Formel E

Saisonstart in der Wüste: Die große Formel-E-Vorschau zum Diriyya E-Prix

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Es ist soweit: Die Formel E ist zurück aus ihrer Sommerpause! Nach fünf langen Monaten geht die FIA-Elektroserie am kommenden Wochenende wieder auf die Rennstrecke. Mit im Gepäck: Neue Fahrer, ein komplett neues Team, ein überarbeitetes Rennformat und das neue futuristische Gen2-Fahrzeugmodell. Noch immer sind mehrere Fragen offen: Wie sind die Karten vor dem neuen Rennjahr gemischt? Kann Audi erneut um die Spitze kämpfen? Und wie stehen die Chancen für den amtierenden Formel-E-Champion Jean-Eric Vergne? Und was macht BMW?

In unserer großen e-Formel.de Rennvorschau erfährst du - wie schon in den vergangenen Jahren jeweils am Mittwoch vor dem Rennwochenende - alles, was du vor dem mit Spannung erwarteten Saisonauftakt in Diriyya wissen musst.

Stadt, Land, Fluss…

Diriyya, ein Vorort der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, gilt als Wiege des modernen Saudi-Arabiens. Unter einflussreichen Herrschern stieg die 30.000-Einwohner-Stadt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Machtzentrum des ersten Saudi-Staates auf und überstrahlte gar die heutige Hauptstadt Riad. Nach einer Belagerung durch die Osmanen im Jahr 1818 wurde Diriyya jedoch beinahe vollständig zerstört.

Weite Teile der historischen Altstadt werden noch heute restauriert. Der Stadtteil At-Turaif gehört seit 2010 zudem zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit dem Aufbau des "modernen Diriyya", in dem am Wochenende die Formel E gastiert, wurde erst in den 1970er-Jahren wurde begonnen.

Was in der Sommerpause passierte

Die offensichtlichste Änderung für die neue Formel-E-Saison ist ohne Frage das neue Fahrzeugmodell, das vor zwei Monaten im spanischen Valencia seine Premiere auf der Rennstrecke feierte. Mit einem neuen Chassis, leistungsstärkeren Motoren (250 statt 200 kW) und größeren Batterien (52 statt 28 kWh) startet die E-Serie gewissermaßen in ihre zweite Generation.

Hinzu kommt das überarbeitete Rennformat. Fortan werden die Formel-E-Rennen nicht mehr über eine gewisse Rundenanzahl definiert, sondern 45 Minuten plus eine Runde dauern. Darüber hinaus fällt der bislang verpflichtende Boxenstopp zur Rennhalbzeit weg - dank der verbesserten Akkus, die nun ein ganzes Rennen durchhalten. Neu ist außerdem der sogenannte Attack-Mode: Nach dem Durchfahren einer Aktivierungszone abseits der Ideallinie erhalten die Fahrer für eine bestimmte Zeit zusätzliche 25 kW Leistung. Diverse Strategieoptionen ergeben sich.

Und auch auf den Nennlisten der Formel E gibt es einige Neuzugänge, an erster Stelle selbstverständlich das deutsche Team HWA, für das mit DTM-Champion Gary Paffett und Ex-Formel-1-Pilot Stoffel Vandoorne gleich zwei Rookies antreten. HWA erweitert die Startaufstellung der Serie um zwei Autos: Fortan werden elf Teams und 22 Fahrer an den E-Prix teilnehmen. Ebenfalls neu im Formel-E-Fahrerlager: Felipe Massa (Venturi), Alexander Sims (BMW) und Maximilian Günther (Dragon). Außerdem feiern in Diriyya mit Oliver Rowland (e.dams) und Robin Frijns (Virgin) gleich zwei Fahrer ihr Formel-E-Comeback.

Zeitplan 2018 (alle Zeiten in MEZ)

05:00 - 05:45 Uhr - 1. Freies Training
07:05 - 07:35 Uhr - 2. Freies Training
08:50 - 09:50 Uhr - Qualifying
13:05 - 13:50 Uhr - Rennen (45 min + 1 Rnd)

Strecke

Der Straßenkurs von Diriyya ist keine übliche Formel-E-Rennstrecke. Ganze 21 Kurven lauern in Saudi-Arabien auf die Piloten - so viele wie auf noch keiner anderen Piste zuvor. Besonders der erste Sektor könnte sich als anspruchsvoll herausstellen. Die engen und geschwungenen S-Kurven fordern Können im Umgang mit dem Strompedal und erinnern an den charakteristischen ersten Teil der Formel-1-Strecke von Suzuka.

Die beste Überholmöglichkeit bietet wohl die 90-Grad-Rechtskurve (Kurve 18), die am Ende einer langen Geraden liegt. Auf jener Geraden befindet sich außerdem die Attack-Mode-Aktivierungszone.

