Formel E

Rückschlag für WM-Favoriten in Sanya: Evans, Mortara, Rowland & Wehrlein bleiben ohne Punkte

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Trotz sehr unterschiedlicher Ausgangslagen hat der chaotische Sanya E-Prix am Ende keinen Einfluss auf die Entscheidung der Fahrerweltmeisterschaft in der Formel E genommen. Keiner der vier Meisterschaftsführenden schaffte es, beim letzten "Single-Header" der Saison auch nur einen einzigen Meisterschaftspunkt mitzunehmen. Die einzelnen Gründe können jedoch unterschiedlicher kaum sein.

Evans: "Ein Tag der verpassten Chancen"

WM-Spitzenreiter Mitch Evans hatte sich mit Startplatz 3 die beste Ausgangslage aller Top-Fahrer gesichert. Nachdem er sich in der ersten Rennhalbzeit etwas zurückgehalten hatte, wollte er seinen Energievorteil nutzen. Dazu kam es jedoch nicht: Zunächst fuhr ihm Dan Ticktum ins Heck, kurz darauf in Runde 19 verkeilte er sich mit Zane Maloney beim Überholversuch in der Haarnadelkurve und löste so die Rennunterbrechung aus. Hier reparierten die Jaguar-Mechaniker die beschädigte Hinterradaufhängung an Evans' Boliden und wechselten die Hinterreifen, die beim Crash mit Ticktum ebenfalls beschädigt wurden.

Als der Neuseeländer zum Restart herausfahren wollte, legte die FIA jedoch ihr Veto ein: Auch der Heckflügel am Jaguar musste getauscht werden. Obwohl die Mechaniker dies in Rekordzeit bewältigten, verpasste Evans den Neustart und fuhr dem Feld mit einer Runde Rückstand hinterher. In der letzten Runde gab er das Rennen schließlich auf und fuhr in die Boxengasse.

"Heute war ein Tag der verpassten Chancen", so Evans nach dem Rennen. "Wir haben uns gut qualifiziert, und ich hatte einen starken Start ins Rennen, bevor ich von hinten gerammt wurde. Die rote Flagge gab dem Team die Gelegenheit, den Schaden zu beheben, und sie haben hervorragende Arbeit geleistet, um das Auto für den Neustart startklar zu machen. Aber durch den Start aus der Boxengasse hatte ich eine Runde Rückstand. Wir hatten uns in eine Position gebracht, um um den Sieg zu kämpfen, hatten noch sechs Minuten Attack-Mode übrig und lagen energieeffizient gut im Rennen, daher schmerzt das umso mehr."

Mortara: "Wir haben erneut bewiesen, dass wir konkurrenzfähig sind"

Edoardo Mortara hatte sich nach starken Leistungen in den Freien Trainings nur im Mittelfeld qualifiziert. Von Startplatz 11 aus hatte sich der Schweizer mit dem Attack-Mode kurz vor Rennhalbzeit sogar in Führung geschoben, bei einem der unzähligen Zweikämpfe jedoch seinen Frontflügel beschädigt.

Auch die Mahindra-Mannschaft nutzte die Rennunterbrechung zur Reparatur und montierte einen neuen Frontflügel, weshalb Mortara ans Ende des Feldes zurück musste. Sein Rennen war nach dem Neustart jedoch nur sehr kurz: Ein Trümmerteil traf den Notaus-Schalter am Mahindra-Boliden, worauf der Feuerlöscher ausgelöst wurde und das Fahrzeug sich komplett abschaltete.

"Nach dem freien Training sah es eigentlich ganz gut aus, doch dann entwickelte sich die Situation im Qualifying und im Rennen in die falsche Richtung", sagte Mortara. "Das Qualifying verlief aus irgendeinem Grund nicht nach unseren Vorstellungen, und wir starteten aus dem Mittelfeld. Leider kam es zu einer Berührung, die unseren Frontflügel beschädigte, und das Rennen endete mit einem technischen Problem mit dem Feuerlöscher, der sich von selbst auslöste. Es war nicht gerade ein Glückstag, aber wir haben erneut bewiesen, dass wir ziemlich konkurrenzfähig sind, wenn wir das Auto richtig einstellen."

