New York, in deren Schatten die Formel E bis 2022 fuhr, ist größer.
  • Der Bundesstaat Oregon, in dem Portland liegt, trägt den Spitznamen "Biberstaat" ("Beaver State"). Die Nager können im Wasser eine Geschwindigkeit von rund 10 km/h erreichen und bräuchten für eine Formel-E-Runde in Portland somit in etwas mehr als 19 Minuten.

Wer überträgt das Formel-E-Rennen in Portland im TV & Livestream?

In Portland findet, anders als bei den verbleibenden Rennwochenenden in der Saison 2023, nur ein Rennen statt. Formel-E-Fans in Europa müssen aufgrund der großen Zeitverschiebung jedoch eine Nachtschicht einlegen: Das Rennen startet in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 2:00 Uhr.

Session Datum Wochentag Start TV/Stream Session Ende TV/Stream TV-Sender/Website
1. Freies Training 24.06.2023 Samstag 01:55 02:00-02:30 02:45 e-Formel.de
2. Freies Training 24.06.2023 Samstag 19:25 19:30-20:00 20:15 e-Formel.de
Qualifying 24.06.2023 Samstag 21:30 21:40-22:40 22:55 ran.de / discovery+
Rennen 25.06.2023 Sonntag 01:30 02:03-03:00 03:30 ProSieben / ran.de / discovery+

 
* alle Angaben in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ)

In Deutschland überträgt wie üblich ProSieben das Formel-E-Rennen aus den USA. Das Qualifying läuft in einem Stream bei ran.de. Alle Freien Trainings kannst du wie gewohnt auf der Livestream-Seite von e-Formel.de verfolgen. Außerdem zeigt Discovery+ den E-Prix in voller Länge.

In Österreich können Fans die Rennen bei ORFsport+ oder in der ORF-TVthek verfolgen. In der Schweiz läuft der E-Prix zudem bei Eurosport 1 sowie im Programm des Bezahlsenders MySports Edge.

e-Formel.de begleitet darüber hinaus alle Sessions im kostenlosen Hankook Formel E Liveticker. Dieser eignet sich auch hervorragend als Second-Screen für Zusatzinformationen, unter anderem aus dem Teamfunk oder Livetiming.

Was zeichnet die Rennstrecke in Portland aus?

Der Portland International Raceway wurde 1961 eröffnet und seither mehrfach von der IndyCar-Serie (beziehungsweise ihrem Vorgänger CART) verändert. Nach einer Corona-bedingten Unterbrechung ist die Strecke im Staat Oregon mit ihren zwölf Kurven seit 2021 wieder jährlich im IndyCar-Kalender vertreten. Im direkten Vergleich zur US-Meisterschaft nimmt die Formel E zwei Anpassungen am Layout vor: Die Winkel der Kurven 1 und 7 sollen verändert werden. Damit wächst die Streckenlänge auf 3,221 Kilometer an.

Besonders das Ende der langen Start-/Zielgerade bietet sich für die Fahrer als Überholstelle an. Aber auch Kurve 7, auf deren Außenbahn sich die Attack-Zone befinden wird, lädt zum einen oder anderen Manöver ein. Abgesehen davon sorgen die langen, buckeligen Geraden für die Möglichkeit, um im Windschatten des Vordermanns Energie zu sparen. Es könnte also abermals ein ausgesprochen taktisches Rennen werden.

Was ist seit dem letzten Rennen in Jakarta passiert?

Mahindra Racing gab die Entscheidung bekannt, eines seiner Fahrzeuge in Portland abermals mit Roberto Merhi zu besetzten. Der Spanier dürfte somit auch für die Läufe in Rom und London sehr gute Chancen haben sein, da per Reglement bei den finalen drei Veranstaltungen einer Saison eigentlich keine Fahrerwechsel mehr erlaubt sind.

Jehan Daruvala muss also noch etwas auf seinen ersten Renneinsatz warten, könnte aber im Rahmen eines Rookie-Trainings in Italien zumindest ein paar weitere Erfahrungen sammeln. Hierfür wurden bereits die ersten Teilnehmer bekannt.

Am Dienstag vor dem Portland E-Prix wird zudem mit der Veröffentlichung des Formel-E-Kalenders für 2024 gerechnet. Der FIA-Weltmotorsportrat soll den Reiseplan für das kommende Jahr im Rahmen seines vierteljährlichen Treffens beschließen. Vorgesehen sind unter anderem Rennen in Malaga und Tokio. Der Berlin E-Prix soll abermals im Mai stattfinden.

In welcher Gruppe gehen die Fahrer ins Qualifying?

In der Formel E findet die Qualifikation in zwei Abschnitten statt: Gruppenphase und K.-o.-Phase. Für das Gruppen-Qualifying wird das Fahrerfeld zunächst in zwei Hälften geteilt, wobei alle Fahrer auf den ungeraden Meisterschaftsrängen (Plätze 1, 3, 5, 7 usw.) in Gruppe A antreten, die Fahrer auf den geraden Rängen in Gruppe B.

Die jeweils vier Piloten, die nach zwölf Minuten die schnellsten Rundenzeiten in ihrer Gruppe fahren konnten, ziehen anschließend ins Viertelfinale ein, wo sie sich fortan um die besten Startplätze duellieren. Für den Portland E-Prix ergibt sich die folgende Zusammenstellung für die Qualifying-Gruppen.

Wie wird das Wetter in Portland?

Portland liegt auf einem ähnlichen Breitengrad wie Zagreb oder Genf. Entsprechend ähnlich ist das Wetter im Vergleich zu Mitteleuropa: Meteorolog:innen rechnen mit Temperaturen von angenehmen 27 Grad Celsius und trockenen Bedingungen. Insbesondere in den Morgenstunden dürfte es mit 12 Grad Celsius jedoch vergleichsweise kühl sein.

Wer sind die Favoriten?

In den USA wird kaum ein Weg an den Spitzenreitern in der Fahrer-WM vorbeiführen: Wehrlein, Dennis, Cassidy und Evans dürften abermals mit um den Sieg kämpfen. Dabei wird allerdings entscheidend sein, wie schnell sie sich auf die neuen, unbekannten Bedingungen in Portland einstellen. Fahrfehler oder Unfälle in den zwei gerade einmal 30-minütigen Trainingssessions könnten sie teuer zu stehen kommen. Auf der anderen Seite könnten sich schnelle Lerner von ihren Konkurrenten absetzen.

Weil keine Piloten auf Vorerfahrungen in Portland zurückgreifen können, bewerten die Teams und Fahrer das Kräfteverhältnis als sehr ausgeglichen. Nuancen wie ein kluger Einsatz der Attack-Modes oder das Fahren im Windschatten könnten somit den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen. Mischt man diese Umstände mit der großen Bedeutung des Portland E-Prix im Titelkampf, dürfen wir uns auf ein spannendes Wochenende in den USA freuen!

Übrigens: Auch in der Formel-E-Saison 2023 haben unsere Leser:innen eine kostenlose Community-Tippspiel-Runde organisiert. Wer mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, die ersten Tipps abzugeben oder sich neu anzumelden!

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