Die Formel E im TV bei Eurosport & Live-Stream im ZDF

Wie in den letzten Jahren bleibt der Privatsender Eurosport der reguläre Formel-E-Fernsehpartner für Deutschland. Während die beiden Freien Trainings voraussichtlich wie gewohnt über die Videoplattform YouTube oder den (kostenpflichtigen) Eurosport Player live zu verfolgen sind, überträgt Eurosport 1 ab 9:00 Uhr das Qualifying des Diriyya E-Prix im Free-TV. Um 12 Uhr folgt eine Wiederholung der Qualifikation, ehe der Sportsender ab 13 Uhr auch das Rennen live und in voller Länge ausstrahlt.

Für den E-Prix in Saudi-Arabien bietet zudem das ZDF einen kostenlosen Online-Live-Stream an. Zehn Minuten vor Rennstart beginnt die Übertragung, durch das Rennen führt Gari Paubandt. >> ZDF-Stream zur Formel E.

Solltest du am Samstag bereits verplant oder unterwegs sein, kannst du alle Sessions natürlich auch in unserem exklusiven Formel-E-Live-Ticker verfolgen. Wir sind für dich live in Saudi-Arabien vor Ort und berichten das ganze Wochenende aus erster Hand für dich. Auch über unseren hauseigenen Formel-E-WhatsApp-Service verpasst du nichts aus Diriyya: Melde dich heute noch an!

Wetter

Während das Thermometer in den Sommermonaten in Diriyya gut und gern auf über 50 Grad Celsius klettern kann, bleiben die Temperaturen am kommenden Wochenende eher gemäßigt. Saudi-Arabien begrüßt die Formel E voraussichtlich mit 23 Grad und mit einem Mix aus Sonne und Wolken. Untypischerweise für Diriyya könnte es in den Morgenstunden gar einige Regentropfen geben. Als besonders tückisch könnten sich zudem einzelne Windböen entpuppen, die Sand aus der umgebenden Wüste auf den Kurs wehen könnten. Meteorologen erwarten derzeit Windgeschwindigkeiten von bis zu 33 km/h in der Spitze.

(Fun)-Facts

  • Bei einem traditionellen saudischen Kamelrennen um den Formel-E-Kurs bräuchte ein mittelschnelles Kamel etwa 3:44.5 Minuten für eine Umrundung der Rennstrecke.
  • Der saudi-arabische Prinz Abdulaziz Turki Al-Faisal, der auch für die Organisation des Diriyya E-Prix verantwortlich ist, ist seines Zeichens selbst Rennfahrer. Seit 2011 nahm er an insgesamt sechs Ausgaben des 24-Stunden-Rennens von Le Mans teil.
  • Um den Diriyya-Kurs fünf Zentimeter tief mit Sand zu bedecken, bräuchte man 62.375.000.000 einzelne Sandkörner.
  • Nico Prost wird wohl auch nach dem Diriyya E-Prix den Rekord für die meisten Rennrunden in der Formel E halten. Der Franzose, der in der neuen Saison nicht mehr antreten wird, führt die ewige Rundenliste weiterhin mit 1.721 gefahrenen Rennrunden an. Der nächstbeste Fahrer, Lucas di Grassi (Audi), liegt 48 Runden dahinter.
  • Im Mittelfeld zeichnet sich indes ein Kampf in der ewigen Punkteliste ab: Nelson Piquet jr. (Jaguar) und Jerome d'Ambrosio (Mahindra) liegen punktgleich mit 236 Zählern auf Rang 7.

Tobis Prognose

Nach den Pre-Season-Testfahrten der Formel E in Valencia gilt wohl ohne Frage das BMW-Werksteam als scheinbarer Favorit für die neue Saison. Jedes einzelne der insgesamt sechs Zeitfahren in Spanien entschieden die Münchener für sich. Dennoch würde ich nicht mein letztes Hemd auf BMW verwetten.

Schließlich ist - und ich werde nicht müde, das Mantra auf ein Neues zu wiederholen - Valencia bei Weitem keine repräsentative Strecke für die tatsächliche Performance eines Formel-E-Fahrzeugs. Einmal ganz abgesehen davon, dass wir unmöglich abschätzen können, welche Testprogramme die einzelnen Teams zu welchem Zeitpunkt fuhren, ist auch die Streckenbeschaffenheit der spanischen Strecke das regelrechte Gegenstück zu den Straßenkursen, denen sich die Formel E üblicherweise bedient.

Erst nach der Qualifikation von Diriyya werden wir also grob einschätzen können, wie stark die neuen Antriebe von BMW, Audi, DS und Co. tatsächlich sind. Sicherlich lohnt es sich, ein Auge auf BMW zu werfen - das Team als eindeutigen Favoriten einzustufen, wäre meiner Meinung nach allerdings falsch.

Reminder: e-Formel.de bietet auch in der Saison 2018/19 ein Tippspiel zur Formel E an. Wer bei unserer kostenlosen Community-Tippspiel-Runde mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, seine Tipps abzugeben oder sich gegebenenfalls neu anzumelden.

Trailer: "BATTLE SCARS: The 2018/19 Season Is Coming!"

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