Formel E

Stoffel Vandoorne marschiert mit Platz 2 Richtung Formel-E-Titel: "Ein guter Tag für die Meisterschaft"

Timo Pape

Timo Pape

Stoffel-Vandoorne-Mercedes-London-Formula-E-2022

Im viertletzten Rennen der Formel-E-Saison 2022 hat Stoffel Vandoorne einen wichtigen Schritt in Richtung seines ersten WM-Titels gemacht. Wie schon in New York sahnte der Mercedes-Pilot ordentlich Punkte ab, während seine direkten Meisterschaftsrivalen Federn ließen. Mitch Evans hielt als Sechster in London immerhin den Anschluss, während Edo Mortara und Jean-Eric Vergne leer ausgingen. Ist Vandoorne noch zu stoppen?

26 Punkte beträgt Vandoornes Vorsprung in der Fahrer-WM drei Rennen vor Saisonschluss (173 Punkte). Somit könnte sich der Belgier - Bonuspunkte einmal ausgenommen - sogar einen Ausfall leisten und würde trotzdem noch vor dem neuen Zweitplatzierten Mitch Evans (147) bleiben. Weitere drei Zähler dahinter folgt Edo Mortara, der ebenfalls noch im Titelrennen bleibt, am Samstag als 18. jedoch einen weiteren Rückschlag hinnehmen musste.

Vandoorne weiß: Die 18 Punkte am London-Samstag waren echte Big-Points im Titelkampf. "Es war ein guter Tag für die Meisterschaft. Wir haben uns weit vorn qualifiziert, und wenn deine direkten Konkurrenten nicht in der Nähe sind, musst du einfach Kapital daraus schlagen. Das erhöht den Druck natürlich noch einmal zusätzlich." Diesem Druck hielt Vandoorne stand und fuhr ein sachliches Rennen, ohne zu viel für einen möglichen Sieg zu riskieren.

"Ich habe seit Anfang des Jahres einfach versucht, superkonstant zu sein", erklärt der 30-Jährige im Rahmen der Pressekonferenz nach dem Rennen. "Und tatsächlich konnte ich jedes Rennen innerhalb der Top 5 beenden mit Ausnahme von Mexiko, als ich in der letzten Runde mit Lucas (di Grassi) aneinandergeriet. Ich habe zwar nur einmal gewonnen, und zwar in Monaco. Aber das spielt mir dieses Jahr definitiv in die Karten."

"In der Formel E kannst du dir nie sicher sein"

Vandoorne hat verglichen mit seinen Konkurrenten derzeit klar das beste Momentum und gilt auch vor dem Samstagsrennen als einer der Favoriten auf den Rennsieg. Trotzdem möchte er noch nicht von einer Vorentscheidung im WM-Kampf sprechen: "Ehrlich gesagt fühlt es sich noch nicht danach an. Ich glaube es erst, wenn es wirklich so weit ist und sich materialisiert. Auch Platz 2 heute bedeutet nicht, dass wir das morgen wiederholen können."

"Ich kann nicht kontrollieren, was die anderen machen - nur was ich mache", gibt Vandoorne zu bedenken. "Ich gehe es weiter Rennen für Rennen an und versuche, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Dann sehen wir am Ende, ob es gereicht hat oder nicht. Aber klar: Wenn wir weiter diese Leistungen zeigen, und ich meine nächsten Rivalen hinter mir halten kann, dann sollte es gutgehen. Doch in der Formel E kannst du dir nie sicher sein."

Erster Verfolger Evans: "Mache ich mir nicht allzu große Sorgen"

Mitch Evans, jetzt erster Verfolger von Vandoorne, zeigte wie so oft ein starkes Rennen, in dem er sich von Startplatz 14 bis auf die sechste Position vorkämpfte. Durch seine acht Zähler verlor er "nur" derer zehn auf Vandoorne und betrieb somit Schadensbegrenzung. Immerhin überholte er Edo Mortara in der Fahrerwertung und hat somit die besten Chancen aller Verfolger, den Mercedes-Piloten noch einzuholen.

