Sanya E-Prix: Die XXL-Vorschau zum Rennen im Südchinesischen Meer
Theresa König
FIA Formula E
Nach einer mehrjährigen, pandemiebedingten Zwangspause feiert der Sanya E-Prix in Saison 12 sein Comeback im Rennkalender der Formel E. Beim bislang letzten Gastspiel in der chinesischen Küstenmetropole waren die Piloten noch in der Gen2-Ära unterwegs - beim Comeback feiert nun die Gen3-Evo-Generation ihre Premiere auf dem spektakulären Straßenkurs.
Premiere für den Gen3 Evo am Südchinesischen Meer
Zuletzt gastierte die Elektro-Weltmeisterschaft im März 2019 (Saison 5) in Sanya - vor mehr als sieben Jahren. Die nachfolgenden Ausgaben mussten aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie und strenger Einreisebestimmungen ersatzlos gestrichen werden. Wenn die Ampeln in der kommenden Saison wieder auf Grün schalten, wartet auf die Teams eine völlig neue technische Herausforderung: Erstmals werden die neuen, allradgetriebenen Gen3-Evo-Boliden den Kurs am Südchinesischen Meer unter die Räder nehmen.
Wo genau findet das Formel-E-Rennen statt?
Die Urlaubsmetropole Sanya liegt an der südlichsten Spitze der tropischen Insel Hainan und gilt als eines der populärsten Touristenziele des Landes. Wegen der kilometerlangen Sandstrände, der von Palmen gesäumten Küstenlinien und des konstant warmen Wetters wird die Region im Volksmund häufig auch als das "Hawaii Chinas" bezeichnet.
Für die Fahrer und die Kühlung der Einheitsbatterien dürfte das Event allerdings zu einer echten Hitzeschlacht werden: Mit durchschnittlichen Temperaturen zwischen 23 und 32 Grad Celsius herrscht in Sanya ein feucht-tropisches Klima, das Mensch und Maschine an die Belastungsgrenze bringen wird.
Fast Stats: Sanya E-Prix
- 2.646 Tage oder 7 Jahre, 2 Monate und 28 Tage nach dem Sanya E-Prix 2019 kehrt die Formel E auf den Kurs zurück. Es ist die längste Unterbrechung, die zwischen zwei Rennen auf demselben Kurs in der Elektroserie gelegen haben.
- Nur acht der aktuellen Stammfahrer der Rennserie waren bereits im März 2019 dabei, als erstmals der Sanya E-Prix ausgetragen wurde. Jaguar ist dabei das einzige Team, bei dem beide Fahrer bereits auf der Rennstrecke gefahren sind. Hingegen hat bei Andretti, Cupra Kiro und DS Penske keiner der beiden Stammfahrer bereits Erfahrung auf dem Kurs sammeln können.
- 2019 erzielte Oliver Rowland in Sanya nicht nur seine erste Pole-Position in der Formel E, sondern er holte auch das erste Podium für den damals neuen Hersteller Nissan.
- Mit dem Sieg in Sanya 2019 brachte sich der amtierende Champion Jean-Eric Vergne wieder in den Kampf um den Fahrertitel, den er am Saisonende auch gewinnen sollte.
- Der Sanya E-Prix 2019 bedeutete das letzte Formel-E-Rennen für zwei Brasilianer: Nelson Piquet jr. verlor nach dem Rennen sein Jaguar-Cockpit an Alex Lynn, Felipe Nasr gab nach nur drei Rennen bei Dragon Racing sein Stammcockpit wieder an den Ersatzfahrer des Teams ab - an Maximilian Günther.
TV & Livestream: Wo läuft der Sanya E-Prix?
Der Sanya E-Prix ist ein Einzelrennen und findet am Samstag, den 20. Juni 2026 statt. Das Rennwochenende startet mit dem 1. Freien Training am Freitag um 10:30 Uhr. Weiter geht es am Samstag um 2:30 Uhr mit dem 2. Freien Training, bevor um 4:40 Uhr das Qualifying ansteht. Rennstart ist um 09:05 Uhr.
DF1 überträgt in der Saison 2025/26 das Rennen in Sanya live im TV und Livestream. In der Schweiz sendet Blue Sport im Free-TV. In Österreich sind die Rennen live bei Krone TV im FreeTV zu sehen. Das Qualifying in Sanya wird ebenfalls von DF1 live übertragen. Für die Freien Trainings bietet e-Formel.de wie gewohnt englischsprachige Livestreams an. Im Pay-TV zeigt Eurosport 2 die Rennen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, dazu laufen sie auch auf den Streaming-Diensten Discovery+ und HBO Max.
Zusätzlich kannst du - wie immer - alle Sessions des Rennwochenendes in unserem beliebten Formel-E-Liveticker verfolgen.
| Session | Datum | Wochentag | Start TV/Stream | Session | Ende TV/Stream | TV-Sender/Website |
| 1. Freies Training | 19.06.2026 | Freitag | 10:30 | 10:30-11:00 | 11:10 | e-Formel.de |
| 2. Freies Training | 20.06.2026 | Samstag | 02:30 | 02:30-03:00 | 03:10 | e-Formel.de |
| Qualifying | 20.06.2026 | Samstag | 04:35 | 04:40-05:45 | 11:55 | DF1 / df1.de |
| Rennen | 20.06.2026 | Samstag | 08:35 | 09:05-10:00 | 10:30 | DF1 / df1.de |
alle Angaben in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ)
Was macht die Strecke in Sanya so besonders?
