Formel E

Technik-Einblick: Das kann der Simulator von BMW Motorsport

Timo Pape

Timo Pape

Die optimale Vorbereitung hat in professionellen Rennserien wie der Formel E einen großen Einfluss auf die Erfolgschancen eines Teams. Deshalb setzten alle Hersteller auf komplexe Simulatoren, die dem realen Fahrzeug möglichst nah kommen. Auch für BMW Motorsport spielt der Simulator in München eine zentrale Rolle.

Das Herzstück des Simulators bildet ein detailliertes Fahrzeugmodell, erklärt der bayrische Hersteller in einer Pressemitteilung. Dessen Basis ist bei allen BMW-Simulatoren in der Entwicklung identisch. Die für den Fahrer relevanten Feedback-Impulse werden für eine weltweit einzigartige Konfiguration mit Linearaktoren und einem Drehteller aus dem Modell ermittelt und in hoher Präzision und mit minimaler Verzögerung übertragen.

Dafür greift das System auf eine Rechnerleistung von 100 TeraFlops zurück. Das bedeutet, dass in jeder Sekunde 100 Billionen Berechnungen möglich sind. Über drei Projektoren sehen die Fahrer im Simulator die Rennstrecke. Dabei wird großer Wert auf eine hohe Qualität der Immersion, also des Eintauchens in die virtuelle Welt, gelegt. Ist die Immersion nicht gut genug, können bei der Fahrt im Simulator ähnlich wie bei der Reisekrankheit Kopfschmerzen und Übelkeit auftreten. Das sei bislang bei keinem Rennfahrer vorgekommen, meint BMW.

Der Simulator von BMW Motorsport kann aktuell den BMW iFE.20 und den BMW M4 DTM darstellen. Ein Umbau zwischen beiden Fahrzeugen ist innerhalb von nur einer Stunde möglich. Die BMW-Testpiloten können alle Strecken der Formel-E-Saisons 2018/19 und 2019/20 sowie das modellierte BMW-Testgelände im französischen Miramas unter die virtuellen Räder nehmen.

Streckenanpassungen binnen einer Woche möglich

Hinzu kommen die Strecken Nürburgring (inklusive Nordschleife), Hockenheimring, Norisring, Lausitzring, Assen, Jerez de la Frontera, Brands Hatch, Anderstorp und Monza. Änderungen an vorhandenen Kursen oder die Implementierung neuer Austragungsorte sind bei Bedarf in weniger als einer Woche umsetzbar.

Insgesamt saßen bereits 19 Rennfahrer im Simulator: die BMW-Werksfahrer der Formel E und DTM aus den Jahren 2019 und 2020 sowie auch neue Piloten vor den jeweiligen Rookie-Tests. Selbst BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich ging bereits auf die virtuelle Teststrecke.

Die hohe Präzision des Simulators macht es möglich, auch kleinste Änderungen der Fahrwerksabstimmung im Cockpit spürbar zu machen. So können schon vor der Anreise zur Rennstrecke verschiedene Fahrwerksoptionen getestet werden. Darüber hinaus ist in der Formel E bereits frühzeitig die Bedatung des Fahrzeugsteuergeräts für das optimale Energiemanagement möglich. In der Fahrzeugentwicklung lässt die hohe Detailtreue auch ohne hohen finanziellen Aufwand vergleichende Untersuchungen auf verschiedenen Kursen zu, deren Ergebnisse auf der realen Rennstrecke nur schwierig realisierbar wären.

Nicht zuletzt bietet der Simulator auch die Möglichkeit, dass sich neben dem Fahrer auch die Ingenieure auf einen Renneinsatz vorbereiten können. Bis zu 15 Ingenieure sind während einer Simulatorsitzung direkt über Intercom und Datenserver verbunden. So können etwa Reaktionen und Arbeitsabläufe bei ungewöhnlichen Situationen trainiert werden. BMW Motorsport entwickelt den Simulator parallel zur laufenden Nutzung kontinuierlich weiter - neben der Hardware vor allem im Bereich der Software und Modellierung.

Foto: BMW Motorsport

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