Formel E

Susie Wolff kritisiert Formel E: "Leicht zu sagen, man wolle mehr Diversität und einen Hashtag zu setzen"

Svenja König

Svenja König

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Susie Wolff hat in den vergangenen 15 Jahren wie keine andere die Diskussionen um Frauen im Motorsport geprägt: Von vielen wurde sie als Quotenfrau und gleichzeitig Ehefrau von Mercedes-Teamchef Toto Wolff belächelt. Seit Jahren setzt sich die gebürtige Schottin dafür ein, mehr Frauen für den Motorsport zu begeistern und zu fördern, zum Beispiel mit ihrer Stiftung "Dare To Be Different". Nun übt sie indirekte Kritik an der Formel E.

Während ihrer Jugend im Kartsport haben Diskussionen um Geschlechter-Gleichberechtigung und Diskriminierung allerdings noch keine Rolle gespielt. Erst mit 18 Jahren wurde Wolff das erste Mal damit konfrontiert: "Als Achtjährige im Kart bist du dir dem Geschlecht nicht bewusst", sagt sie im Podcast "This Sporting Life" von 'BBC Scotland Radio'.

"Realisiert habe ich das erst mit 18 bei den Weltmeisterschaften in Portugal. Ich war insgesamt 15., was ein ordentliches Ergebnis war. Aber dann wurde ich bei der Podiumszeremonie aufgerufen als 'beste Frau der Welt'. Ich weiß noch, dass ich mich geschämt habe, weil ich nur dachte: Ich bin nicht hier, um beste Frau zu sein. Ich bin hier, um bester Fahrer zu sein. Dann habe ich gezählt, wie viele Frauen überhaupt im Feld waren. Ich bin auf vier von 150 Teilnehmern gekommen. Das war kein Erfolg für mich. Und es war das erste Mal, dass ich anders behandelt wurde, weil ich eine Frau bin."

Weiter ging es für Wolff in der Formel 3, der DTM und dann schließlich in der Formel 1 - als Test- und Entwicklungsfahrerin für Williams. "Die große Frage war, ob eine Frau die Geschwindigkeit und die damit verbundene körperliche Beanspruchung bewältigen könne", erinnert sie sich. Nach eigener Aussage hätten viele in der Formel 1 gehofft, dass Wolff es nicht schaffe.

Susie Wolff: "Bei Venturi in der Formel E haben wir 33 Prozent Frauen"

Seit ihrer aktiven Zeit in der Formel 1 habe sich daran nicht viel geändert. Die Formel 1 sei keinen Schritt weiter, wenn es darum gehe, eine Frau ins Cockpit zu setzen. "Letztendlich ist es Mathematik", meint Wolff. "Der Talentpool mit Frauen in diesem Sport ist zu klein. Es gibt weltweit circa 10.000 Jungs im Kartsport und - wenn man Glück hat - 100 bis 200 Mädchen."

Um das zu ändern, gründete Wolff, nachdem sie ihre Karriere als Rennfahrerin 2015 beendete, die "Dare To Be Different"-Stiftung, die den Motorsport attraktiver und erreichbarer für junge Mädchen machen soll. Ihre Stiftung unterstützt so zum Beispiel den "Girls Day" an Rennstrecken wie dem Nürburgring, wo junge Mädchen zum Beispiel Karts testen können. Ähnliche Veranstaltungen fanden auch im Rahmen von Formel-1-Rennen wie zum Beispiel in Singapur oder beim Formel-E-Rennen in Mexiko statt. In Zusammenarbeit mit der "FIA Girls on Track"-Initiative werden Trainingsprogramme und Camps organisiert, in denen die Fahrerinnen gecoacht werden.

Dabei ist der Mangel an Frauen im Motorsport nicht nur auf der Fahrer-Position groß. Auch an Ingenieurinnen, Mechanikerinnen oder Organisatorinnen fehlt es. "Es geht nicht nur um die Fahrer, es ist der ganze Sport", sagt Wolff. "Es gibt in der Formel E 24 Fahrer, aber mehr als 1.000 Menschen im Paddock. Es ist leicht zu sagen, man wolle mehr Diversität und einen Hashtag auf Social Media zu setzen. Aber man muss etwas tun, um etwas zu verändern."

Dies hat Wolff in ihrem Formel-E-Team Venturi zwar nicht auf der Fahrerposition umgesetzt, dafür aber im Hintergrund: "Wenn man alle Menschen, die im Motorsport arbeiten, zusammennimmt, sind davon zwei Prozent Frauen. In Totos Mercedes-Team sind es zwölf Prozent. Bei Venturi in der Formel E haben wir 33 Prozent Frauen. Also ja, ich versuche etwas zu verändern."

Susie Wolff unterstützt Grundgedanken von W-Series & Extreme E

Dieser Problematik haben sich auch andere bekannte Gesichter im Motorsport angenommen. So sind David Coulthard und Adrian Newey seit der Gründung der W-Series 2018 als Unterstützer mit an Bord. Formel-E-Gründer Alejandro Agag ging einen anderen Weg und verkündete im April 2020, dass in der elektrischen Offroad-Serie Extreme E jeweils ein Fahrer jedes Teams weiblich sein müsse. Diese Konzepte wurden oft kritisiert, da die Fahrerinnen sich nicht mit Männern beim Kampf um ein Cockpit messen müssen.

Wolff sieht das ein bisschen anders: "Wir müssen versuchen, mehr Mädchen zu inspirieren", erklärt sie gegenüber 'Sport1'. "Vielleicht brauchen wir dafür wirklich Meisterschaften wie die W-Series oder die neue Extreme E, wo 50 Prozent der Fahrer weiblich sein müssen, um Frauen zu zeigen, dass es Möglichkeiten im Motorsport gibt."

Denn Cockpits in hochkarätigen Rennserien zu bekommen, scheint für Frauen schwieriger denn je. Die letzte Frau, die an einem Formel-1-Wochenende außerhalb der Freien Trainings teilnahm, war 1992 Giovanna Amati im Qualifying zum Grand Prix von Spanien. In der Formel E hat nach Saison 2 keine Frau mehr in einem Rennen am Steuer gesessen, und auch in der DTM ist nach Susie Wolff und Rahel Frey keine Frau mehr nachgerückt.

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1 Kommentare

Trockensumpfpumpe ·

So wie ich das sehe, beklagt sie sich größtenteils über die Stimmen, die in ihrem Diversitätswahn Leistungen von Frauen überflüssig hervorheben. Das sehe ich relativ ähnlich, daher bin ich da bei ihr, ich frage mich nur, wo man mit all diesen Kampagnen letztendlich hin will. Was ist, wenn trotz W-Series und Co. einfach nach wie vor überdeutlich mehr Jungs in den Rennsport wollen? Die Interessen von Kindern sind schließlich nicht nur sozial bedingt.

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