"Ich bin damit tatsächlich ganz zufrieden, wenn ich ehrlich bin", sagte Evans kurz nach Rennschluss im TV-Weltsignal. "Nach meinem Fehler im Qualifying (beim Anbremsen vor Kurve 1) waren wir im Hintertreffen und haben auf solide Punkte gehofft. Auf Platz 6 zu kommen und acht Zähler mitzunehmen, hätte ich vor dem Rennen auf jeden Fall unterschrieben. Das war eine wichtige Aufholjagd."

Mit Blick auf die WM erklärt er: "Ich bin auf Platz 2 vorgerückt, was natürlich positiv ist. Aber Stoffel hatte einen richtig guten Tag und konnte seinen Vorsprung ausbauen - Hut ab dafür. Aber um ehrlich zu sein, stehen auch noch drei Rennen aus. Es stehen noch eine Menge Punkte auf dem Spiel. Er hat einen gewissen Vorsprung, aber darüber mache ich mir nicht allzu große Sorgen. Solange wir unser Bestes geben, bin ich sicher, dass wir noch herankommen können."

Schwarzer Tag für Mortara, doch Auto hat Potenzial

Edo Mortara hingegen erlebte ein Samstagsrennen zum Vergessen und verlor Rang 2 in der Gesamtwertung. Nach einem schwachen Qualifying kollidierte er schon am Start mit Jean-Eric Vergne und Sam Bird und verlor dabei seinen Frontflügel. Der Schweizer kam daraufhin an die Box und fuhr schließlich mit neuer Nase und fast einer Runde Rückstand weiter.

Da das Safety-Car während des gesamten Rennens nicht zum Einsatz kam - Mortara hatte gehofft, dadurch noch einmal aufschließen zu können -, beendete er den Samstagslauf abgeschlagen als letzter gewerteter Fahrer auf Position 18. Nachträglich erhielt er überdies noch eine Zeitstrafe von zehn Sekunden, da in der Boxengasse an seinem Fahrzeug gearbeitet wurde, während der Wagen noch im fahrbereiten Zustand war.

In der Gesamtwertung hat er nun 29 Zähler Rückstand auf Vandoorne - genau die Menge Punkte, die er am Sonntag in London maximal holen könnte. Allerdings machte der Schweizer an diesem Wochenende bislang keinen guten Eindruck. Venturi-Teamkollege Lucas di Grassi bewies im gleichen Auto jedoch, dass der Kunden-Mercedes sowohl im Qualifying als auch im Rennen das Zeug hat, ganz vorn mitzumischen. Zumal am Samstag zwei Werks-Mercedes auf dem Podium landeten… Mortara hat es also selbst in der Hand.

Vergne nur 14. - Vierkampf wird zum Dreikampf

Der vierte Pilot im Titelrennen, Jean-Eric Vergne, dürfte sich am Samstag aus dem Titelrennen verabschiedet haben. Er steht weiterhin bei 128 Zählern und hat damit bereits 45 Punkte Rückstand auf Vandoorne.

Schon am Start geriet der Franzose mit Rivale Mortara und Bird aneinander. Später verlor er Zeit und Nerven im Zweikampf mit seinem DS-Teamkollegen Antonio Felix da Costa, und schließlich kollidierte er auch noch mit Alexander Sims und bekam dafür eine 5-Sekunden-Zeitstrafe aufgebrummt. Platz 14 bedeutete wahrscheinlich das Ende seiner Titelträume.

"Das war ein Tag zum Vergessen für mich", meldete sich Vergne über Twitter zu Wort. "Im Rennen kam es zu zahlreichen Zwischenfällen, aber zum Glück ist morgen auch noch ein Tag. Wir werden alles versuchen, um mit einem Hochgefühl hier abzureisen."

Die nächsten Vorentscheidungen im Formel-E-Titelkampf könnten schon am Sonntag fallen. Dann steht beim London E-Prix der zweite Lauf auf dem Programm. Rennstart ist um 16 Uhr deutscher Zeit.

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