Sportliches Formel-E-Reglement für Gen4 geändert: Neue Regeln zu Attack-Mode, Reifen, Energie & Strafen
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Die FIA hat das Sportliche Reglement für die Formel-E-Saison 2026/27 erneut angepasst. Kurz vor dem Start der ersten Gen4-Saison ändern sich unter anderem die Regeln für Attack-Mode, Energieverbrauch, Reifen, Teilekontingente und Strafen. e-Formel.de hat die neue Fassung mit dem zuletzt im Juni veröffentlichten Stand verglichen.
Das Sportliche Reglement der Formel E wurde dabei von der FIA komplett in Englisch veröffentlicht. Zuvor waren die Regelwerke stets zweisprachig, zusätzlich auf französischer Sprache.
Artikel 2: Meisterschaftswettbewerbe
Performance-Rennen werden nun unter dem Namen "E-Prix Unleashed" geführt, Effizienz-Rennen unter dem Namen "E-Prix".
Wird die vorgesehene Distanz einschließlich der Anzahl der Zusatzrunden nicht rechtzeitig erreicht, greift beim "E-Prix Unleashed" nun eine Zeitgrenze von 60 Minuten statt 45 Minuten. Beim "E-Prix" gibt es keine Änderungen. Bei einer Unterbrechung kann sich die maximale Gesamtdauer nun auf 90 statt 75 Minuten plus eine Runde bei "E-Prix Unleashed" verlängern.
Artikel 3: Formel-E-Weltmeisterschaft
Bei der jährlichen FIA-Gala muss neben den drei erstplatzierten Fahrern und dem Teamchef des siegreichen Teams in der Teamwertung nun auch ein Vertreter des siegreichen Herstellers anwesend sein.
Artikel 9: Zwischenfälle
Hier wurde präzisiert, dass neben einer Überschreitung der erlaubten Leistung auch ein zu hoher Energieverbrauch als Zwischenfall gewertet und von den Rennkommissaren untersucht werden kann.
Als zusätzliche Option dürfen die Rennkommissare Fahrer nun auch im Rennergebnis um eine beliebige Anzahl an Positionen zurückstufen.
Artikel 12: Testfahrten
Bei offiziellen Testfahrten gelten nun grundsätzlich dieselben Reifenregeln wie an Rennwochenenden. Ausgenommen sind die Vorgaben zur Anzahl der verfügbaren Reifensätze sowie die Regelungen zu Joker- und Austauschreifen.
Artikel 13: Boxengasse
Hier wurde präzisiert, dass die elektrische Schlagschrauber nur für Reifenwechsel vorgeschrieben sind. Reifenwechsel sind in jeder Session erlaubt und müssen entweder in der Garage oder in dem Bereich der Boxengasse stattfinden, der dem jeweiligen Team für die Boxenstopps zugewiesen ist.
Die Maximalleistung in der Boxengasse liegt bei 450 kW. Der 600-kW-Allradmodus ist dort ausdrücklich verboten.
Artikel 14: Technische Abnahme und administrative Prüfungen
Es wurde präzisiert, dass die vom Team einzureichende Lizenz des Fahrers mindestens die Internationale B-Lizenz sein muss. Zuvor stand dort nur B-Lizenz, was theoretisch auch eine nationale Lizenz sein könnte.
Artikel 15: Verwendung von Reifen und Reifenbeschränkungen während des Wettbewerbs
Der bislang festgelegte Strafrahmen für die Verwendung von Reifen ohne vorgeschriebene RFID- oder Barcode-Kennzeichnung wurde entfernt. Statt einer Gridstrafe beziehungsweise Disqualifikation wird ein solcher Verstoß nun den Rennkommissaren gemeldet.
Neben dem Reifendruck wird nun auch die Reifentemperatur zu jeder Zeit überwacht.
Die Verwendung von Jokerreifen muss nun nicht mehr allein von den Sportkommissaren, sondern zusätzlich auch vom Technischen Delegierten genehmigt werden.
Es wurde präzisiert, dass es nicht erlaubt ist, jede Form einer physischen Verbindung mit den Reifen während des Reifen-Parc-Fermes herzustellen. Die Teams dürfen außerhalb des Parc Fermes in der Boxengasse vor den Garagen des Teams an den Reifen arbeiten. 30 statt bislang 45 Minuten vor der ersten Session eines Veranstaltungstags wird der Reifen-Parc-Ferme geöffnet, sodass die Teams den Reifendruck anpassen dürfen.
Zehn Minuten vor einem Freien Training, dem Qualifying oder dem Öffnen der Boxengasse vor dem Rennen dürfen die Teams nun erst maximal zwei Reifensätze pro Fahrzeug aus der vorgeschriebenen Lagerfläche für die Reifen, der sogenannten Tyre Area, entnehmen. Einer davon muss auf dem Fahrzeug montiert werden, der zweite Reifensatz muss sichtbar in der Mitte der Garage oder auf dem Dummygrid gestapelt werden. Nach dem Fallen der schwarz-weiß-karierten Flagge muss der nicht auf dem Fahrzeug montierte Reifensatz unmittelbar zurückgelegt werden.
Die Tyre Area wird von der FIA definiert und darf nicht ohne FIA-Zustimmung von den Teams geändert werden. Abstandshalter zwischen den Reifen dürfen nur dann verwendet werden, wenn sie vom Reifenlieferant gestellt werden. Reifen dürfen auf mobilen Plattformen mit Rollen oder Grid-Trolleys platziert werden, aber ausschließlich, um sie dort zu lagern oder zu transportieren. Alle Möglichkeiten, die Reifentemperatur zu behalten oder zu erhöhen, sind verboten.
Die Teams sind dafür verantwortlich, dass die Reifenüberwachungssysteme mit Beginn des ersten Reifen-Parc-Fermes des Events voll einsatzfähig sind.
