Sensationspodium für Vergne & Eriksson am Formel-E-Sonntag in Shanghai: "Natürlich will man mehr"
Thomas Grüssmer
FIA Formula E
Teil 2 des "Double-Headers" in Shanghai bot ein Rennergebnis, welches man so absolut nicht erwartet hätte. Neben dem Rennsieger Lucas di Grassi erreichten Jean-Eric Vergne und Joel Eriksson überraschend das Podium. Alle drei hatten bei ihrer Aufholjagd eine Gemeinsamkeit: Sie pokerten beim Reifendruck für trockenes Wetter und wartete lange mit den Attack-Mode-Aktivierungen.
Sowohl der zweitplatzierte Vergne als auch der drittplatzierte Eriksson starteten das Rennen vom hinteren Teil des Feldes. Beide hatten also ohnehin nichts zu verlieren. Vor dem eigentlichen Rennstart kam das Safety-Car zunächst für einige Runden auf die Strecke, um sich vor dem Start ein Bild für die Bedingungen auf der Strecke zu machen. Schon währenddessen kündigte Vergne per Funk bei seinem Team an: "Wenn ich drei Sekunden von der Pace weg bin, werde ich aufgeben. Ich möchte nicht gedemütigt und überrundet werden. Ich sage das nur schon mal im Voraus", so der zweimalige Formel-E-Champion.
Reifen-Poker zahlt sich aus
Das Ergebnis war jedoch das absolute Gegenteil: Das Risiko zahlte sich aus! Nach dem Start auf nasser Strecke hielten sich die Fahrer zu Beginn noch hinten auf. Der für das Rennen vorhergesagte Regen kam aber nicht. Bei abtrocknender Strecke konnten Vergne und Eriksson später dann durchs Feld pflügen. Beiden spielte zusätzlich in die Karten, dass sie sich sich mit der Aktivierung des ersten Attack-Modes Zeit ließen.
Wenige Runden vor Rennende übernahm Erksson sogar schließlich die Führung von Pascal Wehrlein. Sein zweiter Attack-Mode wurde aber von einer Full-Course-Yellow-Phase torpediert, die durch den havarierten Lola Yamaha ABT von Zane Maloney ausgelöst wurde. Nach der erneuten Freigabe des Rennens musste der Schwede di Grassi und Vergne ziehen lassen, kam aber auf einem starken dritten Platz ins Ziel.
Vergne bedankte sich am Funk direkt nach dem Rennen bei seinem Teamchef Cyril Blais: "Danke Cyril! Ohne dich hätten wir das mit dem Trocken-Druck nicht gemacht." Nach dem Rennen äußerte sich der Meister der Saisons 4 und 5 weiter: "Ich bin sehr glücklich darüber, über Platz 2 frustriert zu sein. Im Anbetracht der Saison, die wir bisher hatten und wo wir heute gestartet sind, dachten wir: 'Was haben wir zu verlieren? Versuchen wir es!'"
"Zu Beginn konnte ich nicht einmal dem Safety-Car folgen, fuhr er fort. "Das Team wollte mich sogar für einen Reifenwechsel an die Box holen. Zum Glück hielt ich dagegen. In Miami haben wir das schon einmal versucht, dort hat es aber nicht funktioniert. Es ist gut, dass so ein Versuch endlich für uns geklappt hat."
Eriksson: "Hatte eigentlich alles unter Kontrolle"
Auch Eriksson stand nach dem Rennen für das obligatorische Interview zur Verfügung, sprach aber nicht über den Reifendruck: "Es war ein hartes Rennen! Dafür musste ich sehr kämpfen. Es fühlte sich so an, als hätte ich vor der Full-Course-Yellow alles unter Kontrolle gehabt. Ich denke, wenn alles normal gelaufen wäre, hätten wir das bis zum Schluss halten können. Ich hatte nach der Phase einfach nicht mehr den Grip wie zuvor. Ich habe den Kürzeren gezogen."
Er fügte an: "Natürlich will man mehr. Dennoch bin ich glücklich darüber, in dem Rennen ein Podium zu holen, welches für das Team wohl das wichtigste des Jahres ist. Das Team hat mir für heute ein sehr starkes und effizientes Auto gegeben."
Ein weiteres, spannendes Wochenende, welches die Fahrermeisterschaft wieder auf den Kopf gestellt hat, geht somit zu Ende. Nun gibt es erstmal eine kleine Pause von drei Wochen, bevor es am 25. und 26. Juli in Tokio mit dem nächsten "Double-Header" weitergeht.
Du nutzt Google und willst Inhalte von e-Formel.de besser finden? Dann kannst du die neue Google-Funktion "bevorzugte Quellen" aktivieren. Um e-Formel.de als "bevorzugte Quelle" zu hinterlegen, klicke einfach auf diesen Button und setze einen Haken. Fertig!
0 Kommentare
Einen Kommentar schreiben