Formel E

Saison 4: Der Zeitplan der Fahrzeug-Homologation

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Die Homologation (gr.: homologein - "übereinstimmen") der Formel-E-Fahrzeuge gilt als letzte große Hürde vor den offiziellen Testfahrten im Herbst. Im Zuge dieses Verfahrens nimmt die FIA die Autos jedes Herstellers ab, testet alle Einzelteile auf ihre Robustheit und prüft, inwiefern die entwickelten Antriebsstränge mit dem technischen Regelwerk übereinstimmen. Schon bei kleinsten Bedenken erteilt die FIA keine Starterlaubnis - wie einst beim Team Trulli.

Auch wenn der Start zur vierten Saison erst im Dezember erwartet wird, ist die Prozedur der Homologation seit Februar in vollem Gange. Zum 1. März begann Phase zwei des Verfahrens, das bis Anfang August laufen wird.

Zeitplan der Fahrzeughomologation

1. Februar: Deadline für das Einsenden des Homologations-Antrags
Die erste Phase bezieht sich auf das Einreichen eines standardisierten FIA-Antrags. Der Hersteller muss sich dabei schon auf die Marke, den Modelltypen und die Namen für Elektromotor sowie Batterie festlegen. Der Antrag wird übrigens unterschrieben und abgestempelt und anschließend per Mail an die FIA gesendet.

1. März: Vorstellung des Projekts gegenüber einem FIA-Mitarbeiter
Das Auto und der Antriebsstrang werden in einem "spezifischen Meeting" mit der FIA diskutiert. Der Mitarbeiter, meistens ein technischer Delegierter der Formel E, gibt anschließend sein grünes Licht zum "Projekt Saison 4".

1. April: Einladung zu den Crashtests
Die FIA versendet ein Dokument mit Informationen und den Rahmenbedingungen für die Crashtests. Jedes Einzelteil eines Formel-E-Autos muss ab einem bestimmten Druck nachgeben, um den Fahrer bei einem Unfall zu schützen. Die Werte entsprechen denen der Formel 1: Ein Formel-E-Frontflügel muss also genauso stabil sein wie ein Formel-1-Flügel.

1. Mai: Bestätigung des Homologations-Formulars
Die Teams präsentieren der FIA ihr Homologations-Formular mit Skizzen, die die Umsetzung der bei vorigen Treffen besprochenen Bedingungen nahelegen. Stimmt die FIA dem Formular zu, gibt es endgültig grünes Licht für die Crashtests.

1. Juni: Crashtests
Die FIA testet unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Crashstrukturen (z.B. die Fahrzeugnase) und die Batterie. Bei kleinsten Bedenken muss das Team nachbessern und zu einem Nachtest. Entspricht das Auto hingegen den FIA-Bedingungen, segnet ein technischer Delegierter das Homologations-Formular ab.

1. Juli: Zweitinspektion des Homologations-Antrags
Die Homologations-Anträge werden endgültig eingezogen und überprüft. Einen Stempel für Crashtests nach diesem Datum zu bekommen, ist nicht mehr möglich - es gibt also kein Zurück mehr. Das Auto bleibt für Saison vier ab jetzt so, wie es ist.

1. August: Bestätigung des Antrags
Ist der Antrag einwandfrei, so werden die unterschriebenen Formulare spätestens ab dem 1. August wieder an die Teams versendet. Die Rennställe haben damit auf technischer Seite grünes Licht für die anstehende Saison.

Testfahrten bis in den September

Innerhalb von zwei Wochen - bis zum 15. August also - müssen die Hersteller dann mindestens ein Fahrzeug an ihre Kundenteams ausgeliefert haben. Meistens haben die Teams zu diesem Zeitpunkt aber schon hunderte Testkilometer mit dem Auto gesammelt, schließlich kann jeder Hersteller seit dem 1. Januar insgesamt 15 geheime Testtage absolvieren - auch mit einem nicht-homologierten Auto. Da Renault gleich zwei Teams (e.dams und Techeetah) mit seinen Antriebssträngen beliefert, dürfen die Franzosen sogar satte 22 Tage testen.

Ende der privaten Testperiode ist am 1. September. Anschließend erlaubt die FIA nur noch drei sogenannte "Promotion-Events", bei denen die Teams maximal 50 Kilometer pro Tag abspulen können. Diese Promotion-Veranstaltungen können sowohl Film- als auch Werbetage für Sponsoren und Partner dienen.

Die vergleichsweise späte Homologation legt einen Auftakt der offiziellen Testfahrten erst im Oktober und nicht wie gehabt im späten August nahe. Kürzlich berichtete 'Motorsport.com' zudem davon, dass die Kollektivtests nicht mehr im britischen Donington Park, sondern womöglich in Valencia in Spanien stattfinden könnten. Während wir noch immer auf den Rennkalender für Saison vier warten (ein erster Entwurf wird im späten März erwartet), scheint es immer wahrscheinlicher, dass die nächste Formel-E-Saison erst Ende November oder Anfang Dezember starten wird.

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