Formel E

"Größter Crash meiner Formel-E-Karriere" - Fahrer beschreiben Horrorunfall von New York

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Aquaplaning-Chaos in New York City! Bei einsetzendem Niederschlag verloren im Samstagsrennen mehrere Fahrer aus der Führungsgruppe die Kontrolle über ihre Fahrzeuge und schlugen mit hoher Geschwindigkeit in eine TecPro-Bande ein. Das Rennen wurde daraufhin mit roten Flaggen abgebrochen. Nick Cassidy (Envision) wurde anschließend als Sieger gewertet - und das, obwohl das Auto des Neuseeländers schwer beschädigt auf dem Abschleppwagen stand. Cassidys Rivalen diskutieren die FIA-Entscheidung sowie die Massenkarambolage in Kurve 6 kontrovers.

07:30 Minuten vor dem geplanten Ende des New York City E-Prix kommt es auf dem Brooklyn Street Circuit zu hektischen Szenen. Durch einsetzenden Regen ruft die Rennleitung eine Neutralisierung des Rennens mittels Full-Course-Yellow aus, da die Streckenverhältnisse zu gefährlich für das "normale Renntempo" werden. Insbesondere in der Bremszone vor Kurve 6 hat sich in den Minuten zuvor eine tiefe Pfütze gebildet.

Die Full-Course-Yellow-Entscheidung der FIA kommt jedoch wenige Sekunden zu spät: Der Führende, Nick Cassidy, verliert auf dem Wasser die Haftung und rauscht mit hohem Tempo in eine TecPro-Barriere am Ende der Auslaufzone. Wenig später schlittern an derselben Stelle auch Lucas di Grassi (Venturi) und Stoffel Vandoorne (Mercedes) ins Aus. Das Rennen wird sofort mit roten Flaggen unterbrochen.

Wenig später wird beschlossen, den Lauf nicht mehr neu zu starten. Cassidy darf sich somit als Sieger des Samstagsrennens feiern, da er bei der letzten Überquerung der Ziellinie führte. Di Grassi und Frijns komplettieren das Podium.

Nach dem E-Prix sorgte diese Entscheidung für Unmut im Fahrerlager und mischte sich mit einem Gefühl der Dankbarkeit, dass der Unfall glimpflich ausging. "Das war eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle!", sagt Cassidy nach dem Rennen. "Zunächst war ich sehr enttäuscht, weil ich heute eigentlich alles richtig gemacht habe. Dann fiel die Entscheidung (zum Rennsieg), und ich habe in der Garage nur noch geschrien: 'Seid ihr euch sicher, seid ihr euch sicher?!' Es ist für mich schwer zu sagen, was richtig ist: Ich bin einfach glücklich mit dem Sieg und möchte nicht zu sehr auf diese Entscheidung eingehen."

Buemi & Frijns beschreiben "Slick-Reifen" im Regen

Nissan-Fahrer Sebastien Buemi macht für das Aquaplaning unter anderem den Reifenverschleiß verantwortlich. "Wir waren schon weit fortgeschritten im Rennen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Reifen quasi Slicks", so der Schweizer, der im Regen ebenfalls die Fahrzeugkontrolle verlor und mit Pascal Wehrlein (Porsche) kollidierte.

"Mit Slicks ist es im Nassen schwer. Rückblickend hätten alle wohl mehr Vorsicht walten lassen können, aber die Reifen waren ohnehin an ihrem Lebensende angelangt. Damit kann man im Regen nicht fahren. Ich habe noch versucht, am Teamfunk um ein Safety-Car zu bitten, aber dann ging alles ganz schnell."

Auch Robin Frijns, der einzige Fahrer aus der Führungsgruppe, der Kurve 6 erwischte, findet: "Es ist sehr schwierig, weil wir die Reifen schon für zwei Drittel des Rennens genutzt hatten. Das Profil war also schon heruntergefahren, als der Regen kam - das war wie mit Slicks! Ich habe glücklicherweise aufgrund der Gischt früher gebremst. Als sie sich legte, habe ich Lucas (di Grassi) schon im 45-Grad-Winkel seitwärts gesehen, und das ist meist kein gutes Zeichen!"

Di Grassi: "Der schwerste Unfall meiner Formel-E-Karriere"

Der Brasilianer beschreibt nach dem Zieleinlauf: "Der Unfall heute war der schwerste meiner Formel-E-Karriere und einer meiner schlimmsten im Motorsport. Das waren schätzungsweise 15 g. Mir tut alles weh: Mein Kopf, meine Hände, meine Beine… Aber ich bin okay. Das zeigt, dass man bei Aquaplaning nicht wirklich etwas machen kann."

"Ich bin dankbar, dass es die rote Flagge gab und der Zwischenstand von vor der Unterbrechung wiederhergestellt wurde. Das war einfach das Fairste, was (die FIA) machen konnte. Ich freue mich über die Punkte, auch wenn das Auto komplett zerstört ist. Die Mechaniker haben jetzt viel Arbeit, um es für morgen fahrbereit zu bekommen."

Jaguar-Fahrer Sam Bird stimmt di Grassis Einschätzung nicht zu. "Ich bin enttäuscht", sagt der Brite. "Hätten wir das Rennen noch neu gestartet, wäre ich wohl ein Siegkandidat gewesen. Die Regeln sind die Regeln, und natürlich verdienen die Leute an der Spitze diesen Erfolg. Persönlich verstehe ich aber nicht, wie man trotz eines Unfalls auf dem Podium stehen und mehr Punkte bekommen kann."

"Damit habe ich ein paar Probleme. Ich hatte auf mehr Punkte für mich gehofft, aber jetzt müssen wir uns einfach auf morgen konzentrieren", so Bird.

Mortara "für 250 Meter ohne Fahrzeugkontrolle"

Der WM-Führende Edoardo Mortara wurde auf Position 5 gewertet. "Ich hatte echt ein Riesenglück!", sagte er kurz nach dem E-Prix. "Ich hatte bestimmt für 250 Meter aufgrund des Aquaplanings keine Fahrzeugkontrolle mehr und dachte schon, dass ich die zwei Autos vor mir treffen und womöglich sogar jemanden verletzen könnte."

"Ich habe das Auto im letzten Moment abbremsen und wenden können. Auch abgesehen davon war das Rennen für mich wirklich sonderbar: Die erste Hälfte war nicht so gut, weil wir Energie sparen und in der zweiten Rennhälfte attackieren wollten. Wenn es trocken geblieben wäre, hätten wir vielleicht sogar noch mehr angreifen können. P5 ist nach Startplatz 9 trotzdem ein sehr gutes Resultat. Ich habe hier ohnehin immer Probleme - das hier ist mein erstes Punkteergebnis überhaupt in New York. Hoffentlich läuft es morgen noch besser!"

Für die Mechaniker mehrerer Teams steht nun eine Menge Arbeit an. Schließlich soll bereits am Sonntag der zweite Teil des New-York-Wochenendes beginnen. Das 3. Freie Training beginnt um 13 Uhr deutscher Zeit. e-Formel.de begleitet die Session mit einem Liveticker und Livestream. Das Sonntagsrennen zeigt ProSieben ab 19 Uhr im TV.

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