Formel E

Tränen & Respekt nach "riskantem" Führungskampf mit Vergne: Felix da Costa feiert 1. Formel-E-Sieg mit Porsche

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Antonio-Felix-da-Costa-Shoulders-Porsche

Fünf Rennen hat es gedauert, ehe Antonio Felix da Costa seinen ersten E-Prix für TAG Heuer Porsche gewinnen konnte. Mit einem epischen Manöver in der Schlussphase des Formel-E-Rennens in Kapstadt setzte er sich an seinem ehemaligen Teamkollegen Jean-Eric Vergne (DS Penske) vorbei. Nach dem Zieleinlauf sprach Felix da Costa mit Tränen in den Augen über seine "lange Reise" in der Elektroserie, während Vergne seinen Respekt zollte.

Ausgehend von Startplatz 11 schien der Kapstadt E-Prix für Antonio Felix da Costa schon verloren, bevor er überhaupt begonnen hatte. Der Highspeed-Kurs in Südafrika bot den Fahrern schließlich nur wenige Überholmöglichkeiten in den Kurven 1 und 10. Doch zwei seiner wichtigsten Manöver setzte der Portugiese nicht in den harten Bremszonen am Ende der langen Geraden, sondern in der Highspeed-Kurve 8 - ausgerechnet dort, wo im Qualifying Sam Bird (Jaguar) und Edoardo Mortara (Maserati) verunfallt waren.

Bei Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h stürmte Felix da Costa erst innen an Nick Cassidy (Envision) vorbei, ehe er sich wenig später an derselben Stelle seinen vormaligen Teamkollegen Jean-Eric Vergne vorknöpfte. Nach 32 Runden gewann er mit einem Vorsprung von lediglich 0,281 Sekunden das fünfte Rennen der Saison 2023. Es war das knappste Finish seit dem Berlin E-Prix 2021.

"Das ist vielleicht das erste Mal, dass ich wirklich sprachlos bin", sagte Felix da Costa sichtlich gerührt kurz nach dem E-Prix im englischsprachigen TV-Weltsignal. "Auf meinen Schultern lag eine große Last - was für eine Reise! Ich muss mich bei allen bedanken, die an mich geglaubt haben und mir geholfen haben, um an diesen Punkt zu kommen. Es ist sehr erleichternd."

Über sein entscheidendes Überholmanöver gegen Vergne sagt der Meister der Saison 2019/20: "Es war riskant. Ich weiß, wie schwer es ist, ihn zu überholen. Von Anfang an wollte ich meinen Überholversuch erst am Rennende unternehmen, weil ich mich zunächst zurückhalten wollte, um einen Energievorteil aufzubauen. Für einen kurzen Moment dachte ich während des Manövers zwar, dass ich die Kontrolle verliere. Aber es hat doch noch gut geklappt."

Vergne lobt Felix da Costa - und ärgert sich erneut über Rückspiegel

Auch Jean-Eric Vergne zeigte sich nach dem Rennen beeindruckt von Felix da Costas Überholshow. "Das war wirklich fantastisch von ihm!", lobt der Franzose. "Das Einzige, das mich daran frustriert, sind mal wieder unsere Rückspiegel. Seit mehreren Rennen beschweren wir uns, dass es gefährlich ist, weil wir nicht gut nach hinten schauen können. Ich konnte ihn nicht kommen sehen. Hut ab, dass er das clever ausgenutzt hat!"

Wenige Minuten vor seinem waghalsigen Manöver gegen Vergne hatte Felix da Costa bei einem ähnlichen Überholversuch die zwischenzeitliche Führung von Nick Cassidy (Envision) übernommen. Als der Porsche-Pilot kurz darauf seinen zweiten Attack-Mode aktivierte - wobei er im ersten Versuch eine Schleife verpasste -, fiel er hinter Vergne zurück. "In diesem Moment dachte ich schon, dass mein Rennen gelaufen ist", so Felix da Costa. "Dann habe ich aber beobachtet, wie mein Energieverbrauch in seinem Windschatten besser wurde. Also habe ich es einfach mal versucht - und der Plan ging auf!"

In der Fahrer-WM liegt Felix da Costa nun auf Gesamtposition 4, nur vier Punkte hinter Vergne. Beide konnten den Rückstand auf die WM-Spitzenreiter Pascal Wehrlein (Porsche) und Jake Dennis (Andretti), die den E-Prix punktlos beendeten, deutlich verkleinern. Schon beim nächsten Rennen könnten sie theoretisch die Spitze des Tableaus übernehmen. Der E-Prix in Sao Paulo ist für den 25. März angesetzt.

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