Formel E

"Richtige Entscheidung getroffen" - Jerome d'Ambrosio erklärt Wechsel vom Formel-E-Fahrer zum Teamchef

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Als Fahrer bestritt Jerome d'Ambrosio 68 Rennen in der Formel E. Bei Dragon und Mahindra errang der Belgier insgesamt drei Rennsiege, ehe er nach der Saison 2019/20 sein Karriereende verkündete. Der Elektroserie blieb d'Ambrosio trotzdem treu, wenn auch auf der anderen Seite der Boxenmauer: Nach einem "Lernjahr" an der Seite von Susie Wolff übernahm er vor der Saison 2022 bei Venturi die Rolle des Teamchefs - und ist glücklich mit dieser Entscheidung.

In seiner neuen Funktion betreut Jerome d'Ambrosio seine ehemaligen Formel-E-Fahrerkollegen Lucas di Grassi und Edoardo Mortara sowie einen stets wachsenden Mitarbeiter:innen-Stab. Die Einsätze des Venturi-Teams werden aus Monaco koordiniert, die Antriebsstränge bezieht der Rennstall derzeit noch von Mercedes. Ab 2023 wird Venturi als Maserati-Werksteam antreten.

D'Ambrosios Umstellung vom Fahrer zum Teamchef wurde im Paddock der Formel E mit großen Interesse verfolgt. Und auch der 36-Jährige selbst gibt im Gespräch mit 'e-Formel.de' zu: "Als ich meine aktive Karriere beendet habe, gab es zwei Dinge, die mir besonders große Sorgen bereitet haben."

"Zuerst stellte ich mir die Frage, ob ich wirklich nicht zurück ins Auto möchte, wenn ich an die Strecke reise. Und meine andere Sorge war: Kann ich noch dieselben Emotionen und dasselbe Adrenalin empfinden, wie in der Zeit, in der ich hinter dem Lenkrad saß? Die gute Nachricht ist, dass ich die Autos beim Shakedown in Saudi-Arabien auf ihrem Weg aus der Garage gesehen habe und glücklich auf 'meiner Seite' war."

"Als Edo (Mortara) dann im letzten Jahr seinen Sieg in Pubela geholt hat, war mein Gefühl genauso intensiv und angenehm wie zu der Zeit, als ich noch Rennen gewonnen habe. Vor diesen zwei Dingen hatte ich etwas Angst, aber in beiden Fällen ist es eine Bestätigung gewesen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Und auch bei allen anderen Facetten habe ich großen Spaß. Als Fahrer ist man gewissermaßen nur die Spitze des Eisbergs. Jetzt sind meine Aufgaben breiter gefächert, und ich kann in verschiedenen Bereichen meinen Beitrag leisten."

D'Ambrosio dankbar für "unglaubliche" Wolff-Unterstützung

In der Saison 2021 begleitete d'Ambrosio Susie Wolff als Co-Teamchef. Die Schottin, ihres Zeichens ebenfalls Ex-Rennfahrerin in Formel 3, DTM und Testpilotin in der Formel 1, arbeitet inzwischen in der Geschäftsführung des Teams. "Für mich war der Aufstieg zum Teamchef rasant", findet d'Ambrosio, "aber ich habe alles zusammen mit Susie erlebt."

"Ich rede auch heute noch ständig mit ihr. In den ersten Wochen und Monaten war sie immer mit mir im Büro, wir haben die Aufgaben gemeinsam erlebt. Ich bin sehr glücklich, mit ihr eine Mentorin zu haben. Sie hat mich Dinge erledigen lassen, ohne mich zu sehr ins kalte Wasser zu stoßen. Wenn ich Sachen diskutieren und brainstormen möchte oder einfach eine Frage habe, kann ich sie jederzeit erreichen. Das ist eine unglaubliche Unterstützung!"

ROKiT Venturi absolviert unter d'Ambrosios Führung die bislang beste Saison der Teamgeschichte. In der ersten Saisonhälfte sammelte der Rennstall mehr Punkte als in jeder vorausgegangenen, vollständigen Saison. Nach dem Jakarta E-Prix liegt Venturi sowohl in der Team- als auch Fahrer-WM auf Platz 3.

Vollkommen reibungslos geht in der Formel E jedoch keine Saison vonstatten. Das gilt auch für Venturi. Ausgerechnet beim Heimrennen in Monaco kollidierten in der Schlussphase des Rennens beide Fahrer miteinander. Mortara fiel kurz darauf mit einem beschädigten Fahrzeug aus. "Das ist aus einer Teamperspektive nicht akzeptabel", sagt d'Ambrosio über seine erste "Krise" als Teamboss.

Neue Prozesse nach Monaco-Zwischenfall eingeführt

"Wir mussten das als Gemeinschaft adressieren. Am Montag nach dem Rennen hatten wir ein ernstes Meeting mit den Ingenieuren und Fahrern und haben darüber diskutiert, wie es weitergeht. Nun gibt es neue Prozesse, die solche Situationen verhindern sollen. So etwas sollte kein Teil des Motorsports sein, auch wenn mir natürlich klar ist, mit welchen willensstarken Charakteren wir arbeiten. So etwas müssen wir richtig lenken, damit solche Szenen nicht wieder passieren."

Abgesehen vom Monaco-Zwischenfall ist Venturis Teamchef jedoch ausgesprochen zufrieden mit dem bisherigen Jahr. "In Sachen Performance waren wir immer in Positionen, in denen wir gute Punkte sammeln konnten. Zwar konnten wir nicht immer unsere Möglichkeiten ausnutzen, aber das ist Teil dieses Sports. Wir arbeiten daran, diese Dinge zu verstehen und uns stets zu verbessern. Es geht bergauf für das Team."

"Inzwischen starten wir eigentlich jedes Wochenende und wissen, dass wir es mit den anderen aufnehmen können. Bei einem sehr guten E-Prix kämpfen wir um Siege, und selbst wenn es nicht optimal läuft, kämpfen wir noch um die Top 6. Das ist eine gute Position, in der wir momentan sind!"

Die nächste Gelegenheit für d'Ambrosios Team bietet sich am 2. Juli beim Marrakesch E-Prix.

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