Formel E

Rowland lässt Günther bewusst vorbei & verpasst Nissan-Heimsieg knapp: "Musste etwas opfern"

Timo Pape

Timo Pape

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Es hätte die perfekte Homestory werden können: Nach seiner Pole-Position beim Nissan-Heimrennen führte Oliver Rowland das Formel-E-Debüt in Tokio lange Zeit an und hatte bis in die letzte Runde Chancen auf den Sieg. Zwischenzeitlich musste er jedoch Energie sparen und E-Prix-Sieger Max Günther vorbeilassen, wie er nach dem Rennen verriet.

Oliver Rowland war in Japan kaum zu schlagen. Nach seiner beeindruckenden Pole-Position im Qualifying sah er auch im Rennen lange Zeit wie der sichere Sieger aus und kontrollierte den Tokio E-Prix von der Spitze aus. In Runde 25 ging der Brite auf der Geraden vor Kurve 16 jedoch überraschend früh vom Strompedal und ließ Günther bewusst vorbei!

"Leider sind meine Energieziele nach dem Safety-Car signifikant gefallen, und das Rundenzeit-Delta ist sehr aggressiv hier", erklärt Rowland. "Ich habe meine Energieziele so sehr verfehlt, dass ich so nicht weitermachen konnte. Wäre ich in der Position geblieben, wäre ich wahrscheinlich noch von mehreren Fahrern geschluckt worden."

"Ich wusste, dass ich etwas opfern muss", sagt Rowland und erklärt seine Beweggründe für den Platztausch: "In der Formel E ist es aktuell so, dass der Windschatten ziemlich wirksam ist. Ich habe versucht, meine Energie zu managen." Er wollte als nah hinter Günther fahren, um später noch einmal angreifen zu können. Daraus wurde aber nichts.

"Vielleicht hätte ich mir den Windschatten etwas früher nehmen sollen"

Denn Günther machte es anschließend clever und drückte richtig auf die Tube, um auch bei seiner zweiten Attack-Mode-Aktivierung vorn bleiben zu können. "Natürlich habe ich versucht, die Führung wiederzubekommen, aber er hat eine Lücke herausfahren können, um vorn zu bleiben. Das hat er gut gemacht", lobt Rowland den Deutschen.

"Als ich dann dahinter war, lief das Auto mega gut. Dann waren es einfach die typischen Formel-E-Strategiespielchen. Ich war einfach nicht mehr zur rechten Zeit am rechten Ort", beschreibt Rowland. In der letzten Runde wagte er noch mehrere Angriffe und biss sich die Zähne aus an Günthers Maserati, fand aber keinen Weg mehr vorbei.

"Das war so eine Situation, bei der du dich im Nachhinein fragst, ob du alles noch mal genauso machen würdest", zeigt sich Rowland selbstkritisch. "Vielleicht hätte ich mir den Windschatten etwas früher nehmen sollen. Aber ich denke, wir haben unser Maximum herausgeholt."

"Ich denke, die Bosse werden zufrieden sein"

So spricht Rowland nach seinem dritten Podiumsbesuch in Folge von einem "guten Ergebnis", wenngleich der erste Gen3-Sieg für Nissan weiter auf sich warten lässt. "Wenn mir vorher jemand Platz 2 angeboten hätte, hätte ich ihm die Hand weggeschnappt. Ich bin nur ein bisschen enttäuscht, dass ich nicht gewonnen habe."

"Aber ich muss dankbar sein", räumt Rowland ein. "Ich habe ein fantastisches Auto und drei Podien in Folge geholt. Hätte man mir das zu Saisonbeginn angeboten, hätte ich es auf jeden Fall genommen. Das Team war damals eigentlich gerade im Aufbau, und jetzt haben wir ein echt gutes Paket und eines der besten Autos."

So beschließt Rowland eine ganz spezielle Woche für Nissan mit einer starken Ausbeute von insgesamt 21 Punkten (plus einen weiteren durch Teamkollege Sacha Fenestraz). "Ich denke, die Bosse werden zufrieden sein mit dem, was sie gesehen haben. Wir hätten uns kaum mehr wünschen können."

"Es war schon etwas Besonderes mit den Leuten hier in der Box und der Erwartungshaltung. Der Support von Nissan war unglaublich. Es war eine krasse Woche - jetzt werde ich erst mal ein paar Tage schlafen", so Rowland.

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