Formel E

Token statt 2-Jahres-Homologation: FIA & Formel E planen neuen Upgrade-Mechanismus bei Gen4-Boliden

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Mit Einführung der Gen4-Boliden wollen FIA und Formel E die Art und Weise überarbeiten, wie die Formel-E-Hersteller ihre Antriebe weiterentwickeln dürfen, wie das britische Magazin Autosport berichtet. Anstatt alle zwei Jahre neue Hardware zu homologieren, will man zukünftig auf ein Tokensystem umsteigen. Dieses soll es den Herstellern erlauben, bei Bedarf einzelne Komponenten des Antriebsstrangs weiterzuentwickeln. Ein ähnliches System kommt bereits in der Hypercar-Kategorie der Langstrecken-Weltmeisterschaft zum Einsatz.

Jeder Hersteller soll dabei eine festgelegte Anzahl an Tokens, also eine Art Wertmarken, für die gesamte Gen4-Ära zur Verfügung haben. Die unterschiedlichen Komponenten des Antriebsstrangs sind dabei jeweils einem bestimmten Token zugeordnet. Sollte ein Hersteller eine weiterentwickelte Version eines Teils homologieren, wird dieser Token von seinem Kontingent abgezogen. Diese Token beziehen sich jedoch nur auf die Hardware. Software-Updates der Hersteller sind davon grundsätzlich nicht betroffen und werden auch in Zukunft zu jedem Rennen möglich sein.

Damit rücken die Regelhüter deutlich von ihrer bisherigen Philosophie ab: Im Zuge der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 durften die Hersteller immer nur im Zwei-Jahres-Rhythmus ihre Hardware neu homologieren: Saison 7, Saison 9 und Saison 11. Konstruktionsbedingte Schwächen konnten somit erst nach Ablauf von zwei Saisons behoben werden - ausgenommen davon waren lediglich Zuverlässigkeitsprobleme. Bei den Gen4-Boliden dürfte es somit häufiger Hardware-Updates geben. Um einen starken Kostenanstieg zu verhindern, werden die Hersteller jedoch nicht genügend Token erhalten, um sämtliche Komponenten überarbeiten zu können.

Das neue System soll die Flexibilität erhöhen und Herstellern mit Problemen bei einzelnen Komponenten ein leichteres Aufschließen zur Konkurrenz ermöglichen. Inwieweit die geplanten Änderungen mit Anpassungen der Fahrzeugkarosserie kompatibel sein werden, wie sie beispielsweise nach der zehnten Saison mit dem Umstieg von Gen3 auf Gen3 Evo vorgenommen wurden, ist aktuell noch unklar. Veränderte Karosserieteile, beispielsweise ein neu gestalteter Frontflügel, würden zugleich den Luftfluss und damit die Kühlung der Antriebe beeinflussen.

Gaillardot: "Die Hersteller forderten mehr Flexibilität"

"Früher betrug der Homologationszyklus zwei Jahre", erklärt Vincent Gaillardot, technischer Leiter der FIA für die Formel E, bei Autosport. "Wenn die Hersteller das Auto homologierten, hatten sie zwei Jahre lang keine Möglichkeit, ihr Auto zu aktualisieren. Das bedeutet, dass man zwei Jahre lang damit leben muss, wenn man etwas falsch macht."

"Die Hersteller forderten mehr Flexibilität, um selbst entscheiden zu können, wann sie ihre Entwicklungen umsetzen möchten", fährt Gaillardot fort. "Das ist etwas, was wir bei der FIA aus anderen Serien sehr gut kennen. Jetzt haben sie ihre initiale Homologation und erhalten einen Token oder Joker, sodass sie Elektromotor, Inverter und Getriebe zu einem beliebigen Zeitpunkt aktualisieren können, einmal während der vier Jahre. Für die sogenannten niedrigsten Perimeter – einer ist mechanisch, also das Gehäuse und die Radaufhängung, einer ist das elektrische System und der dritte ist das Hydrauliksystem – erhalten sie zwei Joker. Das bedeutet, dass sie während des Vierjahreszyklus hier zwei Updates durchführen können."

Ganz frei wählbar ist der Zeitpunkt jedoch nicht, wie Gaillardot weiter erklärt: "Zu Beginn einer jeden Saison führen wir die Zwischenhomologation mit den Jokern durch. Wir werden am Ende alle diese Joker zählen, was ihnen Flexibilität verschafft, und dieselbe Flexibilität gilt auch mit Blick auf die Kostenobergrenze. Sie haben die Möglichkeit, ihr Geld und ihr Budget auszugeben, wann sie wollen - gekoppelt an die Token-Entwicklung."

Bertrand: "Man muss nicht alle 2 Jahre ein komplett neues Auto entwickeln"

"Uns hat das bei unserem Ansatz sehr geholfen", beschreibt Mahindra-Teamchef Frederic Bertrand bei Autosport. Laut Bertrand spielte das neue System eine Schlüsselrolle bei Mahindras Entscheidung, in der Gen4-Ära als Hersteller anzutreten. "Man muss nicht alle zwei Jahre ein komplett neues Auto entwickeln. Wir dachten, dass wir unser eigenes Auto Schritt für Schritt weiterentwickeln könnten, ohne nach zwei Jahren erneut ein vollständiges Entwicklungsbudget beantragen zu müssen. Das war für uns ein großer Schritt im Validierungsprozess."

"Diese Regeln sind sehr hilfreich, da sie den 'Wahnsinn' auf der Budgetseite ein wenig reduzieren", ergänzt er. "Man muss nicht daran denken, dass man in einem Zeitraum von vier Jahren zwei Autos baut, sondern man kann mehr oder weniger anderthalb Autos bauen."

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