Formel E

Sacha Fenestraz & Renningenieur resümieren 1. gemeinsame Formel-E-Saison: "Gefühl des Fahrers ist wertvoller als alle Daten"

Svenja König

Svenja König

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Auch wenn sie häufig nicht im Vordergrund der Medienöffentlichkeit stehen, sind sowohl die Crews an der Strecke als auch im Werk genauso entscheidend für den Erfolg im Rennen wie Fahrer oder Fahrerin. Ein wichtiger Teil davon sind die Renningenieur:innen. Sie sind erster Ansprechpartner für die Fahrer bei der Abstimmung des Fahrzeugs, der Festlegung der Strategie oder Optimierung der Fahrweise. Das Zauberwort ist Kommunikation, wie ein Gespann bei Formel-E-Team von Nissan zeigt.

"Die wichtigsten Dinge sind Kommunikation und Ehrlichkeit", sagt Johann Aime, Renningenieur von Sacha Fenestraz bei Nissan. "Denn wenn du nicht ehrlich bist, ist Kommunikation sinnlos. Wir müssen über die guten und schlechten Dinge reden, uns zuhören und wirklich aufnehmen, was der andere sagt, um uns gemeinsam zu verbessern." Gleichzeitig sei es ausschlaggebend, alles so zu gestalten, dass der Umgang mit dem Auto für den Fahrer so komfortabel wie möglich ist. Denn Aime weiß: "Das Gefühl des Fahrers ist wertvoller als alle Daten, die wir haben."

An dieser Basis haben die beiden im Verlauf der neunten Formel-E-Saison intensiv gearbeitet, denn beide sind erst im Dezember 2022 zum Team gestoßen. Ihre erste gemeinsame Session war dementsprechend bei den Vorsaison-Testfahrten in Valencia. "Ich wusste vorher nicht, dass es Johann wird", erinnert sich Fenestraz. "Der Test verlief richtig gut, aber er hat nicht wirklich auf seinen Laptop geschaut, was mich etwas verwirrt hat."

Erst später habe der Franco-Argentinier erfahren, dass der Laptop seines neuen Ingenieurs nicht richtig funktioniert habe, und Aime kaum Zugriff auf die Daten hatte: "Ich war selbst erst eine Woche beim Team, aber ich habe alles andere versucht, um Sacha bestmöglich zu unterstützen. Es war eine gute Woche, und wir haben gelernt, zusammenzuarbeiten und von Anfang an eine sehr starke Verbindung aufgebaut."

 
 
 
 
 
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"Ich habe am Funk so laut geschrien, dass Johann zum Arzt musste"

Gemeinsam sind sie in dieser Saison gewachsen und haben Fuß gefasst in der Formel E. Dazu zählen Highlights wie eine Pole in Kapstadt und eine Beinahe-Pole in Monaco, aber auch herausfordernde Tage wie am Rennsonntag in Südafrika, als Fenestraz das Podium in der letzten Runde durch einen Fehler verlor, oder als er in Hyderabad aus dem Rennen genommen wurde. "Die beste Geschichte dazu ist, dass ich da so laut am Funk geschrien habe, dass Johann danach zum Arzt musste, weil seine Ohren nicht in Ordnung waren." Der Doktor diagnostizierte bei Aime Wasser im Ohr aufgrund des Funkausrasters.

Vor allem kann das Duo aber auf den Fortschritt zurückblicken, den es zusammen geschafft hat. Noch in Mexiko war sowohl im Auto als auch an der Box Chaos ausgebrochen: "Wenn du einen Rookie-Fahrer und Rookie-Ingenieur hast, ist das immer eine Herausforderung. Jeder hat mir gesagt, dass Sacha weniger Energie verbrauchen muss. Als ich ihm das gesagt habe, hat er gefragt, wie er das machen soll. Das war sehr schwierig, weil wir beide noch gelernt haben. Man sagt immer, dass man etwa eine halbe Saison braucht, um sich gut zu verstehen."

Um die Kommunikationsprozesse zu verbessern, haben sich beide immer wieder die Aufnahmen des Teamfunks angehört und die Situationen analysiert. Nur so hätten sie gelernt, in einem komplexen Umfeld wie der Formel E richtig miteinander zu sprechen. "Wir waren nicht perfekt, aber wir haben schnell dazugelernt. Ab Hyderabad hat es bei uns gut geklappt", so Aime.

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Ziel für Saison 10: "Ein Sieg"

Darauf wollen sie 2023/24 weiter aufbauen. "Wir haben viel Arbeit in der Off-season", sagt Fenestraz. "Wir hatten viele Double-Header und damit viele Daten, die wir analysieren müssen. Das Energie-Management werden wir uns beispielsweise zusammen anschauen." Außerdem liege der Fokus auf Konstanz. In der vergangenen Saison habe man zu Beginn stark von Fenestraz' Pace über eine Runde profitieren können. Allerdings habe sich das Gespann insbesondere nach dem Wochenende in Kapstadt nicht wie erhofft weiterentwickelt.

"Wir wissen, dass Sacha sehr gute Qualifying-Resultate und Pole-Positions liefern kann", reflektiert der Ingenieur. "Mit mehr Erfahrung in den Rennen werden wir unseren Flow finden, und gute Ergebnisse werden kommen. Das Ziel für Saison 10 ist ein Sieg." Ein wichtiger Grundstein dafür kann bereits bei den Vorsaison-Testfahrten in Valencia Ende Oktober gelegt werden - diesmal mit deutlich mehr Erfahrung.

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