Das Layout des temporären Straßenkurses in der malerischen Haitang-Bucht stellt die Piloten vor eine fahrerische und strategische Herausforderung. Charakteristisch für die Strecke ist der extreme Kontrast zwischen langen High-Speed-Passagen und engen Haarnadelkurven. Diese klassische "Stop-and-Go"-Charakteristik sorgt zwar für harte Anbremszonen und entsprechend gute Überholmöglichkeiten, verlangt von den Ingenieuren und Fahrern jedoch auch ein feinfühliges Energiemanagement. Insbesondere die effiziente Energierückgewinnung über die Vorder- und Hinterachse wird hier rennentscheidend sein.
Zusätzliche Varianz bringt der wechselnde Straßenbelag ins Spiel, der das Gripniveau unvorhersehbar macht und absolute Präzision am Lenkrad erfordert. Da die Strecke von unnachgiebigen Betonmauern und Leitplanken begrenzt wird, bestraft der Kurs selbst auf den schnellen Abschnitten den geringsten Fahrfehler. Umgeben von tropischen Palmen und Luxusresorts bietet Sanya somit eine ebenso malerische wie erbarmungslose Kulisse für die Elektro-Weltmeisterschaft.
Strecken-Update für die Gen3-Ära
Um den gestiegenen Leistungsdaten der aktuellen Fahrzeuggeneration gerecht zu werden, wurde der Kurs im Vergleich zum bislang letzten Gastspiel in Saison 5 modifiziert. Die Streckenplaner haben das Layout an die Anforderungen der deutlich schnelleren Gen3-Evo-Boliden angepasst. Durch die Anpassungen ist der Rundkurs nun um einige Meter länger, was auch die strategischen Berechnungen für die Renndistanz maßgeblich beeinflussen dürfte.
In welcher Reihenfolge gehen die Fahrer ins Qualifying?
In der Formel E findet die Qualifikation in zwei Abschnitten statt: Gruppenphase und Duellphase. Für das Gruppen-Qualifying wird das Fahrerfeld zunächst in zwei Hälften geteilt, wobei alle Fahrer auf den ungeraden Meisterschaftsrängen (Plätze 1, 3, 5, 7 usw.) in Gruppe A antreten, die Fahrer auf den geraden Rängen in Gruppe B.
Die jeweils vier Piloten, die nach zehn Minuten die schnellsten Rundenzeiten in ihrer Gruppe fahren konnten, ziehen anschließend ins Viertelfinale ein, wo sie sich fortan um die besten Startplätze duellieren. Für das Rennen in Madrid ergeben sich somit folgende Gruppen.
Wettervorhersage: Schwüle und Regenrisiko zum Trainingsauftakt
Die Tropen präsentieren sich pünktlich zum mit Spannung erwarteten Sanya E-Prix von ihrer ungemütlichen Seite. Die aktuellen Wettervorhersagen für das Rennwochenende am Südchinesischen Meer versprechen zwar konstant hohe Temperaturen um die 30 Grad Celsius, allerdings präsentieren sich die Bedingungen stark bewölkt. Zudem müssen die Teams mit einem latenten Regenrisiko von rund 35 Prozent kalkulieren.
Spannend wird vor allem der Umgang mit der extremen Luftfeuchtigkeit. Die drückend schwüle Luft stellt die Ingenieure vor logistische und thermische Herausforderungen, da die Kühlung des Antriebsstrangs und des Einheitsakkus unter diesen Bedingungen am Limit arbeitet. Wie sich das tropische Mikroklima und das daraus resultierende Gripniveau auf die Balance der Gen3-Evo-Boliden auswirken wird, zeigt sich bereits am Freitagnachmittag im 1. Freien Training. e-formel.de begleitet die Sessions wie gewohnt im Live-Ticker.
Wer sind die Favoriten?
Ein entscheidender Faktor am kommenden Rennwochenende könnte die Streckenkenntnis sein: Lediglich acht Piloten des aktuellen Starterfeldes waren bereits beim bislang einzigen Sanya E-Prix im Jahr 2019 mit von der Partie. Bemerkenswert ist, dass das gesamte damalige Podium auch in Saison 12 zu den absoluten Spitzenreitern der Serie gehört. Damals sicherte sich Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) den Sieg vor Oliver Rowland (Nissan) und Antonio Felix da Costa (BMW i Andretti). Alle drei Piloten haben sich im Laufe der Jahre zu Formel-E-Weltmeistern gekrönt und ihre Vormachtstellung im elektrischen Motorsport eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Angesichts ihrer fahrerischen Klasse und der historischen Datenbasis zählen Vergne, Rowland und Felix da Costa auch beim diesjährigen Sanya-Comeback zum engsten Favoritenkreis.
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