Formel E

Thriller in Tempelhof: Die XXL-Vorschau auf das Formel-E-Rennen 2023 in Berlin

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Es ist wieder soweit: Die Formel E fährt in Berlin! Vor den Augen von bis zu 28.000 Fans finden auf dem Vorfeld des stillgelegten Flughafens Tempelhof die WM-Rennen 7 und 8 der WM-Saison 2023 statt. Kann Lokalmatador Pascal Wehrlein einen Heimsieg feiern und seine Gesamtführung ausbauen? Wie steht es um die anderen Deutschen? Und wird auch der Berlin E-Prix zu einer "Windschattenschlacht" wie zuletzt Sao Paulo? Unsere Rennvorschau.

Auf keiner Strecke der Welt fuhr die Formel E mehr Rennrunden als in Berlin-Tempelhof (gesamt: 577). Seit der ersten Ausgabe des E-Prix im Jahr 2015 landete die Elektroserie schon 15 Mal auf dem Flugfeld. In dieser Saison folgen die Ausgaben 16 und 17. Doch trotz des damit verbundenen großen Vorerfahrungsschatzes vieler Teams ist in diesem Jahr einiges anders.

Schließlich stellten sie die neuen Gen3-Autos seit dem Saisonstart vor große Herausforderungen: Mehr Leistung, ein zusätzlicher Motor an der Vorderachse zur Energierückgewinnung und die große Bedeutung des Windschattens werden, wie schon bei den ersten Rennen 2023, auch in Berlin zu den wichtigsten Themen zählen. Was das Paddock abgesehen davon in der Hauptstadt bewegt, erfährst du in unserer XXL-Rennvorschau.

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Wo genau findet das Formel-E-Rennen in Berlin statt?

Mit Ausnahme des Berlin E-Prix 2016 fanden alle Deutschland-Rennen der Formel E auf dem Vorfeld des stillgelegten Flughafens Tempelhof statt. So auch in diesem Jahr: Die Elektroserie schlägt ihr Lager direkt unter dem Vordach des vormaligen Airports auf, also genau dort, wo während der Luftbrücke 1948/49 Rosinenbomber parkten, während sie den von der Außenwelt abgeschnittenen Westteil Berlins mit Lebensmitteln und Energie versorgten.

Berlin selbst bedarf kaum einer Vorstellung. Mit 3,6 Millionen Einwohner:innen ist die größte Stadt Deutschlands das politische Zentrum der Bundesrepublik. Für seine Clubszene ist Berlin weltweit bekannt, doch auch kulinarisch hat die Stadt dank zahlreicher Zuwanderer:innen von innerhalb und außerhalb Deutschlands jede Menge zu bieten.

Fast Facts | Berlin

  • Dass im Wappen des Landes Berlin ein Bär zu erkennen ist, ist kein Zufall: Historiker:innen vermuten, dass Albrecht I., der den Namen "Albrecht der Bär" trug und die Mark Brandenburg gründete, der Stadt im Jahr 1280 ihren Namen gab.
  • Mit mehr als 20.000 Tieren und 1.200 verschiedenen Tierarten ist der Zoologische Garten in Berlin der artenreichste Zoo der Welt.
  • An vielen Ecken Berlins gibt es einen "Späti". Das Konzept stammt aus der DDR, wo die Kioske für Nachtarbeiter:innen gedacht waren, die tagsüber nicht in der Lage waren, das Nötigste zu kaufen. In der gesamten Stadt soll mehr als 1.000 Spätis geben.
  • Um die Formel-E-Strecke in Tempelhof zu errichten, sind 1.648 Betonblöcke und Fangzäune nötig. Hinzu kommen 110 Container, 28 Zelte und 41 Kilometer Kabel für Strom, Telemetrieübertragungen und Co.
  • Rechnet man alle in Berlin absolvierten Rennrunden zusammen, drehten die Formel-E-Fahrer dort insgesamt 13.285 Umläufe. Die dabei zurückgelegte Distanz von 31.154 Kilometern entspricht ungefähr der Entfernung zweier Flüge von Berlin nach Sydney und zurück.

Wer überträgt das Formel-E-Rennen in Berlin im TV & Livestream?

Bis zu 28.000 Fans erwartet der Veranstalter während des E-Prix-Wochenendes in Berlin. Wie schon in der Vergangenheit finden in diesem Jahr zwei Rennen in Deutschland statt: eines samstags, eines sonntags. Das Rennwochenende beginnt aber eigentlich schon am Freitag mit dem 1. Freien Training, das nicht vor Ort an der Strecke verfolgt werden kann.

In Deutschland überträgt die gewohnt ProSieben das Formel-E-Rennen aus Berlin. Das Qualifying läuft in einem Stream bei ran.de. Alle Freien Trainings kannst du wie gewohnt auf der Livestream-Seite von e-Formel.de verfolgen. Außerdem zeigt Eurosport 2 den Berlin E-Prix in voller Länge, übrigens auch in der Schweiz und Österreich. Dort können Fans das Rennen aber auch bei ORF eins beziehungsweise in der ORF-TVthek verfolgen. In der Schweiz läuft das Rennen zudem im Programm des Bezahlsenders MySports Edge.