Artikel 17: Allgemeine Anforderungen an Autos und Personal
Jedes Team darf maximal zwei Personen nicht-operativen Personals ernennen, die ausschließlich nicht-operative Arbeiten in der Garage verrichten. Der Sportliche Delegierte der FIA hat dabei das Recht, Personen abzulehnen, die diese Rolle übernehmen sollen.
Anstatt einer Woche vor einem Event müssen die Teams ihre Personallisten immer spätestens am Freitag in der Woche vor einem Event anmelden.
Die Regularien zum Notbrems-System wurden aus dem Reglement gestrichen - die Gen4-Boliden verfügen nicht über ein solches.
Artikel 18: Ersatzautos, -motoren, -batterien und -getriebe
Die Regeln für den Frontantrieb wurden deutlich verschärft. Jedes Auto darf grundsätzlich nur noch ein Front Powertrain Kit (FPK) für die gesamte Saison verwenden. Gleichzeitig wurden die bislang vorgesehenen zwei zusätzlichen FPK pro Team aus dem Pool der sogenannten Floating Parts gestrichen.
Anstatt vier Sätze Bremsscheiben (vorne und hinten) stehen jedem Fahrer nun drei Sätze hinten und fünf Sätze vorne zur Verfügung. Die Sätze an Bremsbelägen sind jetzt nicht mehr pro Achse limitiert (je acht), sondern als Gesamtzahl: 16 Sätze darf ein Fahrer pro Saison verwenden.
Artikel 23: Qualifying
Die bislang festgelegte Maximalanzahl von vier Mechanikern, die beim Reifenwechsel am Auto arbeiten dürfen, wurde gestrichen.
Für sämtliche Runden in der Duellphase gilt nun ein maximales Leistungsniveau von 600 kW.
Artikel 26: Startprozedur
Nachdem der Renndirektor beim Start hinter dem Safety-Car die Meldung "Stehender Start" herausgegeben hat, sind Burnouts nun strengstens verboten.
Artikel 27: Rennen
Die FIA legt drei Wochen vor einer Veranstaltung die Leistung im Rennmodus fest, diese darf maximal 450 kW betragen. Für einzelne Rennen kann die FIA außerdem einen sogenannten Power Schedule vorgeben, der die maximal verfügbare Leistung in Abhängigkeit von der Fahrzeuggeschwindigkeit definiert. Beim Attack-Mode dürfen nicht mehr fest 600 kW verwendet werden, stattdessen steigt die maximale Leistung um 150 kW gegenüber dem Rennmodus.
Der Aktivierungsbereich für den Attack-Mode heißt nun offiziell Attack-Zone.
Im Falle einer Neutralisation des Rennens bei Safety-Car, Full-Course-Yellow oder roter Flagge, kann der Fahrer die verbleibende Zeit seines Attack-Modes einfrieren. Die verbliebene Attack-Mode-Zeit wird fortgesetzt, sobald der Fahrer das nächste Mal durch die Attack-Zone fährt. Dies zählt jedoch nicht als vorgeschriebene Aktivierung des Attack-Modes.
Nach dem Einfahren in die Boxengasse ist es nun nicht mehr möglich, die Energiemenge, die beim Pit-Boost nachgeladen wird, zu verändern. Im vorherigen Regelentwurf war dies noch bis zum Anschließen des Ladegeräts möglich.
Für bestimmte Rennen darf die FIA nun einen Mindestenergieverbrauch pro Runde festlegen. Sollte ein Fahrer in einer Runde weniger Energie verbrauchen, wird dennoch dieser Wert von der zur Verfügung stehenden Energiemenge abgezogen. Die Regel gilt nicht für den Fall, dass zu Rennbeginn eine unvollständige Runde (die sogenannte Runde null) gefahren wird, nach einem stehenden Start, in der letzten Runde eines Rennens, bei Full-Course-Yellow oder Safety-Car, sobald die Strecke als "nass" deklariert wurde, beim Fahren durch die Boxengasse oder bei einer Rennunterbrechung.
Artikel 30: Unterbrechung eines Rennens
Der doppelt vorhandene Hinweis, dass ein Fahrzeug im Falle einer Reparatur an das Ende der Reihenfolge beim Neustart versetzt wird, wurde einmal gestrichen.
Artikel 31: Fortsetzung eines Rennens
Wie in Artikel 26 sind auch bei einem Neustart Burnouts nun strengstens verboten, nachdem der Renndirektor die Meldung "Stehender Start" herausgegeben hat.
Anhang 3: Team-Branding-Manual
Erstmals enthält das Sportliche Reglement einen detaillierten Team Branding Manual für den Gen4. Darin werden feste Flächen für ABB, Bridgestone, verschiedene FIA-/Formula-E-Logos sowie das Herstellerlogo vorgegeben. Auch Fahrernummer, Fahrerkürzel, Fahrername und Nationalflagge erhalten exakt definierte Positionen.
Für sämtliche Logos ist zudem ein Mindestabstand von 20 mm auf allen Seiten vorgegeben. Das ABB-Logo muss dabei entweder rot oder weiß sein, das Bridgestone-Logo entweder rot-schwarz oder weiß.
Die Startnummern müssen auf der Fahrzeugnase, an beiden Seiten des Heckflügels sowie auf dem Halo-System in Fahrtrichtung links angebracht werden, letzteres außerdem in Verbindung mit dem Fahrerkürzel. Startnummern müssen dabei entweder schwarz oder weiß sein. Auch die Schriftarten sind vorgegeben.
Flagge und Name des Fahrers müssen neben dem Cockpit angebracht werden. Hier haben die Teams die Wahl zwischen Schwarz, Weiß und der Teamfarbe.
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