Formel E

To-do-Liste: 5 Dinge, die die Formel E so schnell wie möglich verändern muss

Timo Pape

Timo Pape

Formula-E-Logo-2023-on-Kerb

Die Formel E hat einen soliden Start in ihre Gen3-Ära hingelegt. Nach einem gelungenen - wenn auch nicht spektakulären - Auftakt in Mexiko boten die beiden Nachtrennen in Saudi-Arabien einige Unterhaltung und auch wieder etwas mehr Überholmanöver. Dennoch gibt es für die Formel E noch ein paar Baustellen, die sie zum Teil schleunigst angehen sollte.

1. Rückspiegel erhöhen

Bereits bei den Vorsaison-Testfahrten in Valencia hatten sich einige Fahrer kritisch zu den Rückspiegeln an den neuen Gen3-Autos geäußert. "Es ist schwierig, etwas zu sehen, weil die Verkleidung schwankt und die Hinterräder im Weg sind", sagte damals Nico Müller. "Wir können damit keine Rennen fahren. Das ist etwas, das geändert werden muss", fand auch McLaren-Pilot Rene Rast.

Beim Diriyya E-Prix kochte das Thema erneut hoch, als es im Qualifying beinahe zur Kollision zwischen Pascal Wehrlein und Sergio Sette Camara kam. Der Brasilianer fuhr im Schritttempo auf die letzte Kurve zu, um seine schnelle Runde zu starten. Von hinten eilte jedoch Wehrlein mit großem Tempoüberschuss heran und fuhr gerade so an der Innenseite von Sette Camara vorbei. Eine gefährliche Szene, die zum Glück glimpflich ausging. Der Nio-333-Pilot funkte anschließend wütend an sein Team, dass er den Porsche wegen der neuen Rückspiegel nicht habe sehen können.

"Es braucht keine große Veränderung. Man muss sie nur etwas höher machen", schlägt Lucas di Grassi bei 'The Race' vor. Genau das sollte die Formel E vor dem anstehenden Rennen in Hyderabad tun. Ein kleiner Eingriff, der die Sicherheit der Fahrer in vergleichbaren Situationen gewährleisten kann.

2. LEDs sinnvoll nutzen

Wie 'e-Formel.de' in Erfahrung gebracht hat, haben die Farben der LEDs am Gen3-Auto "keine technische Bedeutung - abgesehen davon, dass sie die Autos besser hervorstechen zu lassen. Bei den Testfahrten in Valencia haben wir auch lilafarbene und weiße Streifen ausprobiert. Der Standard sollte inzwischen aber immer Blau sein", teilte uns die Formel E mit.

In der Gen2-Ära hatten die LEDs auch einen informativen Nutzen: Leuchten sich blau, wussten Fans: Der Fahrer befindet sich gerade im Attack-Mode. Aktivierte er seinen FANBOOST (den es inzwischen nicht mehr gibt), blinkten die LEDs lilafarben. Im normalen Rennmodus waren sie ausgeschaltet. Am Gen3-Auto leuchten sie nun dauerhaft blau. Sieht gut aus, ja.

Aber Fans können dadurch kaum noch nachvollziehen, ob ein Pilot im Attack-Mode mit zusätzlicher Leistung unterwegs ist. Für uns ist beim besten Willen nicht ersichtlich, warum die Formel E nicht wenigstens zwei verschiedene Farben nutzt, zum Beispiel Blau im Rennmodus und Lila im Attack-Mode. Technisch wäre dies eine denkbar simple Aufgabe, die buchstäblich Licht ins Dunkel brächte.

3. Attack-Mode-Dauer erhöhen

Zwar müssen die Piloten weiterhin zweimal pro Rennen ihren Attack-Mode aktivieren, wie es zumeist auch in der Gen2-Ära der Fall war. Die Gesamtdauer hat sich jedoch stark reduziert. Aktuell dürften die Fahrer in Summe nur noch vier Minuten mit der zusätzlichen Leistung fahren - rund die Hälfte im Vergleich zu vorher. Dadurch gibt es weniger Überholmanöver und weniger Action auf der Strecke.