Session Datum Wochentag Start TV/Stream Session Ende TV/Stream TV-Sender/Website
1. Freies Training 21.04.2023 Freitag 16:55 17:00-17:30 17:45 e-Formel.de
2. Freies Training 22.04.2023 Samstag 08:00 08:10-08:30 08:45 e-Formel.de
Qualifying 22.04.2023 Samstag 10:30 10:40-11:55 12:05 ran.de
Rennen 22.04.2023 Samstag 14:30 15:03-16:00 16:20 ProSieben / ran.de
3. Freies Training 23.04.2023 Sonntag 08:00 08:10-08:30 08:45 e-Formel.de
Qualifying 23.04.2023 Sonntag 10:30 10:40-11:55 12:05 ran.de
Rennen 23.04.2023 Sonntag 14:30 15:03-16:00 16:20 ProSieben / ran.de
Rookie-Test (vorm.) 24.04.2023 Montag   09:00-12:00   e-Formel.de (Ticker)
Rookie-Test (nachm.) 24.04.2023 Montag   14:00-17:00   e-Formel.de (Ticker)

* alle Angaben in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ)

Am Montag nach dem Rennwochenende (24. April) findet in Berlin zudem ein zentraler Testtag für alle Teams statt. Daran teilnehmen dürfen ausschließlich Fahrer, die noch keinen E-Prix oder weniger als zwei Tests in der Elektroserie bestritten haben (zur vollständigen Nennliste des Rookie-Tests). Der Test findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. 'e-Formel.de' ist jedoch vor Ort und berichtet den ganzen Tag über im Hankook Formel E Liveticker und mit Analysen.

Was zeichnet die Rennstrecke in Berlin aus?

Zwei längere Geraden machen den "Tempelhof Street Circuit", so der offizielle Name der Rennstrecke, zu einer der schnelleren Pisten im Formel-E-Kalender. "Der Windschatten wird deswegen wieder ein Thema sein, wenn auch nicht ganz so extrem wie beim letzten Mal in Sao Paulo", bewertet McLaren-Fahrer Rene Rast die Strecke auf Nachfrage von 'e-Formel.de'.

Auf 2,355 Kilometern müssen die Fahrer insgesamt zehn Kurven bewältigen. Der Kurs wird an beiden Tagen gegen den Uhrzeigersinn befahren. Einen Richtungswechsel und Umbau über Nacht (wie etwa 2022) wird es dieses Jahr nicht geben. Die Attack-Zone befindet sich weiterhin in Kurve 6. Eine zusätzliche Besonderheit: Die Autos fahren in Berlin nicht auf Asphalt, sondern auf weitaus griffigeren Betonplatten. In den vergangenen Jahren war der Reifenverschleiß somit stets ein kritisches Thema.

Was ist seit dem letzten E-Prix in Sao Paulo passiert?

Schon in Sao Paulo begannen die Diskussionen über die nächsten Entwicklungsschritte der Formel E, insbesondere bezüglich des Gen3EVO- beziehungsweise Gen4-Autos. Die Details der Unterhaltungen, darunter Gedankenspiele zur möglichen Einführung eines Allradantriebs, dürften die Teams auch noch bei privaten Testfahrten beschäftigt haben, die einige von ihnen in den vergangenen Wochen in Spanien durchführten.

Abgesehen davon gaben die Rennställe nacheinander ihre Line-ups für den Rookie-Test bekannt. Mit dabei sind ehemalige F1-Starter wie Daniil Kvyat, Jack Aitken und Roberto Merhi, aber auch deutsche Nachwuchstalente wie David Beckmann und der 18-jährige Tim Tramnitz aus Hamburg.

In welcher Reihenfolge gehen die Fahrer ins Qualifying?

In der Formel E findet die Qualifikation in zwei Abschnitten statt: Gruppenphase und K.-o.-Phase. Für das Gruppen-Qualifying wird das Fahrerfeld zunächst in zwei Hälften geteilt, wobei alle Fahrer auf den ungeraden Meisterschaftsrängen (Plätze 1, 3, 5, 7 usw.) in Gruppe A antreten, die Fahrer auf den geraden Rängen in Gruppe B.

Die jeweils vier Piloten, die nach zwölf Minuten die schnellsten Rundenzeiten in ihrer Gruppe fahren konnten, ziehen anschließend ins Viertelfinale ein, wo sie sich fortan um die besten Startplätze duellieren. Für das Samstagsrennen des Berlin E-Prix ergibt sich die folgende Zusammenstellung für die Qualifying-Gruppen.

Wie wird das Wetter in Berlin?

In Berlin muss sich die Formel E auf typisch deutsches Aprilwetter einstellen. Mehr als 20 Grad Celsius sind an beiden Renntagen wohl nicht drin - sonntags sind laut aktuellen Vorhersagen auch kurze Regenschauer möglich. Mehrere Tage vor dem Rennen ist aber noch unklar, ob sich die derzeitige Vorhersage bewahrheiten wird.

Wer sind die Favoriten?

In der Saison 2023 führt bislang kein Weg an Porsche vorbei: Gemeinsam mit dem Kundenteam Andretti konnte die Sportwagenmarke aus Zuffenhausen an den ersten Rennwochenenden fast nach Belieben Rennen gewinnen. Pascal Wehrlein reist als WM-Führender nach Berlin (zur Gesamtwertung), büßte in den vergangenen drei E-Prix jedoch immer wieder Punkte ein.

Die größten Profiteure von kleinen Porsche-Fehltritten waren zuletzt DS Penske und Jaguar Racing. Insbesondere die "Raubkatze", die in Sao Paulo alle drei Fahrer auf dem Podium mit Motoren ausstattete, sollten Fans im Blick behalten. Doch auch die weiteren deutschen Fahrer Rene Rast (McLaren), Andre Lotterer (Andretti) und Maximilian Günther (Maserati) gaben sich zuletzt optimistisch, beim Berlin E-Prix wieder vorn mitfahren zu können. Wir freuen uns auf ein spannendes, wendungsreiches Rennwochenende!

Übrigens: Auch in der Formel-E-Saison 2023 haben unsere Leser:innen eine kostenlose Community-Tippspiel-Runde organisiert. Wer mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, die ersten Tipps abzugeben oder sich neu anzumelden!

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