Rowland: "Ich ärgere mich selbst deswegen"

Oliver Rowland, Dritter der Fahrerweltmeisterschaft, hingegen sah lange Zeit wie ein sicherer Kandidat für eine Top-Platzierung aus. Der Brite hatte in der ersten Rennhälfte viel Energie gespart und nutzte nach dem Neustart seinen Attack-Mode für den Sprung an die Spitze. Er führte das Rennen in der Schlussphase sogar einige Zeit an, verlor dabei jedoch seinen Energievorteil.

Drei Runden vor Schluss übertrieb es der amtierende Weltmeister jedoch im Kampf um Platz 4 beim Angriff auf Pascal Wehrlein: Er verbremste sich in Kurve 4 und rutschte geradeaus in die TecPro-Barriere. Das Rennen war für Rowland somit beendet.

"Das Qualifying verlief enttäuschend, und es fiel mir schwer, auf Tempo zu kommen, aber im Rennen konnten wir uns eine gute Ausgangsposition sichern", erklärte Rowland nach dem Rennen. "Die Strategie war richtig gewählt; beim Neustart habe ich vielleicht etwas zu viel Energie verbraucht, aber wir lagen trotzdem gut im Rennen. Leider führte ein Fehler meinerseits dazu, dass ich in die Mauer prallte, was unser Rennen vorzeitig beendete. Ich ärgere mich selbst deswegen, aber wir müssen weiterarbeiten und aus dem heutigen Tag lernen, bevor es nach Shanghai geht."

Wehrlein: "Habe alles gegeben, aber es hat nicht gereicht"

Pascal Wehrlein hatte hingegen schon im Freien Training gezeigt, dass er auf eine Runde in Sanya extrem schnell war. Ein Fahrfehler im Duell mit Jake Dennis ließ jedoch die Träume von einer weiteren Pole-Position früh platzen, sodass der Deutsche das Rennen von Startplatz 7 in Angriff nehmen musste. Im Rennen lag Wehrlein dann konstant in der Spitzengruppe und hatte sich als einziger Fahrer sechs Minuten Attack-Mode für die Schlussphase aufgehoben.

Nach dem Neustart kollidierte er jedoch mit Norman Nato, die Rennkommissare sprachen im Anschluss eine Zeitstrafe von fünf Sekunden gegen den Porsche-Fahrer aus. Da das gesamte Feld sehr eng beisammen lag, verlor Wehrlein durch diese Zeitstrafe acht Positionen und wurde nur auf Rang 14 gewertet.

"Bis zur Rennunterbrechung sah es sehr vielversprechend aus", so Wehrlein nach dem Rennen. "Wir waren in einer starken Position und hatten gute Chancen auf einen Podestplatz, vielleicht sogar auf den Sieg. Nach dem Neustart lief es dann nicht mehr. Die Kollision und die Strafe haben das Rennen für uns sehr schwierig gemacht. Ich habe heute alles gegeben und hart gepusht, um das Maximum herauszuholen, aber es hat nicht gereicht. Jetzt richten wir den Fokus auf die letzten sechs Saisonrennen. Das Wochenende hat gezeigt, dass das Auto schnell war und die Ausgangslage gestimmt hat."

In der Fahrerwertung der Formel-E-Weltmeisterschaft ist die Ausgangslage nach dem Sanya E-Prix somit unverändert. Während das Quartett an der Spitze keine Punkte sammeln konnte, verkürzten Jake Dennis, Antonio Felix da Costa und Nico Müller auf den Plätzen 5 bis 7 ihren Rückstand auf die WM-Führenden.

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