Formel E

"Sehr bitter" - Formel-E-Fahrer trauern Rom nach & zweifeln an Sicherheitsrisiko als Ursache

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Seit wenigen Wochen steht fest: Die Formel E wird im Jahr 2024 nicht mehr nach Rom zurückkehren. Die Rennserie gab in einer Pressemitteilung Sicherheitsbedenken als Grund für die Streichung der italienischen Hauptstadt aus dem Rennkalender an. Eine Entscheidung, die bei Fans und auch Fahrern alles andere als positiv aufgenommen wurde. Einige Piloten äußern sogar Zweifel an der offiziellen Begründung.

Es war der schlimmste Unfall, den es in den ersten neun Saisons der Formel E gegeben hat: Sam Bird verlor in einer schnellen Kurve die Kontrolle über seinen Jaguar, drehte sich und kam nach einem Mauerkontakt quer zur Fahrtrichtung auf der Ideallinie zum Stehen. Mehrere Fahrer sahen den gestrandeten Wagen zu spät und kollidierten mit Bird oder mit der Streckenbegrenzung. Insgesamt acht Fahrzeuge wurden in den Massencrash verwickelt. Nur durch Glück und die hohen Sicherheitsstandards der Elektrorennserie blieben alle Piloten dabei unverletzt.

"Experten der Formel E und der FIA haben die Rennen der Saison 9 in Rom ausgewertet, bei denen das neue, schnellere und leistungsstärkere Gen3-Auto auf dem engen, kurvenreichen Kurs im Geschäftsviertel von Rom an seine Grenzen stieß", schrieb die Rennserie im Oktober. "Die Formel E prüft alternative Austragungsorte, einschließlich permanenter Rennstrecken, um eine Veranstaltung auf dem wichtigen italienischen Markt beibehalten zu können. Ein Update zum Austragungsort in Italien wird noch vor Ende des Jahres erwartet." Die Fahrer reagierten nicht sonderlich begeistert auf die Ankündigung, dass ein bei ihnen sehr beliebter Kurs aus dem Rennkalender gestrichen wird.

Wehrlein: "Für mich eine der besten Formel-E-Strecken"

"Das ist sehr bitter", sagt Porsche-Fahrer Pascal Wehrlein auf Nachfrage von e-Formel.de. "Für mich ist das eine der besten Formel-E-Strecken, wenn auch eine sehr gefährliche. Und das war wahrscheinlich auch der Grund, warum es so nächstes Jahr nicht stattfinden kann. Aber ich hoffe, dass Rom in der Zukunft wieder zurückkommt."

"Für mich ist es einer meiner Favoriten, was die Strecke und das Layout angeht", pflichtet ihm Max Günther bei. Und auch Andretti-Neuzugang Norman Nato ist enttäuscht: "Ich werde Rom vermissen. Es ist definitiv eine der besten Strecken für uns Fahrer. Es hat wirklich Spaß gemacht, dort zu fahren: Eine richtige Formel-E-Strecke mit schnellen Kurven, langsamen Kurven und Bodenwellen."

McLaren-Pilot Sam Bird gibt allerdings zu, dass der Kurs nach dem Unfall im Sommer bei den Fahrern auch in der Kritik stand: "Es gab ein Problem mit diesem Teil der Strecke. Wir haben uns nach dem Rennen lautstark über diesen Streckenabschnitt geäußert und Änderungen gefordert", so der Brite an unserem Mikrofon. Dies sei aber nicht der Grund gewesen, warum die Strecke aus dem Kalender gestrichen wurde. "Wir haben alle gesagt, dass wir es lieben, auf dieser Strecke zu fahren. Ich denke, es war eine der besten Strecken im Kalender."

Vergne: "Hauptgrund kein Sicherheitsaspekt"

Andere Fahrer werden sogar noch deutlicher: Die Sicherheitsgründe seien nur vorgeschoben. "Rom war eine der coolsten Strecken in der Formel E", erklärt der zweifache Champion Jean-Eric Vergne. "Es ist schade, dass wir dort nicht mehr fahren können. Aber der Hauptgrund, warum wir nicht in Rom fahren, ist meiner Meinung nach kein Sicherheitsaspekt. Das ist meine persönliche Meinung. Jede Strecke hat ihre Probleme. Die vielen Unfälle, die in der Formel 1 in Monaco passiert sind, sind kein Grund, die Strecke dort zu meiden. Es ist Teil des Motorsports, dass immer auch ein Risiko da ist."

"Die Sicherheit ist keine legitime Ausrede, um ehrlich zu sein", stimmt ihm sein ehemaliger Teamkollege Antonio Felix da Costa auf Nachfrage von e-Formel.de zu. "Die Strecke ist genau dieselbe wie beim Gen2-Auto. Die Kurve, in der es den Unfall gab, wird mit dem Gen3-Auto genau gleich schnell gefahren wie mit dem Gen2-Auto. Ich glaube also nicht, dass die Sicherheit...", hält er kurz inne, "ich bin mir da nicht sicher."

Wie e-Formel.de in Valencia erfahren hat, könnte es tatsächlich auch einen ganz anderen Grund für die Absage des Rom E-Prix geben: Die Kosten für das Rennen auf den Straßen im Stadtteil EUR sollen jährlich bei rund acht Millionen Euro gelegen haben. Ein E-Prix auf den permanenten Rennstrecken in Misano oder Vallelunga, die aktuell als heißeste Kandidaten für den italienischen "Double-Header" im April gelten, soll lediglich einen Bruchteil dieser Summe kosten...

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