Ja, die aktuelle Situation ist nur eine Übergangslösung, bis im späteren Saisonverlauf der neue "Attack-Charge" eingeführt wird - eine Kombination des Attack-Mode mit den geplanten Schnelllade-Boxenstopps. Voraussichtlich sehen wir aber noch mindestens fünf Rennen im aktuellen Modus. Warum ist die Formel E also so konservativ? Wir hoffen auf eine Verlängerung, selbst wenn es nur sechs Minuten Gesamtdauer wären. Jede Minute mehr hilft.

4. Schnelleren Reifen in Auftrag geben

Das Gen3-Auto ist langsamer als sein Vorgänger - trotz deutlich mehr Leistung und weniger Gewicht. Ein Hauptgrund hierfür sind die im Vergleich zum Vorjahr viel härteren Reifen. Mögliche Lösungsansätze haben wir bereits ausführlich in einem eigenen Kommentar beleuchtet: Entweder müssen die Reifen weicher werden, oder die Formel E bekommt Slicks und richtige Regenreifen spendiert.

Eine solche Änderung lässt sich natürlich nicht so leicht und kurzfristig umsetzen wie etwa höhere Rückspiegel oder blinkende LEDs. Nichtsdestotrotz muss die Formel E so früh wie möglich eine Entscheidung treffen, um Hersteller Hankook entsprechend beauftragen zu können.

Übrigens: Nach unseren Informationen haben Formel E und FIA bis kurz vor den Valencia-Testfahrten noch Tests mit einer alternativen - mutmaßlich weicheren - Gummimischung durchführen lassen. Letztlich entschieden sie sich jedoch für den ursprünglichen härteren Profilreifen. Vielleicht wäre die alternative Mischung ja sogar eine kurzfristige Lösung für die laufende Saison?

5. Medienarbeit wieder verbessern

In den ersten Jahren der Formel E war die Arbeit zwischen der Serie und Medienvertreter:innen geprägt von gegenseitigem Respekt und Verständnis. Trotz Start-up - oder gerade deswegen - wurde sich in der Kommunikation stets um Professionalität bemüht. Davon ist nach acht Jahren nicht mehr viel übrig geblieben. Dies ist nicht nur unsere Meinung, sondern auch die zahlreicher Kolleg:innen aus dem In- und Ausland.

Jüngste Beispiele hierfür: Pressekonferenzen ohne Tonsignal (anscheinend ohne dass es überhaupt jemand merkt), verspätete oder gar nicht erst gestartete Livestreams, keine Fragemöglichkeit mehr für Journalist:innen während der offiziellen Pressekonferenzen. Auch, dass es die Medienabteilung erst nach zehn Tagen und dem dritten Nachhaken schafft, eine simple Frage zu beantworten, lässt Frust aufkommen. Was die Gründe für die kommunikative Abwärtsspirale der Formel E sind, wissen wir nicht. Nur, dass es immer schwieriger wird, seinen Job als unabhängiges Medium gut zu machen.

Zurück

2 Kommentare

Helmut ·

Und noch was: ausmisten beim Strafenkatalog mit natürlich dazupassender Umsetzung technischer Reglementänderungen.

(Stichwort Powerspikes, overboost, max. regen)

Tom ·

Ich finde auch, dass sich in den letzten Jahren der Auftritt in den sozialen Medien verschlechtert hat.
Während alte Formate wie "Track Preview" und verschiedene "Best of" Videos gestrichen wurden, werden zwar neue Formate wie die "Pitlane Preview" Show, die "FE Show" und "Formula E-xtra produziert, davon findet man aber nur die Preview Show als Video auf Youtube.
Warum man den Rest wie die FP Highlights, Driversroom, Teamradio highlights und die E-xtra Show in der Verbuggten Formel E App versteckt und nicht einfach auf YT hochläd ist mir auch ein Rätsel.

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 7 und 6.